Freiheitsstrafe nach Racheakt: Sieben Männer schlugen und traten auf einen 17-Jährigen ein

rnHaftstrafe auf Bewährung

Das Opfer lag am Boden und kassierte Tritte und Schläge von sieben Männern. Der Haupttäter stand jetzt vor Gericht – auch wenn Täter und Opfer beteuerten: „Es ist doch schon alles geklärt.“

Stadtlohn

, 30.07.2019 / Lesedauer: 3 min

Dramatische Szenen spielten sich am frühen Abend des 3. Oktobers 2018 auf dem alten Friedhof am Owwering ab. Sieben Männer umzingelten in dem Park einen 17-jährigen Stadtlohner, schlugen ihn zu Boden und traten auf ihn ein, gegen die Rippen und gegen auf den Kopf. „Als wenn man mit Picke gegen einen Fußball treten würde“, so sagte ein Zeuge bei der Polizei aus. Der 17-Jährige trug Prellungen, Schwellungen, eine blutige Verletzung an der Lippe und eine Gehirnerschütterung davon. „Ich war bewusstlos“, erklärte das Opfer vor Gericht.

Opfer und Täter schon versöhnt

Wegen gemeinschaftlicher schwerer Körperverletzung musste sich am Montag ein 35 Jahre alter Familienvater aus Stadtlohn vor dem Amtsgericht in Ahaus verantworten. Er war mit dem Auto zum Prozess nach Ahaus gefahren. Und auf dem Beifahrersitz saß das Opfer.

Der 35-Jährige und der 17-Jährigen hatten sich bereits vor der Gerichtsverhandlung ausgesöhnt. Und beide hatten in Briefen an den Richter darauf gedrängt, doch auf den Prozess ganz zu verzichten. „Wir haben einen gemeinsamen Nenner gefunden. Es ist doch alles geklärt“, so zitierte der Richter aus den Briefen. Für die Aussöhnung hätten die Väter der beiden gesorgt.

Ermittlungen von Amts wegen

„Muss ich eine Aussage machen?“, fragte das Opfer im Zeugenstand. Der Richter ließ daran keinen Zweifel: „Ja, Sie müssen!“ Und er erklärte dem Zeugen den Unterschied zwischen einem Antragsdelikt und einem Offizialdelikt. „Das funktioniert bei solchen Straftaten nicht, dass Sie das selbst klären. Bei einer schweren Körperverletzung ermittelt der Staat von Amts wegen.“ Nur bei einer einfachen Körperverletzung werde das Verfahren ausgesetzt, wenn der Geschädigte die Anzeige zurückzieht. Der Angeklagte zuckte mit den Achseln: „Ich wollte nicht, dass das so groß wird.“

Die Attacke der sieben Männer auf den Jugendlichen hatte eine Vorgeschichte. Tags zuvor hatte sich der 35-Jährige von einer Gruppe von Jugendlichen beleidigt gefühlt. Der Streit eskalierte. „Ich habe ihm eine Boxe gegeben, weil er meinen Freund geschlagen hat“, räumte der 17-Jährige vor Gericht ein. Am 3. Oktober machte sich der 35-Jährige mit einer Gruppe von Männern auf die Suche nach dem 17-Jährigen. „Es war ein Katz- und Mausspiel“, so berichtete das Opfer vor Gericht.

Angeklagter entschuldigt sich

Der Angeklagte selbst machte als Beschuldigter von seinem Schweigerecht Gebrauch, entschuldigte sich aber für sein Handeln. Der Staatsanwalt sah eine schwere gemeinschaftliche Körperverletzung als erwiesen an und forderte eine einjährige Haftstrafe auf Bewährung. Der Verteidiger sprach indes von einem minderschweren Fall, der nicht nach der Härte des Gesetzes rufe. Und er hob die außergerichtliche Einigung der beiden hervor: „Das ist doch eine gute Sache.“

Der Richter folgte eher dem Staatsanwalt. Sein Urteil: eine neunmonatige Haftstrafe, die für drei Jahre zu Bewährung ausgesetzt wird. Außerdem muss der 35-jährige Angeklagte die Kosten des Verfahrens tragen und eine 3000-Euro-Geldbuße an das DRK Stadtlohn überweisen. Opfer und Täter nickten sich beim Verlassen des Gerichtssaals freundlich zu.

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