Feuerwehr bekommt ihren Übungsturm

Neubau der Stadtlohner Feuerwache

Die Stadt hält am Standort für den Übungsturm der Feuerwehr fest, kommt aber den Kritikern entgegen. Und der Bauausschuss schafft Fakten.

Stadtlohn

, 28.02.2018, 18:22 Uhr / Lesedauer: 3 min
So sieht der Übungsturm im Entwurf aus. Ansicht: Horst Architektur

So sieht der Übungsturm im Entwurf aus. Ansicht: Horst Architektur

Großer Andrang im Ratssaal: Alle Zuschauerplätze waren am Dienstagabend in der Bauausschusssitzung belegt. Feuerwehrleute und Anlieger der Feuerwache am Steinkamp wollten die Diskussion rund um den geplanten und umstrittenen Übungsturm am Steinkamp verfolgen. Hier sind Fragen und Antworten zum Thema.

Wozu braucht die Feuerwehr einen Übungsturm?

„Es gibt einen deutlichen Zuwachs an Wohnräumen in Obergeschossen“, erklärte der stellvertretende Feuerwehrleiter Markus Vennemann am Dienstagabend. Am Turm können die Feuerwehrleute die Rettung von Menschen mit dem Teleskopmastfahrzeug trainieren. Außerdem sollen am und im Turm Löschangriffe unter Rauch, Schlauchmanagement, Absturzsicherung und der Umgang mit tragbaren Leitern geübt werden.

Ist der Übungsturm zwingend erforderlich?

Nein. Es gibt keine verbindlichen gesetzlichen Bestimmungen dazu. „Er ist aber ein großer Wunsch und ein Herzensanliegen der Feuerwehr“, sagt Carsten Kuglarz, stellvertretender Leiter der Feuerwehr. Der sonst notwendige ständige Wechsel der Übungsorte belaste die Ehrenamtlichen zeitlich und logistisch über die Maßen. Kuglarz: „Wir wollen die Feuerwehr baulich für die nächsten 30 Jahre aufstellen. Wir müssen in Sachen Ausbildung attraktiv bleiben. Da spielt der Turm eine wichtige Rolle.“

Was haben die Anwohner gegen den Übungsturm?

„Für viele Anwohner der Mülenstraße, Brookstraße, Timpenweide, Steinkamp und Voorkamp hätte der Turmbau zur Folge, dass deren Grundstücke einsehbar werden und die Wohnqualität stark eingeschränkt wird. Der Übungsturm inmitten eines Wohngebietes ist somit für uns nicht hinnehmbar“, so Martin Wissing, einer der Anlieger, in einer Online-Petition an den Landtag vom September 2017. Auf einer von der Stadt einberufenen Versammlung mit den Anliegern wurden auch Befürchtungen geäußert, der Übungsbetrieb am und im Turm könne zu noch stärkeren Lärmbelastungen führen. Alles in allem fürchten die Anlieger eine Wertminderung ihrer Immobilien.

Was schlagen die Anwohner vor?

„Wir sind nicht gegen die Feuerwehr und nicht gegen den Standort für den Neubau der Wache“, erklärte Volker Beer am Dienstagabend im Bauausschuss. „Wir schlagen aber vor, den Turm abseits von Wohngebieten und gemeinsam mit anderen Feuerwehren zu errichten.“ Das vermeide unnötige Belästigungen und spare zudem noch Steuergelder. Vor einer Entscheidung wünschen sich die Anwohner, dass ein Mediator eingesetzt wird, damit ihre Belange berücksichtigt werden. Volker Beer: „Wir streben eine einvernehmliche Lösung mit der Stadt an.“

Wie hoch soll denn der Turm werden?

14,5 Meter. Damit ist er etwa doppelt so hoch wie das Gebäude der Feuerwache. „Der Turm ist aber kein Monstrum“, sagt Markus Vennemann. Er vergleicht die Höhe mit dem Turm der evangelischen Kirche in der Hagenstraße, der im Stadtbild nicht zu erkennen sei. Vennemann: „Von jedem dreistöckigen Haus haben Sie den gleichen Ausblick wie vom Übungsturm.“

Und wie hoch ist der Preis?

In den Beratungen 2017 wurden die Kosten auf 175000 Euro geschätzt. Der Turm könnte aber noch teurer werden, wenn er mit Blendläden und Milchglasscheiben geschlossen wird. Auf Vorschlag von Bernd Schöning (FDP) sollen für diese zusätzliche Schutzmaßnahme vor Einblicken in die umliegenden Gärten die Kosten ermittelt werden.

Was sagen die Verwaltung und die Politiker zu den Bedenken der Anwohner?

Sie sind kompromissbereit. Der Standort Steinkamp wird aber nicht infrage gestellt. Der Sichtschutz soll durch neue Baumanpflanzungen verbessert werden. Verwaltung und Feuerwehr machen den Anwohnern konkrete und verbindliche Zusagen zu einem möglichst lärmgeminderten Betrieb der Feuerwache. Ludger Brockherde (SPD) fand mit seiner Einschätzung breite Zustimmung im Ausschuss: „Das ist ein guter Kompromiss. Wir hoffen auf weiterhin gute Nachbarschaft, auch wenn wir nicht alle Wünsche der Anwohner erfüllen können.“ Nach seiner Ansicht wurde im vergangenen Jahr das Wäldchen an der Wache „zu schnell gefällt“. Josef Wansing (CDU) regte an, konkrete Zusagen über die Art der Bepflanzung zu machen.

Und wird der Übungsturm nun gebaut?

Er wird gebaut. Das steht seit Dienstagabend fest. Aber das war lange Zeit nicht sicher. Nicht wegen der Nachbarn, sondern wegen des Geldes. Die Politiker hatten 2017 die Kosten für die neue Feuerwache auf 6,5 Millionen Euro gedeckelt. Sollte das Vorhaben teurer werden, so sollte auf den Übungsturm verzichtet werden. Wie am Dienstag im Bauausschuss bekannt wurde, gibt es nach den Ausschreibungen für den Rohbau bereits jetzt erhebliche Kostensteigerungen von 3,5 auf 3,95 Millionen Euro. Bürgermeister Helmut Könning: „Die Kostensteigerung von 13 Prozent hat die Stadt nicht zu verantworten, sie ist konjunkturell bedingt.“ Der Ausschuss hat nach der öffentlichen Sitzung im nichtöffentlichen Teil den Kostendeckel gelüftet und Aufträge für den Übungsturm vergeben.

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