Gastwirte fordern einen klaren Weg aus der Corona-Krise

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Wirte aus Stadtlohn haben hunderte leere Stühle auf den Marktplatz gestellt. Sie haben klare Forderungen: Einen verlässlichen Weg aus der Coronakrise, wie er auch Geschäften ermöglicht wird.

Stadtlohn

, 24.04.2020, 17:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Hunderte leere Stühle auf dem Stadtlohner Marktplatz haben am Freitagvormittag für einiges Aufsehen in der Innenstadt gesorgt. Eine Passantin wähnte dahinter gar einen Open-Air-Gottesdienst. Doch der Hintergrund war ein ganz anderer: Die Stadtlohner Gastronomen wollten damit auf ihre Situation aufmerksam machen. Sie haben große Sorgen vor der Zukunft.

Ihre Forderungen: Sofortige Hilfe für ihre Betriebe, die Ausweitung der Reduzierung der Mehrwertsteuer und vor allem ein verlässlicher Fahrplan für eine Rückkehr zum normalen Betrieb.

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Stadtlohner Wirte fordern Weg aus der Corona-Krise

Fehlende Gäste gefährden Zukunft der Gastronomie

„Dieses Bild sehen wir im Moment täglich in unseren Betrieben“, sagt Dominik Hintemann vom Gasthaus Schlüter und deutet auf die Stühle hinter sich. Er hat den Protest der Gastwirte in Stadtlohn organisiert. Die Rechnung ist ganz simpel: Keine Gäste bedeutet kein Umsatz. Und damit ist die Zukunft jeder Gastronomie extrem gefährdet.

Dominik Hintemann vom Gasthaus Schlüter hat den Protest in Stadtlohn organisiert. "Wir erfüllen alle Vorgaben, die man uns macht", sagt er. Diese Vorgaben gebe es bisher aber für die Gastronomie nicht.

Dominik Hintemann vom Gasthaus Schlüter hat den Protest in Stadtlohn organisiert. "Wir erfüllen alle Vorgaben, die man uns macht", sagt er. Diese Vorgaben gebe es bisher aber für die Gastronomie nicht. © Stephan Teine

„Wir bitten um einen verlässlichen Weg, wie wir unsere Betriebe wieder öffnen können“, sagt er. Wenigstens einen Zeitplan bräuchten seine Kollegen und er. „Allein schon, damit wir unseren Mitarbeitern etwas Verlässliches sagen können“, erklärt er. Denn auch die hingen momentan ja komplett in der Luft.

Notlösungen tragen nicht lange gegen Folgen des Coronavirus

Momentane Notlösungen wie Gutscheine oder der Außer-Haus-Verkauf seien bestenfalls Marketing. „Damit man bei den Leuten im Gedächtnis bleibt“, sagt Martin Lensker. Die Gutscheine würden das Problem ja nur verschieben. „Damit mache ich im Zweifel jetzt zwar Umsatz, wenn die Leute dann aber nach der Coronakrise nur noch Gutscheine einlösen wollen, habe ich dann das Loch in der Kasse“, sagt er.

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Wenn es zumindest einen Zeitplan gebe, wann Gastronomie wieder möglich sein soll, wäre schon ein Stück weit geholfen. „Darauf könnte man dann hinarbeiten“, so Martin Lensker.

Stadt will sich für Forderungen der Wirte einsetzen

Von Seiten der Stadt bekamen die Gastronomen am Freitag Zuspruch. „Wir tun, was wir können, um der Gastronomie in unserer Stadt zu helfen“, sagte Günter Wewers, Erster Beigeordneter. Viel sei das aber nicht. Mehr als eine Stundung der Gewerbesteuer könne er nicht anbieten. „Uns sind da durch die Vorgaben ja auch die Hände gebunden“, erklärte er.

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Über die Bürgermeisterkonferenz wolle sich aber auch Stadtlohn für die Belange der Gastronomen einsetzen. „Wenn Geschäfte unter strengen Vorgaben öffnen dürfen, dann muss das auch für Gastronomien gelten“, so Günter Wewers weiter. Und damit rennt er bei den Gastwirten offene Türen ein:

Gastwirte wollen alle nötigen Vorgaben erfüllen

„Der Schutz vor einer Infektion steht natürlich auch für uns an oberster Stelle“, machte Dominik Hintemann deutlich. Das sei aber eben auch in einem Restaurant umsetzbar. Sein Vater ergänzt: „Da wird momentan einfach nicht mit dem gleichen Maß gemessen.“ Auch eine Reduzierung der Mehrwertsteuer helfe nur bedingt: „Erstmal müssen ja die Umsätze da sein“, ergänzt sein Vater Dieter Hintemann.

Der klare Fahrplan fehlt den Gastronomen bisher. Sie dürfen ihre Betribee noch nicht wieder öffnen.

Der klare Fahrplan fehlt den Gastronomen bisher. Sie dürfen ihre Betribee noch nicht wieder öffnen. © Stephan Teine

„Alle Vorgaben, die man uns macht, würden wir natürlich erfüllen“, erklärt Dominik Hintemann. Diese Vorgaben gebe es für die Gastronomie bisher schlicht nicht.

Wie lange es noch so weitergehen kann, wie im Moment, mag an diesem Freitagvormittag auf dem Marktplatz niemand abschätzen.

Teilnahme an bundesweiter Protestaktion

An dem Protest beteiligen sich an diesem Freitagvormittag Martin Lensker und Dirk Klein-Reesink vom Restaurant Gambrinus, Jessica Behler vom Töpferkrug, Konditor Klaus Zumbusch, Martin Bienhüls, der Events wie den Dodgeball-Beach-Cup organisiert und Jochen Terbeck von wme Westmünsterland Event.

Damit sind sie Teil der bundesweiten Aktion „Leere Stühle“ des Leaders Club Deutschland. In über 70 Städten wurden am Freitag leere Stühle aufgestellt.

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