E-Flugzeug

Erste E-Pilotin: Renate Thesing fliegt am Flugplatz Stadtlohn elektrisch

Am Himmel über Stadtlohn hat leise die Zukunft des Fliegens begonnen: Renate Thesing hat die Lizenz zum Elektrofliegen erworben – nach eigenen Angaben als erste Pilotin deutschlandweit.

„Ich wollte unbedingt die Erste sein. Und es ist absolut super das Stadtlohn ganz vorne mit dabei ist!“ Renate Thesing ist noch ganz beflügelt: Am Montag hat die 54-jährige Borkenerin auf dem auf dem Flugplatz in Stadtlohn die Lizenz zum Elektrofliegen erworben. Deutschlandweit besitzt nur eine Handvoll Piloten diese Lizenz für die noch seltenen Elektroflugzeuge. „Und ich bin die erste E-Pilotin“, sagt die Feinkost-Unternehmerin, die über Borkens Grenzen hinaus auch als „Tante Tomate“ bekannt ist.

Vor 15 Jahren entdeckte Renate Thesing ihre Leidenschaft fürs Fliegen. „Das war auf einem Schulungsflug, bei dem ich dabei sein durfte. Da habe gedacht: Das könnte ich doch auch. Dieser Gedanke war dann ständig in meinem Kopf.“ Es sollten aber noch einige Jahre bis zur Umsetzung vergehen. „Ich hab mich ja auch gefragt: Krieg’ ich das überhaupt auf die Kette? Dann aber habe ich mir gesagt: Ich will später nicht beim Oma-Kränzchen sitzen und darüber jammern, was ich alles nicht getan habe.“

Abflug aus dem Alltag

Vor sechs Jahren machte sie Nägel mit Köpfen und absolvierte ihre erste Flugstunde. Zwei Jahre später legte sie erfolgreich ihre-Flugschein-Prüfung für Motorflugzeuge mit Propellerantrieb ab. „Fliegen ist eine echte Faszination. Man kann total abschalten, ist ganz aus dem Alltag raus, sieht die Welt von oben. Die Freiheit ist grenzenlos und zugleich ganz eingeengt: Man ist ja total eingespannt und muss auf unglaublich viel achten.“

Und jetzt ist Renate Thesing auch noch eine Pionierin für umweltfreundliches Fliegen. „Ich war schon immer sehr technikinteressiert, weil Maschinen das Leben einfacher machen.“ So spitzte sie die Ohren, als 2020 am Flugplatz Stadtlohn das Gespräch auf die E-Flugscheine kam. Sofort meldete sie ihr Interesse an.

„Bundesweit die erste E-Ladesäule für Flugzeuge steht in Stadtlohn“

Der Flugplatz Stadtlohn-Vreden ist bei der Elektrifizierung des Flugverkehrs ganz vorne mit dabei. „Die Ladesäule für E-Flieger, die vor rund vier Wochen in Stadtlohn installiert wurde, ist die erste bundesweit“, sagt Flugplatz-Geschäftsführer Norbert Hetkamp. Das sei den guten Beziehungen zu verdanken, die der Flugplatz in Stadtlohn mit dem niederländischen Flugplatz Teuge bei Apeldoorn seit 50 Jahren pflegt. In Teuge sind zwei E-Flugzeuge vom Typ „Pipistrell“ stationiert. Teuge übergab eine ihrer fünf Ladesäulen nach Stadtlohn.

Auf einer der beiden E-Maschinen aus Teuge legte Renate Thesing jetzt in Stadtlohn ihre Prüfung ab. Der Akku an Bord der 200.000 Euro teuren Maschine reicht nur für etwa 50 Minuten oder rund 100 Kilometer. Dann muss der 65 Kilowatt starke Elektromotor wieder ans Netz.

„E-Flugzeuge haben Zukunft“

Die geringe Reichweite ist noch ein Problem. Norbert Hetkamp und Renate Thesing aber sind sich sicher: Die E-Flugzeuge haben Zukunft, so wie die E-Autos. „Das ist erst der Anfang – und ich bin dabei“, strahlt die frischgebackene E-Pilotin. Mit den E-Flugzeugen könne endlich CO2-neutral geflogen werden. „Und viel leiser, das ist doch auch schön für die Flugplatzanwohner.“

Geräuschfrei aber starten die E-Flugzeuge auch nicht. „Beim Start sind vor allem die Propellergeräusche zu hören, ganz gleich, ob es sich um einen Elektromotor oder einen Verbrennungsmotor handelt. Sind die Maschinen in der Luft, hört man sie bald kaum noch“, sagt Norbert Hetkamp.

E-Überfliegerin Renate Thesing freut sich, dass Stadtlohn bei der Innovation die Nase vorne hat. „Woanders wird noch an Konzepten gefeilt, aber wir Münsterländer machen das einfach“, sagt sie lachend. „Ich will dabei sein, weil es spannend ist. Weil es einfach ein Abenteuer ist.“

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Stefan Grothues