Eine zweite Heimat gefunden

Mexikanerin in Stadtlohn

In eine ganz andere Welt tauchte im August des letzten Jahres Sandra Leticia Guerra Loza ein. Als die gebürtige Mexikanerin durch ein Austauschprogramm in Stadtlohn ankam, prallten regelrecht zwei Kulturen aufeinander. Doch mittlerweile gefällt es der 19-Jährigen in der Kleinstadt so gut, dass sie an ihre Abreise gar nicht denken möchte.

STADTLOHN

, 13.05.2015, 18:18 Uhr / Lesedauer: 2 min

"Ich habe hier so unglaublich viel erlebt und ganz viele liebe Freunde gefunden", so die Mexikanerin. Sie stammt aus der rund 70000 Einwohner zählenden Stadt Tlaxcala im mexikanischen Hochland. Im August sagte sie schließlich ihren Eltern und zwei Geschwistern Lebewohl auf Zeit, um in Stadtlohn bei Familie Höing als Gasttochter einzuziehen. Organisiert wurde der Aufenthalt durch das internationale Jugendaustauschprogramm "Youth for understanding" (zu deutsch: Jugend für Verständigung).

Absolutes Muss

Heute, ungefähr neun Monate nach ihrer Ankunft, lacht Sandra nur noch über das, was am Anfang alles furchtbar neu war: "Ich konnte zum Beispiel kein Fahrrad fahren. In Mexiko sind alle mit Kleinbussen unterwegs und kaum einer besitzt ein Rad. Und hier ist das ein absolutes Muss." Unvergesslich ist in ihren Augen auch der Winter: "In Mexiko schneit es nicht. Und hier habe ich sogar bei einer Reise nach Österreich Skifahren gelernt." Selbst Gastmutter Dagmar Höing erinnert sich: "Ihr erster Schneemann war etwas ganz besonderes."

Ähnlich ungewöhnlich erschienen viele Kleinigkeiten, etwa die Begrüßung. Während es in ihrer Heimat üblich ist, sich Küsschen auf die Wangen zu geben, reicht man sich in Deutschland die Hand. "Ich dachte erst, die Leute mögen mich nicht, bis meine Gastfamilie mir das erklärt hat." Auch darüber hinaus halfen Dagmar und Peter Höing wo es ging. Sie reisten mit ihrer Gasttochter nicht nur umher - etwa an die Ostsee zum Segeln, nach Berlin, Hamburg, Dresden, Paris, Rom und sogar Hongkong - sondern integrierten sie vollständig in das Familienleben.

Kleine Zettelchen

"Besonders toll finde ich aber, dass sie mir mit der Sprache helfen. Sie klebten auf alle Gegenstände Zettel mit den deutschen Wörtern", erinnert sie sich. Immer, wenn sie ein Wort beherrschte, wurde der Post-it entfernt - mittlerweile ist keiner mehr im Haus zu finden. "Zusätzlich hat Sandra die Sprache auch im Geschwister Scholl Gymnasium gelernt", so Dagmar Höing. Dort besucht sie die Q1, allerdings ohne benotet zu werden, denn ihren Abschluss hat sie schon in Mexiko gemacht.

In der Schule lernte sie auch zahlreiche Freunde kennen, die ihr einige kulinarische Höhpunkte näher brachten: "Auf jeden Fall werde ich den Döner vermissen." Auch in ihrer Gastfamilie hat Sandra das fremde Essen genossen - eine typische mexikanische Mahlzeit wollte sie hingegen noch nicht zaubern. "Einmal habe ich Guacamole gemacht. Aber ansonsten probiere ich lieber das deutsche Essen aus, so wie Bratwurst."

Ihrer Rückkehr Anfang Juli sieht die Mexikanerin bei all den gewonnenen Eindrücken und Freunden eher gemischt entgegen. "Eigentlich will ich noch viel mehr erleben mit meinen Freunden und der Gastfamilie, aber ich freue mich auch auf meine Heimat", sagt sie. Außerdem hat die Stadtlohnerin auf Zeit große Pläne: Sie möchte Umweltwissenschaften studieren und hofft, dabei auch Zeit in Deutschland verbringen zu können.

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