6 der 13 Hausärztinnen und Hausärzte in Stadtlohn sind über 60 Jahre alt. © picture alliance / dpa
Ärzteversorgung

Fast jeder zweite Hausarzt in Stadtlohn ist über 60 Jahre alt

Stadtlohn ist gut mit Hausärzten versorgt. Wenn nur das Problem mit dem Alter nicht wäre. Fast die Hälfte der Hausärztinnen und -ärzte ist über 60 Jahre alt. Wie geht es weiter?

Hat Stadtlohn genügend Hausärzte? Und ist die Hausärzteversorgung auch in Zukunft gesichert? Diese Fragen hat die FDP im Stadtentwicklungsausschuss aufgeworfen. Antworten gab in der jüngsten Sitzung Ansgar von der Osten von der Kassenärztlichen Vereinigung Westfalen-Lippe (KVWL). Sein Fazit: Die Versorgungslage mit Ärzten in Stadtlohn ist eigentlich gut. Wenn da nicht das Problem mit dem Alter wäre…

Hausarzt-Soll für Stadtlohn voll erfüllt

Und so sehen die Zahlen aus: 3 Hausärztinnen und 10 Hausärzte praktizieren in Stadtlohn. Damit ist die Sollzahl von 13 Hausärzten für Stadtlohn voll erfüllt. Der Wermutstropfen: 6 Ärztinnen und Ärzte sind über 60 Jahre alt und werden sich daher in einigen Jahren zur Ruhe setzen.

Ansgar van der Osten von der Kassenärztlichen Vereinigung Westfalen-Lippe hat den Stadtentwicklungsausschuss über die Ärzteversorgung in Stadtlohn informiert.
Ansgar van der Osten von der Kassenärztlichen Vereinigung Westfalen-Lippe hat den Stadtentwicklungsausschuss über die Ärzteversorgung in Stadtlohn informiert. © Stefan Grothues © Stefan Grothues

Der KVWL-Planungsbereich geht über die Stadtgrenzen hinaus. Dazu zählen auch Gescher und Südlohn. In diesem Planungsbereich praktizieren 29 Hausärzte. Der Versorgungsgrad liege damit bei knapp 105 Prozent. Jährlich zählt jeder der Ärzte im Schnitt 4089 Behandlungsfälle. Gescher ist nach den Worten des Experten etwas unterversorgt, Südlohn ist etwas besser als der Schnitt. Und in Stadtlohn sei die Versorgungslage mit Ärzten sehr ausgeglichen.

Überdurchschnittlich wenige Ärzte in den Fünfzigern

15 von der 29 Ärzte im Planungsbereich sind über 60 Jahre alt. „Damit ist der Anteil der über 60-Jährigen in Stadtlohn wie auch im Planungsbereich überproportional hoch“, erklärte Ansgar von der Osten. Im Durchschnitt sind in Westfalen-Lippe „nur“ knapp 40 Prozent der Ärzte über 60 Jahre alt.

Ansgar van der Osten hob aber auch einen positiven Aspekt zur Altersstruktur der Ärzte in Stadtlohn hervor. „Die Gruppe der 50 bis 59-jährigen Ärzte ist in Stadtlohn viel kleiner als im Landesdurchschnitt.“ Mit anderen Worten: Neben den vielen älteren Ärzten gibt es auch viele jüngere Ärzte in Stadtlohn. Das, so van der Osten, sei eine gute Perspektive.

Gemeinschaftspraxen machen Stadtlohn für Nachwuchs attraktiver

Was den Experten für die Ärztenachwuchsgewinnung in Stadtlohn positiv stimmt: Drei Einzelpraxen stehen zehn Gemeinschaftspraxen gegenüber. „Der Nachwuchs will keine Einzelpraxis“, weiß der KVWL-Experte. Die jüngeren Ärzte legten mehr Wert auf die Vereinbarkeit von Familie und Beruf, auf ärztliche Teamarbeit und Austausch. Auch das Investitions- und Haftungsrisiko könnten in Gemeinschaftspraxen minimiert werden. Insgesamt, so van der Osten, sei das Münsterland „besser aufgestellt als andere Regionen in Westfalen-Lippe“.

Und wie sieht es in Stadtlohn mit der Facharztversorgung aus? „Sehr gut“, sagt Ansgar van der Osten. Der Versorgungsgrad wird offiziell auf Kreisebene gemessen. Er liegt bei Urologen, Psychotherapeuten, Nervenärzten, HNO-Ärzten, Hautärzten, Frauenärzten, Augenärzten, Chirurgen und Orthopäden über 110 Prozent.

„Es gilt ein scheues Reh zu fangen“

In all diesen Fachgruppen gibt es daher Zulassungsbeschränkungen. Das gilt nur für die Kinderärzte nicht, für die die Versorgungsquote knapp unter 110 Prozent liegt.

In Stadtlohn ist die Facharztversorgung in den meisten Fachgruppen rechnerisch noch besser als auf Kreisebene. Allerdings gibt es in Stadtlohn keinen Hautarzt.

Was kann die Stadt Stadtlohn tun, um auch für die Zukunft eine gute Ärzteversorgung zu sichern? Ansgar van der Osten kleidete die Aufgabe in ein poetisches Bild: „Es gilt ein scheues Reh zu fangen…“ Hilfreich wäre ein Ansprechpartner im Rathaus, der mit den Ärzten im Austausch seht und wisse, wo lokal der Schuh drückt. Grundstücke, Praxisräume, Kinderbetreuungsangebote und Praxiskostenzuschüsse könnten gute Rahmenbedingungen schaffen. Er bot auch an, dass die KVWL bei Bedarf auch Praxisübernahme-Seminare in Stadtlohn anbieten könne.

Der stellvertretende Ausschussvorsitzende Dr. Albert Daniels (FDP) seinerseits nutze für den Dank an den KVWL-Experten eine medizinische Metapher: „Das war eine hilfreiche Vorsorgeuntersuchung. Das große Blutbild sieht gut aus. Aber wir müssen in Bewegung bleiben.“

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Stefan Grothues