Geldstrafe für Tankstellenbetrüger

Prozess am Amtsgericht

Der junge Mann aus Stadtlohn nannte sich "Event-Manager", doch an lukrativen Aufträgen mangelte es ihm offenbar. Sein Konto war leer. Dennoch besorgte er sich Ende 2015 bei einer Stadtlohner Tankstelle eine Tankkarte, tankte und kaufte innerhalb von drei Wochen für über 600 Euro. Die Lastschriften aber liefen ins Leere. Die Tankstelle sah bislang keinen Cent.

STADTLOHN

, 26.01.2017 / Lesedauer: 3 min

Das Amtsgericht in Ahaus verurteilte den 24-Jährigen wegen Betrugs zu einer Geldstrafe von 1800 Euro (120 Tagessätze à 15 Euro). Die Richterin kam zu der Überzeugung, dass der Angeklagte weder willens noch in der Lage war, seine Rechnungen zu bezahlen, als er sich die Tankkarte ausstellen ließ.

Den Betrugsvorwurf hatte der Angeklagte in der Verhandlung zurückgewiesen. An die Tankstellenbetreiberin gerichtet sagte er: "Ich wollte Sie nicht schädigen. Ich bin auch bereit, das Geld zurückzuzahlen. Aber ich kann es im Moment nicht."

Tankkarte beantragt

Mitte 2015 hatte sich der junge Mann als Eventmanager selbstständig gemacht. "Mal hat man viel Geld, mal hat man weniger Geld", so beschrieb er sein damaliges Einkommen. Mitte Dezember 2015 beantragte er dann an einer Tankstelle in Stadtlohn die Tankkarte. Etwa zur gleichen Zeit seien aber die größeren Aufträge ausgeblieben, "weil Aussagen von Familienangehörigen meinen Ruf geschädigt haben", so der 24-Jährige. "Ich hatte nur noch kleinere Aufträge, zum Beispiel einen Auftritt als Nikolaus in einer Familie."

Die Tankstellenbetreiberin schilderte vor Gericht, der Angeklagte habe die Tankkarte zunächst "für seine Oma" beantragen wollen. Das habe sie aber nicht akzeptiert. Drei Wochen nach Ausstellung der Tankkarte sei dann klar gewesen, dass auf dem Konto des Angeklagten das Geld zur Begleichung der Rechnungen fehlte. Der Angeklagte habe sich ihr gegenüber damit herausgeredet, dass er sich lediglich bei der Kontonummer geirrt habe. Alle weiteren Zahlungsaufforderungen aber hatten keinen Erfolg.

Beachtliches Vorstrafenregister

Der Vertreter der Staatsanwaltschaft ging davon aus, dass der Angeklagte "bewusst in Kauf nahm, dass er seine Schulden nicht begleichen konnte." Bei dieser Einschätzung spielte auch das beachtliche Vorstrafenregister eine Rolle: Unter anderem wegen Diebstahls, Urkundenfälschung und Körperverletzung hatte der 24-Jährige bereits vor Gericht gestanden. Er hatte auch bereits eine Haftstrafe verbüßt. Zum Tatzeitpunkt stand er noch unter laufender Bewährung. Der Vertreter der Staatsanwaltschaft forderte eine Geldstrafe von 120 Tagessätzen à 15 Euro.

Der Verteidiger des 24-Jährigen dagegen plädierte auf Freispruch. "Ein Vorsatz oder eine billigende Inkaufnahme ist nicht feststellbar", so der Anwalt des Angeklagten.

Ausbildung begonnen

Die Richterin sah das anders und folgte mit Blick auf die hohe Rückfallquote des Angeklagten dem Antrag der Staatsanwaltschaft. In diesem Fall, so sagte sie, "wäre sogar eine Freiheitsstrafe denkbar gewesen."

Davon nahm sie jedoch Abstand, weil der Angeklagte gerade wieder festeren Boden unter den Füßen bekommt. Vor wenigen Monaten hat der 24-Jährige eine Ausbildung begonnen.

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