Flaute bei den Gästezahlen

Freibad

Mit Hilfe eines Blockheizkraftwerks erreicht das Wasser im Freibad Temperaturen zwischen 26 und 27 Grad Celsius. Doch am Samstagnachmittag genießen gerade mal zwei Schwimmer diese angenehmen Temperaturen. Schwimmmeister Christian Terhechte: „Die Witterung ist einfach zu wechselhaft.“

STADTLOHN

, 06.08.2017, 17:31 Uhr / Lesedauer: 2 min
Viel Platz, um Bahnen zu ziehen: Schwimmmeister Christian Terhechte im Stadtlohner Freibad.

Viel Platz, um Bahnen zu ziehen: Schwimmmeister Christian Terhechte im Stadtlohner Freibad.

Samstagnachmittag, 14 Uhr: Die Sonne drängt sich langsam, aber kräftig durch die dicke Wolkenschicht. Auf der Wiese spielen ein paar Jungs Volleyball, von der Uferstraße dringt der musikalische Ruf eines Schrotthändlers herüber, die Platzsprecherin beim benachbarten Reitturnier sagt das nächste Starterpaar an. Aus dem Schwimmmeisterhäuschen sind Radioklänge zu vernehmen. Beschaulich ist es rund um den Losberg. So geht es in diesen Tagen oft zu.

„Freitag 63, Donnerstag 85, von Montag bis Mittwoch über 100.“ Schwimmmeister Christian Terhechte zählt die Gästezahlen der laufenden Woche zusammen. „Es ist einfach zu wechselhaft“, wiederholt er. So wie an diesem Tage: Rund 30 Frühschwimmer hatten sich am Morgen bereits sportlich auf den Tag eingestimmt. „Die kommen immer – und immer mehr“, weiß Terhechte zu berichten.

Verändertes Freizeitverhalten

Seit 1960 gibt es das Stadtlohner Freibad, über die Hälfte dieser Zeit ist er bereits dort tätig. „Früher sind bei diesen Außentemperaturen weit weniger Gäste gekommen. Es spricht sich langsam herum“, hätten die besonderen Wassertemperaturen positive Effekte. Viele wollten das Wasser gar nicht mehr verlassen. Die Zeiten, in denen fast täglich 1500 bis 2000 Gäste das Bad bevölkerten, sind allerdings Seltenheit geworden. Wie fast überall – die Gründe kennt man: anderes Freizeitverhalten und Schulsystem sind nur zwei. „Die erreichen wir aber immer noch, wenn es mal konstant richtig sommerlich ist.“ 2017 eher selten.

Dann gibt es auch deutlich mehr Arbeit für das Bäder-Team. Heute ist Christian Terhechte allein. Er könnte aber jederzeit zum Beispiel Unterstützung vom DLRG-Team anfordern. Ebenso könnte Terhechte kurzerhand Wasser ins Kinder- und in die Durchschreitebecken einlassen, wenn der Zustrom gerade von Familien größer würde. An diesem Samstagnachmittag ist damit nicht mehr zu rechnen.

Grillklub trainiert

Der Himmel zieht sich schon wieder zu. Doch selbst, wenn die Sonne sich einmal länger zeige, hätte man mit einem neuen „Problem“ zu kämpfen. „Es wird immer windiger.“ Die ersten Regentropfen fallen. Die Gäste verlassen das Becken. „Schade, es ist so schön hier zwischen dem alten Baumbestand. Und die Wassertemperaturen machen das Schwimmen bei jedem Wetter angenehm“, erklärt Brigitte Tenhagen. „Ich liebe das Wasser.“ Andere Ambitionen haben die Jungs vom „Team Vorrundenaus“. Der Grillklub trainiert für den Dodgeball Beach-Cup – im Bad traditionell am Wochenende vor dem Event. „Seit sieben Jahren machen wird das“, berichtet Thomas Hessing. Geschwommen sei man aber auch schon. „Klasse Wasser.“

Stammgäste

Es regnet stärker, auch den Schwimmmeister zieht es kurz in den Eingangsbereich. Trotz des nun sintflutartigen Schauers lösen Maria und Ellen Kohaus ihr Ticket. „Unsere Stundenschwimmerin.“ Birgit Oenning begrüßt einen Stammgast, Tochter Ellen ist auf Heimaturlaub. „Dann gehört ein Badbesuch einfach dazu“, begleitet die Studentin ihre Mutter gerne. Auch wegen der Wassertemperaturen. Auch wenn die Monate Juni und Juli traditionell stärker seien, hofft Christian Terhechte noch auf einen regen August. Ab September, wenn das Wasser abgelassen wird, soll die Badsanierung nach und nach eingeleitet werden. Diese sei nach rund 56 Jahren auch notwendig. Verwitterte Startblöcke, poröse Fliesen, die Jahrzehnte haben Spuren hinterlassen. Aus Sicht des Bäder-Teams freut er sich auf das neue Freibad, die Edelstahlwanne werde die Pflege und Reinigung deutlich erleichtern.

Prinzip Hoffnung

Das ist Zukunftsmusik. Jetzt will er den letzten Monat in „seinem“ Bad noch einmal genießen. „Das wollen viele andere sicher auch“, könnte eine Wetterbesserung auch rasch für höhere Besucherzahlen sorgen. Viele wollten das „ursprüngliche“ Bad noch besuchen, viele verbänden Kindheitserinnerungen mit diesem. So wie er selbst, die Gefühle seien so auch gemischt. Christian Terhechte muss wieder „nach oben“. Maria und Ellen Kohaus ziehen trotz der Sturzbäche vom Himmel ihre Bahnen. Die 26 Grad und mehr machen dies uneingeschränkt zum Erlebnis. Und beim Blick auf die Wetter-App nährt schon der Sonntag die Hoffnung

Lesen Sie jetzt