Hoffnung auf gute Geschäfte machte 35-jährigen Stadtlohner zum Betrüger

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Er wollte voller Hoffnung nur nach vorne schauen. Hinter sich aber ließ er ein finanzielles Chaos zurück. Ein 35-jähriger Stadtlohner stand jetzt wegen Betrugs vor Gericht.

Stadtlohn

, 22.09.2020, 16:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Er lebte von der Hoffnung auf gute Geschäfte. Ein guter Kaufmann aber war er wohl nicht. Ein 35-jähriger Stadtlohner hat sich in den finanziellen Ruin gewirtschaftet. Am Dienstag stand er als Betrüger vor Gericht.

Einem Handwerker in Sachsen hatte er die Lieferung von 100 Dachreitern aus Metall zugesagt. Die Bauteile hatte der Stadtlohner im Internet bei eBay angeboten. Er wollte sie nach der Bestellung in einem Betrieb in Stadtlohn fertigen lassen. Mehr als 10.000 Euro zahlte der Handwerker aus Sachsen im Voraus dafür. Er bekam aber nur 10 statt der 100 zugesagten Dachreiter. In einem zweiten Fall hatte der der 35-Jährige bei einer Ahauser Firma 90 Gitterboxen für fast 7000 Euro gekauft, ohne sie bezahlen zu können.

Finanzamt pfändete Vorauszahlung

Der 35-jährige Angeklagte gab sich arglos: „Ich wollte niemanden über den Tisch ziehen. Ich war ja froh, dass ich den guten Kunden hatte. Ich habe ja mit ihm eine Erfolgsschiene für die Zukunft gesehen.“ Aber die Stadtlohner Produktionsfirma wollte an den 35-Jährigen nur gegen Vorkasse liefern. Doch die Anzahlung seines Kunden hatte zwischenzeitlich schon das Finanzamt gepfändet.

Die Gitterboxen aus dem zweiten Tatvorwurf habe er nicht bezahlen können. Das Geld, das dafür vorgesehen gewesen sei, habe er „für Blödsinn und für meine Schulden“ ausgegeben. „Es war ja nicht so, dass ich nicht zahlen wollte, ich konnte nicht zahlen. Es hat leider nicht geklappt“, erklärte der Angeklagte.

Gerichtsvollzieher war Stammgast beim 35-Jährigen

Den Richter erzürnte die vorgetragene Arglosigkeit. Er hob einen dicken Stapel Akten in die Höhe: „Das sind alles Vollstreckungsaufträge aus den Jahren 2018 und 2019. Der Gerichtsvollzieher ging bei Ihnen tagtäglich ein und aus. Sie wussten doch, dass Ihre finanziellen Verhältnisse desolat sind. Sie haben einfach weitergewurschtelt. Das sind klassische Betrugstaten.“

Nur noch Unverständnis erntete der Angeklagte für seinen Einwand: „Aber man versucht ja, nach vorne zu gucken.“ Den Überblick über seine Verbindlichkeiten hat er längst verloren. Auf die Frage des Richters, wie hoch seine Schulden denn seien, entwich ihm nur ein Stoßseufzer und ein fragendes Achselzucken: „40 ...?“

Milde Strafe und ein dringender Appell

Am Ende verhängte der Richter im Einklang mit der Vertreterin der Staatsanwaltschaft eine milde Strafe. Der Angeklagte muss in Raten eine Geldstrafe von 1800 Euro zahlen. Außerdem wurde die Einziehung von 9100 Euro Wertersatz angeordnet.

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Nach dem Urteilsspruch appellierte der Richter eindringlich an den 35-jährigen Stadtlohner: „Die Staatsanwaltschaft und ich sind Ihnen heute sehr weit entgegengekommen. Beim nächsten Mal wandern Sie ins Kittchen. Tun Sie mir und allen anderen einen Gefallen: Hören Sie auf, als Kaufmann zu arbeiten! Das ist nicht der richtige Beruf für Sie.“

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