Hilfe aus der Möbelkiste immer gefragter

Weitere Helfer gesucht

Für zehn Euro bekommt man hier das volle Programm: Dreier-Sitz-Couch, Beratung und die Lieferung nach Hause. Nicht machbar, denken die meisten. Engelbert Philips und sein Team zeigen, dass es doch geht.

STADTLOHN

von Meike Kühlkamp

, 03.04.2016, 15:46 Uhr / Lesedauer: 2 min
Hilfe aus der Möbelkiste immer gefragter

Reinhold Büscher engagiert sich auch ehrenamtlich für Otgers Möbelkiste. Hier prüft er eine Kommode.

Denn wo ein Wille, da ein Weg. Der Wille, Leuten zu helfen, ist bei Engelbert Philips und seinen Helfern ungebremst. Einen Weg haben sie sich seit 15 Monaten gebahnt und waren damit erfolgreich. Solange ist Otgers-Möbel-Kiste nun Teil der Stadt. Dabei handelt es sich nicht um ein neues Billig-Möbelhaus für Schnäppchenjäger, denn Profit schlägt aus diesem Konzept niemand. „Die Idee, mit der wir vor fast einem Jahr gestartet sind, ist simpel: Wir sammeln gebrauchte Möbel von Leuten ein, die mit ihnen nichts mehr anfangen können und stellen sie Leuten zur Verfügung, die sie dringend brauchen“, so Philips.

Und in den letzten Monaten hat sich gezeigt, dass diese einfache Idee für viele Stadtlohner eine riesige Hilfe darstellt. „Unser Angebot wird sehr gut genutzt.“ Und das vor allem von Leuten, die nur über ein geringes Einkommen verfügen und ausländischen Mitbürgern, die von Null anfangen müssen. „Natürlich hat sich die Flüchtlingskrise auch bei uns besonders bemerkbar gemacht. Für viele Flüchtlinge, die das Asylbewerberheim verlassen können und in eine eigene Wohnung ziehen, sind wir eine der ersten Anlaufstellen“, berichtet Philips. Dadurch lernen die rund zehn Ehrenamtler nicht nur viele Bürger, sondern auch einige Schicksale kennen.

Gegen kleinen Obolus

„Einmal kam eine Frau zu uns, die so durch die Räume schlenderte und sich die Möbel vorsichtig anschaute. Im Gespräch mit ihr stellte sich dann heraus, dass sie nicht ein einziges Möbelstück besitze, nicht mal eine Matratze“, berichtet Helfer Reinhold Büscher. Noch am Abend sei er mit Kollegen in die Wohnung der Frau gefahren, und habe einige Möbel gebracht. Ein Service, der für die „Kunden“ gegen einen kleinen Obolus bereitgestellt wird. „Das Geld ist nicht für uns. Wir decken damit kleine Ausgaben wie Spritkosten und der Rest wir gesammelt und für einen guten Zweck gespendet“, so Philips.

In ganz dringenden Fällen gibt das Team die Möbelstücke auch umsonst heraus. „Diese Großzügigkeit wird von den Leuten nicht ausgenutzt. Ich muss wirklich sagen, die Leute, die zu uns kommen, sind fast immer sehr höflich, freundlich und dankbar.“ Und das sei der Grund, warum die Truppe aus Ehrenamtlern zuverlässig bei der Sache bleibt. „Wenn man sieht, wie sehr sich die Menschen freuen über Kleinigkeiten wie einen Sessel. Der gehört dann aber ihnen, und das macht sie glücklich. Das ist für uns Lohn genug“, so Reinhold Büscher.

Neuer Anhänger

Mittlerweile hat das Team rund um Engelbert Philips sogar aufgerüstet: Ein Anhänger wird die Abhol- und Lieferfahrten in Zukunft erleichtern. „Dieser Anhänger wurde von verschiedenen Sponsoren aus Stadtlohn finanziert. Wir sind dafür sehr dankbar, denn das macht die ganze Arbeit hier wesentlich leichter“, sagt Philips. Mit neuer Ausstattung und altem Ehrgeiz blicken er und seine neun Helfer optimistisch in die Zukunft. „Solange uns die Räumlichkeiten bleiben, werden wir versuchen, dass die Möbelkiste weiterhin Bestand hat.“

Über weitere Leute, die dabei helfen wollen, würde sich das Team freuen. Formulare zur Möbelspende können im K-Punkt, Dufkampstraße 20, abgeholt werden. Die Möbelkiste selbst, Klosterstraße 34, hat jeden Dienstag von 17 bis 19 Uhr geöffnet. Weiteres unter Tel. (02563) 20 52 55 3.

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