Hummeln bestäuben Tomaten und Paprika

Biohof Lesker

Wie war das noch mit den Bienen? Richtig, die sorgen dafür, dass Blüten bestäubt werden und sich erst dadurch Früchte entwickeln. Was Bienen können, können Hummeln aber auch. Bei manchen Pflanzen sogar sehr viel besser. Das weiß auch Franz-Josef Lesker, der die Insekten auf seinem Biohof als "natürliche Arbeiterinnen" einsetzt.

STADTLOHN

, 29.03.2016, 18:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

"Hummeln sind sehr viel ortstreuer", sagt der Biolandwirt. Eines von vielen Argumenten für die alternativen Bestäuber. Zudem haben sie ein höheres Arbeitstempo, sind anspruchsloser und fühlen sich in den Gewächshäusern wohler als ihre Bienen-Kolleginnen. Lesker setzt sie seit 1998 ein, als seine ersten Gewächshäuser standen.

Zurzeit hängen zwei Boxen, bestückt mit je 120 Tieren plus einer Königin, unter den insgesamt fast 15000 Tomaten-Pflanzen. Sie gehören alle zu einer Sorte, die in der Testphase bei Lesker nur als 72-7-04 firmierte und jetzt den wohlklingenden Namen "Tradicia" trägt. Eine Weiterentwicklung der alten Sorte "Mecano".

Drei Blütenzyklen

Bei den ersten von ihnen haben sich die Blüten bereits geöffnet. Das ist dann der Zeitpunkt für den Einsatz der Hummeln. Weitere drei Blütenzyklen sollen noch folgen, insgesamt vier Hummelvölker könnten es dann zum Schluss werden.

"Früher", sagt Franz-Josef Lesker, "da wurden elektrische so genannte Triller eingesetzt, die man dann an die Blüten hielt, bis der Blütenstaub herausfiel." Ein aufwendiges Verfahren, "Nützlinge" hätten da sehr viel mehr Vorteile. Lesker: "Sie arbeiten alleine und sparen damit Kosten."

Züchter in Holland

Vor vier Wochen wurden die Pflanzen mit einer Durchschnittsgröße von 40 Zentimetern gesetzt und die Hummeln bestellt. Lesker vertraut auf einen Züchter in Holland, der sich auf Hummeln, aber auch auf andere Nützlinge, die biologischen Standards entsprechen, spezialisiert hat. Innerhalb von zwei Tagen erreicht die Lieferung den Stadtlohner Biohof.

Und dann beginnt die Arbeitszeit der Hummeln, die im Durchschnitt zwischen acht und zehn Wochen beträgt. Nach getaner Arbeit allerdings endet auch ihr Lebenszyklus.

Reiche Tomaten-Ernte

180 Tonnen erwartet der Bio-Gemüsebauer von seiner Tomaten-Ernte. Und die geht von Mitte Mai bis Weihnachten. Danach schreiben die Richtlinien für Bio-Gemüse eine Winterpause bis 1. März vor.

Dank Abwärme der Biogasanlage und einer entsprechenden Ausnahmegenehmigung könnte Lesker bereits vorher mit der Heizperiode beginnen, startet aber dennoch nicht vor Mitte Februar: "Mit Rücksicht auf die Fruchtfolge pflanzen wir immer noch eine Zwischenfrucht."

Biohof seit 1993

Und wie bei den Tomaten tun die Hummeln auch bei den Leskerschen Paprikas ihren nützlichen Dienst. "Bei den Gurken werden sie nicht benötigt, da sie Selbstbestäuber sind", erklärt Franz-Josef Lesker.

Seit 1993 betreibt Franz-Josef Lesker seinen Biohof, hat damals den konventionellen Hof seiner Eltern komplett auf Bio umgestellt: "Das war für mich die Bedingung." Nach einem für ihn zermürbenden Einsatz in der Kommunalpolitik hatte sich der gelernte Schlosser und Landwirt entschlossen, für Umweltschutz und Natur selbst etwas zu tun. Und heute kann er mit Überzeugung sagen, dass er das Richtige getan hat. Mittlerweile wächst der Betrieb von Jahr zu Jahr.

Lieferung an Großhändler

In mehreren Gewächshäusern und 52 Hektar Freiland baut Lesker Gemüse aller Art, Kräuter und Salate an. Lesker ist einer von sechs Exklusivpartnern des Bio-Großhändlers Weiling in Coesfeld und beliefert über einen speziellen Service rund 700 eigene Kunden sowie verkauft sein Gemüse im Hofladen.

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