Gebürtiger Stadtlohner soll Briefbomben verschickt haben

Anklage in Kanada

Drei Briefbomben soll der gebürtige Stadtlohner Guido A. (49) Anfang Juli an zwei Anwaltskanzleien und eine Autowerkstatt im kanadischen Winnipeg geschickt haben. Eine Bombe explodierte - dabei wurde eine 38-jährige Anwältin schwer verletzt. Jetzt steht der 49-Jährige wegen zweifachen versuchten Mordes und schwerer Körperverletzung in Kanada vor Gericht.

STADTLOHN/WINNIPEG

, 23.07.2015, 18:18 Uhr / Lesedauer: 2 min
Gebürtiger Stadtlohner soll Briefbomben verschickt haben

Ein Polizeifoto von Guido A. Es ist normal, dass die kanadische Polizei Fotos von Verdächtigen veröffentlicht.

Nach Informationen der Münsterland Zeitung hat Guido A. Stadtlohn 1988 verlassen. Später ist er nach Kanada ausgewandert.

Gerichtet waren die Briefbomben an zwei Anwälte, die Guido A. und seine Ex-Frau Iris A. in einem langen Scheidungsprozess vertreten hatten. Eine der Briefbomben explodierte am 3. Juli gegen 10.15 Uhr in einer Anwaltskanzlei und verletzte eine 38-jährige Anwältin schwer im Gesicht, an Beinen, Oberkörper und Händen.

Diktiergeräte als Bomben

Eine zwölfstündige Operation sei nötig gewesen, berichten kanadische Medien. Die Anwältin soll die Ex-Frau von A. im Scheidungsverfahren vertreten haben. Ein Päckchen, das für die Ex-Frau bestimmt war, wurde am 4. Juli entdeckt und gezielt zur Detonation gebracht sowie eine dritte Briefbombe an eine Kanzlei in der Stradbrook Road in Winnipeg am Sonntagabend, 5. Juli. Dort soll der ehemalige Anwalt von Guido A. gearbeitet haben.

Kurzzeitig herrschte in Winnipeg Ausnahmezustand, berichten die Medien weiter: Es sei nicht sicher gewesen, an wen Briefbomben unterwegs und wie viele im Umlauf waren. Sogar das Rathaus wurde vorübergehend zum Sperrgebiet erklärt. Bereits am Tag der ersten Explosion ging die Polizei von einem Einzelfall aus und war Guido A. auf der Spur.

Am 5. Juli ließ die Polizei von Winnipeg in einer Pressemitteilung verlauten, dass die Ermittler den 49-jährigen Verdächtigen festgenommen hatten. In Gerichtsakten der Polizei wird berichtet, dass es sich bei den Briefbomben um kleine Diktiergeräte handelte, die anspruchsvoll angefertigt wurden.

In verschiedenen Medienberichten aus Kanada heißt es weiter, dass sich das Ehepaar nach 15 Jahren Ehe bereits im Jahr 2003 getrennt habe. Ein Jahr später folgte die Scheidung. Guido A. beschuldigte seine damalige Frau, drei Millionen Dollar aus der gemeinsamen Firma veruntreut zu haben.

Prozess Ende Juli

Er hatte Angst, dass sie sich mit dem heute 19-jährigen Sohn nach Deutschland absetzen würde. Laut Gerichtsunterlagen habe er sich 2010 geweigert, Reiseunterlagen nach Deutschland für seinen Sohn zu unterschreiben. Vor zwei Jahren sollte er schließlich mehr Unterhalt für seinen Sohn zahlen. Daraufhin zweifelte der 49-Jährige die Vaterschaft an, heißt es in den kanadischen Medien. Im selben Jahr explodierte bei seiner Ex-Frau bereits eine Bombe. Damals wurde A. ebenfalls verdächtigt.

Der Prozess gegen den gebürtigen Stadtlohner beginnt am 31. Juli. Derzeit sucht Guido A. nach einem Rechtsbeistand. Anwälte aus der Region würden sich aus Angst vor weiteren Briefbomben weigern, ihn zu vertreten, so die Medien.

Der Angeklagte selbst möchte einen Rechtsbeistand, der keinen Bezug zu den Anschlägen hat.

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