Filigrane Fenster frei legen

St. Borromäus Büren

STADTLOHN Lautes Bohren ist zurzeit über den Dächern Bürens zu hören. Wer den Blick entlang der eingerüsteten Vorderfront der St. Carl Borromäus Kirche nach oben wendet, sieht feinen Sandsteinstaub davon wehen.

von von Katrin Herbers

, 20.07.2009, 16:36 Uhr / Lesedauer: 2 min

Die vor knapp zwei Wochen begonnenen Restaurierungsarbeiten an der Westseite laufen auf Hochtouren. "Die Instandhaltungsarbeiten sind in regelmäßigen Abständen notwendig - erst recht an der Wetterseite", erklärt Elisabeth Wansing. Am Turm würden Mauerwerksfugen ausgebessert und Holzbauteile ausgetauscht. Zurzeit seien Mitarbeiter einer Spezialfirma außerdem damit beschäftigt, die Giebelabdeckung am Eingang zu sanieren und dauerhaft vor Wind und Wetter zu schützen. Sie werde mit Kupferblech abgedeckt - mit Ausnahme des markanten Steinkreuzes. Auch die filigrane Rosette über dem Eingang soll eine Schutzverglasung erhalten. Alles in Abstimmung mit der Westfälischen Amt für Denkmalpflege in Münster, wie die Architektin betont. "Wir wollen diese Seite der Kirche so langandauernd vor Feuchtigkeit schützen", sagt Heinrich Watermann vom Pfarrgemeinderat. In acht bis zehn Wochen können die Bürener beim Betreten der Kirche die Bogenfenster unter der Rosette nicht nur von außen, sondern beim Blick auf die Empore auch von innen bewundern.

Denn bald soll der Blick auf die bunten Fenster frei sein, wo jetzt noch eine Mauer die Sicht versperrt. Bis vor einem Jahr stand an dieser Stelle die Orgel von 1943. "Sie musste abgebaut werden, weil sie wurmstichig war, damit sich der Fraß nicht auf die gesamte Kirche ausbreitet", weiß Watermann. Doch ganz verzichten sollen die Gläubigen auf die Dauer nicht auf eine Orgel.

"Das große Ziel ist, dass wir bis zum 100-jährigen Bestehen der Kirche in wenigen Jahren ein neues, möglicherweise gebrauchtes Instrument haben." Die Suche beispielsweise in Kirchen, die geschlossen werden, laufe. Es müsse allerdings eine Orgel sein, die die Rosette nicht verdecke, lautet eine Bedingung. Da das Bistum Münster die Anschaffung nicht finanziell unterstütze, müsse die Gemeinde dieses Vorhaben selbst stemmen. In Kürze

  • St. Carl Borromäus gehört als Filialkirche zur Pfarrgemeinde St. Otger.
  • 1913 wird der Grundstein für die Kirche gelegt. Zahlreiche Bauelemente wie Teile der Holzdecke, Bodenbeläge, Sandsteine und Fenster mit Maßwerk und Bleiverglasung stammen original aus der neugotischen Konviktskapelle des Collegium Borromäum – des Priesterseminars – in Münster, die zuvor abgerissen worden war. Am 20. Oktober 1914 wurde die St. Carl Borromäus Kirche – ohne den Turmaufbau – eingeweiht. 1949 wurde der Turm mit Pyramidendach errichtet und drei Glocken erworben.
  •  Initiiert worden war der Kirchenbau vom damaligen Pfarrer von St. Otger. Da einige Stadtlohner Kontakte und Einfluss beim Bistum hatten, konnte der Bau an diesem Knotenpunkt zwischen Stadtlohn, Gescher und Legden verwirklicht werden.
Lesen Sie jetzt