Hülsta präsentiert sich im Aufwind

AIW-Unternehmer-Abendtreff

"Unsere Firma wird in den nächsten 75 Jahren auch noch existieren. Verlassen Sie sich drauf!" Wolfgang Herrmann findet markige Worte, wenn es um die Zukunft von Hülsta geht. Nach schweren Jahren sieht der Marketingchef des Stadtlohner Möbelherstellers Licht am Ende des Tunnels.

STADTLOHN

, 17.02.2017, 18:17 Uhr / Lesedauer: 2 min
Hülsta präsentiert sich im Aufwind

In Kleingruppen ließen sich die AIW-Unternehmer durch Hülstas Wohn- und Schlafwelten führen.

Seit rund einem Jahr steht der kreative Bayer in Diensten des größten Stadtlohner Unternehmens. Zusammen mit Oliver Bialowons, seit 2015 alleiniger Geschäftsführer, hat er die Unternehmenskultur umgekrempelt. Darüber spricht Wolfgang Herrmann am Donnerstag vor knapp 50 Unternehmern beim Abendtreff des Unternehmensverbandes AIW - unterhaltsam, pointenreich, unkonventionell. Jedenfalls ganz anders als das "alte" Hülsta-Image, das AIW-Geschäftsführer Andreas Brill in seiner Begrüßung höflich als "hochwertig, aber etwas old fashioned" bezeichnet. Unmodern also.

Reinhard Herrmann nahm diesen Faden gerne auf. Hülstas Image sei in der Tat angestaubt gewesen. Die Tradition habe sich als Belastung erwiesen. "Hülsta steht auch heute nicht für Avantgarde. Aber ganz ohne Avantgarde geht es nicht. Die Welt verändert sich. Und wir müssen uns auch verändern."

Kurz vor Insolvenz

Der Kulturwandel sei zwingend erforderlich gewesen. "Wir standen wirklich kurz vor der Insolvenz", sagt Wolfgang Herrmann. Auch wenn die Restrukturierung nach Herrmanns Worten noch lange nicht vorbei ist, die große Krise ist es offenbar.

Die Veränderung trägt erste Früchte. "Von 2014 bis bis 2016 ist der Hülsta-Umsatz um 15 Prozent gewachsen", sagt Herrmann. Und das ohne Rückenwind. "Das war eine Entwicklung gegen den Markt." Die Möbelbranche sei schwierig. Immer mehr deutsche Hersteller gäben auf oder verlagerten ihre Produktion nach Osteuropa oder China.

Trendwende beim Personal

"Unser Ziel sind 200 Millionen Euro Bruttoerlös - und das wollen wir möglichst schnell erreichen. Wir träumen sogar von 500 Millionen", sagt Wolfgang Herrmann. 2016 lag der Bruttoerlös nach Angaben des Managers bei 140 bis 150 Millionen Euro. Nach Jahren des Abbaus gab es 2016 auch eine Trendwende beim Personal: 35 neue Mitarbeiter wurden eingestellt. Hülsta beschäftigt heute in Stadtlohn und Ottenstein wieder über 700 Mitarbeiter.

"Harte Arbeit und neues Denken" seien die Grundlagen des Erfolgs. Damit verlässt Herrmann die Welt der Zahlen. Er spricht auch wenig über die Vorzüge der Möbel, die Hülsta herstellt. Das überlässt er seinen Mitarbeitern, die die Unternehmer nach dem Vortrag in Kleingruppe durch die Hausmesse führen. Nur soviel sagt Reinhard Herrmann: "Wir bauen die besten Möbel der Welt."

Rasanter Streifzug

Sein Thema ist vielmehr: "Wie komme ich an den Kunden?" Und dann folgt ein rasanter Streifzug durch die Psychologie und Kulturwissenschaft, vom griechischen Philosophen Epiktet über Autos, Fußball, Rolling Stones und Playboy bis hin zum IS, Donald Trump und Buddhismus.

Herrmanns Resümee: "Wir müssen Möbeln eine Seele geben." Und dazu seien Hülsta-Möbel bestens geeignet. "Unsere Möbel sind wahr." Das sollen Handel und Verbraucher auf den großen Möbelschauen dieser Welt erfahren: soeben in Köln, demnächst in Mailand und Shanghai.

Bessere Möbel

Darauf hatte Hülsta 20 Jahre lang verzichtet. Aus Herrmanns Sicht ein großer Fehler: "Arroganter kann man gar nicht sein: nicht zu den Kunden zu gehen, sondern nur zu warten, dass sie die Hausmesse in Stadtlohn besuchen." Dennoch ist Hülsta - abgesehen von Ikea - immer noch die bekannteste Möbelmarke am Markt.

Doch Ikea sieht Reinhard Herrmann nicht als Wettbewerber: "Ikea macht ganz andere Möbel. Wir sind besser als Ikea. Und unsere Möbel sind auch besser." Warum? "Wir bewegen uns zwischen Manufaktur und Masse. Wir denken Manufaktur. Und wir machen Masse. Und das mit Leidenschaft."

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