Hülsta: Kritik an Geschäftsführung wächst

Geplanter Stellenabbau

270 Mitarbeiter will der Möbelhersteller Hülsta entlassen. Diese Nachricht löste am Mittwoch unter den Beschäftigten Entsetzen aus. Die Stimmung im Unternehmen ist schlecht - und es werden Fragen laut, ob wirklich nur der Markt verantwortlich für diese Entwicklung ist, wie es vonseiten der Geschäftsführung heißt.

STADTLOHN

, 22.08.2014, 17:08 Uhr / Lesedauer: 2 min
Hülsta: Kritik an Geschäftsführung wächst

270 Mitarbeiter will Hülsta entlassen. Die Verunsicherung unter den Mitarbeitern ist deshalb groß.

Auch für Manfred Robert von der IG Metall in Bocholt war die Nachricht ein Schock. „Es herrscht Entsetzen. Die Stimmung im Unternehmen ist schlecht, die Arbeitnehmer sind deprimiert. Es soll fast ein Drittel der Belegschaft entlassen werden. Das ist die Größenordnung eines mittelständischen Unternehmens.“ Nach den Entlassungen soll die Mitarbeiterzahl noch bei rund 600 liegen. Wie es für die Beschäftigten weitergeht, steht noch nicht fest. Die Geschäftsführung hatte am Mittwoch angekündigt, dass der Stellenabbau sozialverträglich gestaltet werden soll. „Die IG Metall befindet sich in Gesprächen mit Hülsta. Wir wollen versuchen, über einen Sozialplan eine gute finanzielle Regelung für die betroffenen Arbeitnehmer zu finden, soweit das überhaupt möglich ist. Eine Möglichkeit wäre etwa eine Transfergesellschaft“, sagt Robert, der das Sanierungskonzept von Hülsta aber auch als Chance bezeichnet. „Wir werden das prüfen und auch eigene Ideen und Vorstellungen einbringen. Dann werden wir sehen, ob das Sanierungskonzept greift.“

Klar sei: „Der Handlungsbedarf ist da. Das Unternehmen ist gefordert, abgestimmte Maßnahmen einzuleiten und umzusetzen. Nur dann hat Hülsta Zukunft und die Beschäftigten Sicherheit“, sagt Robert. Weil die Einschnitte so drastisch sind – der im Mai angekündigte Abbau von 170 Stellen, zu dem nach Angaben der Geschäftsführung gerade mit der IG Metall und dem Betriebsrat Gespräche geführt würden, erhöht sich um weitere 100 Stellen –, mehren sich die kritischen Stimmen, dass die Geschäftsführung die Entwicklung auf dem Möbelmarkt verschlafen habe – und die zahlreichen Entlassungen durch entsprechende und frühzeitige Schritte und strategische Entscheidungen hätten verhindert werden können.

„Dass es eine Fehlplanung gab, ist unter Kollegen definitiv ein Thema“, sagt ein Hülsta-Mitarbeiter. „Letztendlich können wir das aber nicht beurteilen. Doch uns trifft das alles am härtesten.“

Hülsta hatte die Entlassungen in einer Pressemitteilung mit der anhaltend schlechten Entwicklung und den unsicheren Aussichten bei der Möbelnachfrage in Deutschland und Zentraleuropa begründet. Das Unternehmen sei vom Rückgang der Nachfrage nach hochwertigen Markenprodukten im Möbelsegment Schlafen und Wohnen betroffen, heißt es dort. Dass dies die ausschließlichen Gründe sind, bezweifelt auch Manfred Robert von der IG Metall: „Anscheinend ist Hülsta stärker von der rückläufigen Marktentwicklung betroffen als die Konkurrenz. Es kann wohl nicht nur die Marktentwicklung als Ursache herangezogen werden.“

Auch im sozialen Netzwerk Facebook gibt es zahlreiche kritische Stimmen: „Die anderen Hersteller haben ja auch nicht geschlafen und haben sich angepasst. Traurig, traurig“, schreibt etwa ein Nutzer. Um in Zukunft besser aufgestellt zu sein, will Hülsta nun in neue Technologien und Innovationskonzepte investieren sowie die Produktion flexibilisieren.

Den Beschäftigten bleibt zunächst die Ungewissheit. Am 8. September wird der Hülsta-Betriebsrat zu einer Sitzung zusammenkommen. Die Verhandlungen über den Sozialplan sollen bis Ende September abgeschlossen sein. Danach gehe es an die Umsetzung, hatte die Hülsta-Geschäftsführung am Mittwoch mitgeteilt. Das Unternehmen kündigte zudem an, die Standorte in Stadtlohn und Ottenstein nicht infrage zu stellen: „Das zumindest ist ein gutes Signal für alle Beschäftigten“, sagt Manfred Robert.

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