Fremde Sprache, fremdes Land: Geflüchtete schaffen Ausbildung trotzdem

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Wer eine Ausbildung abschließt, der kann stolz sein. Mudar Altawil und Godwin Atinosa Onaiwu können das erst recht. Sie haben dies in einem für sie fremden Land und in fremder Sprache geschafft.

Stadtlohn

, 13.08.2020, 17:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Sie sind in verschiedenen Welten aufgewachsen. Doch als sie sich an diesem Mittwoch zum ersten Mal im Stadtlohner Flüchtlingscafé „Wir“ begegnen, finden sie gleich einen direkten Draht zu einander: Der Syrer Mudar Altawil (30) und der Nigerianer Godwin Atinosa Onaiwu (23). Beide haben in Stadtlohn ihren Weg gemacht.

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Als sie vor gut vier Jahren nach Deutschland kamen, sprachen sie kein Wort deutsch. Jetzt haben beide erfolgreich eine Berufsausbildung abgeschlossen. Mudar Altawil ist jetzt IT-Systemkaufmann, Godwin Onaiwu Fachkraft für Metalltechnik, Fachrichtung Konstruktionsmechanik. Beide haben jetzt eine Anstellung in ihren Ausbildungsbetrieben, dem IT-Spezialisten CMS und Maschinenfabrik Kemper.

„Gute Integrationsarbeit in Stadtlohn“

Dass sie den schwierigen Weg geschafft haben, sei auch ein Verdienst der guten Integrationsarbeit in Stadtlohn, betonen die beiden. „Wir haben in Stadtlohn so viel Unterstützung von der Flüchtlingshilfe bekommen. Ich weiß von Bekannten, dass es das in großen Städten so nicht gibt“, sagt Mudar Altawil.

Gabriele Schneider winkt ab: „Vor allem könnt ihr euch selber auf die Schulter klopfen.“

Die Sozialpädagogin ist bei der Stadt Stadtlohn hauptamtlich für die Betreuung der Flüchtlinge zuständig und arbeitet eng mit der ehrenamtlichen Flüchtlingshilfe zusammen. Sie hat die beiden jungen Männer heute für ein Interview zusammengebracht. „Die Stadtlohner sollen auch mal sehen, wohin erfolgreiche Intergration führen kann.“

In der Heimat schon ein Studium begonnen

Krieg, Unterdrückung und Verfolgung haben Mudar Altawil und Godwin Onaiwu schon in jungen Jahren kennengelernt. Über Einzelheiten reden die beiden wegen der Sorge um ihre Angehörigen in der Heimat ungern. Doch beide hatten zuvor auch ein Leben in gut situierten Familien. Mudar Altawil studierte Wirtschaft und Godwin Onaiwu Agrartechnik.

„Ich wollte in Deutschland etwas mit meinem Leben anfangen, in einem richtigen Ausbildungsberuf arbeiten und nicht nur irgendeinen Job haben“, sagt Godwin Onaiwu. „Aber ich wusste nicht, wie ich es anfangen sollte.“ Astrid Lensker von der Flüchtlingshilfe habe ihm dann beim Bewerbungsschreiben geholfen.

Die Sprache war das Hauptproblem

„Das Fachliche, die Mathematik und die technischen Dinge kannte ich ja schon. Aber die Ausbildung in einer fremden Sprache, das war sehr schwer“, erinnert sich Godwin Onaiwu. Jobcenter, Ausbilder und Berufsschule aber bauten ihm eine Brücke: die Einstiegsqualifizierung. „Das ist ein sehr hilfreiches Instrument“, sagt Gabriele Schneider.

Doch auch nach diesem der Ausbildung vorgeschalteten praktischen Jahr mit Berufsschulbesuch hegte Godwin Onaiwu noch Selbstzweifel. „Ich war mir nicht sicher, dass ich das schaffen würde. Das hat sich er erst geändert, als als ich die Zwischenprüfung mit Einsern und Zweiern bestanden habe. Da wusste ich: Ich schaffe das.“ Wie Mudar Altawil findet er großes Lob für Ausbilder und Berufsschullehrer.

Noch mehr Geflüchtete erlernen Beruf in Stadtlohn

Gabriele Schneider kennt weitere Stadtlohner Erfolgsgeschichten: vom Geflüchteten, der bei Ferro Umformtechnik seine Ausbildung absolvierte, oder von der Geflüchteten, die den Beruf der Verkäuferin bei Edeka erlernte. Schneider: „17 weitere Personen mit Flüchtlingshintergrund befinden sich zurzeit noch in der Ausbildung.“

Doch bei allen Integrationserfolgen müsse man realistisch bleiben. „Es gibt auch Geflüchtete, die ihre Ausbildung abbrechen, weil die Probleme zu groß sind. Andere haben nicht die Motivation oder die nötigen Voraussetzungen, um eine Ausbildung zu beginnen. Und für manche Geduldete besteht auch ein Beschäftigungsverbot.“

Auch Godwin Atinosa Onaiwu erzählt von Landsleuten, die ihre Chancen in Deutschland nicht wahrnehmen. „Ich spreche mit ihnen, aber ich verstehe sie nicht. Es gibt hier doch so viel Unterstützung, Sprachkurse und gute Ausbilder. Ich weiß nicht, ob ich es Glück oder Gnade von Gott nennen soll. Aber das muss man doch auch nutzen.“

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