Fliednerschüler lernen Gedächtnis Stadtlohns kennen

Besuch im Stadtarchiv

"Wie ihr zum Beispiel Kuscheltiere sammelt, weil sie euch wichtig sind, sammeln wir wertvolle Schriftstücke", erklärte gestern Ulrich Söbbing vom Stadtarchiv Stadtlohn seine Arbeit. Denn zu Besuch waren am Vormittag die Drittklässler der Fliednerschule. Im Gepäck hatten sie eine Menge Fragen.

STADTLOHN

, 27.05.2015, 19:12 Uhr / Lesedauer: 2 min

"Da es in Stadtlohn kein Museum gibt, haben wir hier auch einige Gegenstände. Aber eigentlich sammelt ein Archiv nur Dokumente auf Papier für alle Zeiten. Zum Beispiel Urkunden und Fotos", so Archivar Ulrich Söbbing. Tausende solcher Bilder - also Zeugnisse der Stadtgeschichte - lagern in dem Archiv an der Josefstraße.

Einige durften die Schüler der 3a und 3b auch selber untersuchen, nachdem ihnen die Räume des Archivs gezeigt wurden. "Wir sollen Fotos von der Zeit vor dem Zweiten Weltkrieg und danach anschauen und sagen, was anders ist", erklärte Leonie (9). Vor allem die große Zerstörung durch den Krieg fiel den Kindern an den Gebäuden dabei auf. Aber trotz großer Unterschiede wurden sogar einige Gebäude erkannt, die es heute noch gibt. Besondere Konzentration erforderte aber das Schreiben in Sütterlin. "Das klappte jedoch mit einer Vorlage ganz gut und die Schüler konnten alle ihre Namen schreiben", so Nina Rockrohr von der Kulturabteilung im Kreis Borken.

Alte Dokumente

Schon im Vorhinein zeigte Ulrich Söbbing den Kindern einige alte Dokumente. "Könnt ihr das Lesen?", fragte er und ging mit zwei Schriftstücken aus den Jahren 1790 und 1611 von Schüler zu Schüler. Doch alle waren sich einig: Diese alte deutsche Schrift und Sprache ist unverständlich. "Ich bin ganz froh, dass wir heute anders schreiben lernen", sagte etwa die neunjährige Emily. "Aber es macht Spaß, mal auszuprobieren, wie es früher war."

Auch Erion (8) sieht das so: "Bei den alten Fotos ist ein Bild von einer Schulklasse von 1930 dabei. Daran sieht man, wie sich alles verändert hat." Besonders auffällig aus Sicht der Schüler: Mit den alten und massiven Sitzbänke konnte man gar nicht kippeln.

Thema im Unterricht

Für Ulrich Söbbing, Nina Rockrohr und Susanne Ontrup, Fachleiterein Lehrerausbildung in Ochtrup, zeigte dieses Interesse der Schüler, dass Archivarbeit unbedingt ein Thema im Unterricht sein sollte. In der Arbeitsgruppe Archivwerkstatt entwickeln sie daher schon seit einiger Zeit eine Unterrichtseinheit. "Es geht darum, dass Schüler mit einem Archiv und der Geschichte ihrer Stadt in Berührung kommen", erklärt Rockrohr. "Unseren Entwurf testen wir nun aus. Der Vormittag mit den Schülern der Fliednerschule in Stadtlohn war unser erster Probelauf. Und er war wirklich gut", sagt sie.

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