„Ich würde es wieder tun“

Mit Spende Leben retten

"Ich würde es sofort wieder tun." Die Worte von Karin Kipker sind eindeutig. Die blonde junge Frau hat Stammzellen gespendet. Die dafür nötigen Prozeduren seien nicht schlimm gewesen. Die 39-Jährige will anderen möglichen Spendern die Angst nehmen.

STADTLOHN

, 20.11.2015, 18:47 Uhr / Lesedauer: 2 min
„Ich würde es wieder tun“

Karin Kipker aus Stadtlohn hat sich als Spenderin typisieren lassen.

Was Karin Kipker auf sich genommen hat, um Leben zu retten, ist beeindruckend. Bereits Anfang dieses Jahres hat sich die Stadtlohnerin bei der großen Typisierungsaktion der Deutschen Knochenmarkspenderdatei (DKMS) in die Schlange gestellt. 4532 mögliche Spender wollten damals Romy helfen, ein Mädchen, das bereits in den ersten Monaten seines Lebens an Blutkrebs erkrankt war (Münsterland Zeitung berichtete). Am 6. November feierte Romy ihren ersten Geburtstag, dank einer gut anschlagenden Chemotherapie - einen Spender hatte man trotz der überwältigen Resonanz nicht gefunden.

Schreiben im Briefkasten

Dafür landete bei Karin Kipker vor Kurzem trotzdem ein Schreiben der DKMS in ihrem Briefkasten: "Ihre Merkmale stimmen mit denen eines möglichen Empfängers überein." Sie könne als passende Spenderin einem Menschen das Leben retten. Die 39-jährige Stadlohnerin sei zu 80 Prozent als Spenderin geeignet für eine 54-jährige Frau aus den Niederlanden. "Genetischer Zwilling" ist der formlose Begriff für diese Übereinstimmung. Genauere Daten werden zum Schutze der Krebspatienten nicht übermittelt.

Nicht lange überlegt

Fitnesstrainerin Karin Kipker überlegte nicht lange: Die Stadtlohnerin packte ihre Sachen und folgte dem Ruf nach Köln. Die Voruntersuchungen beim Hausarzt waren alle gut ausgefallen. Was dann in der Stammzellen-Koordinationsstelle der Firma Cellex in Köln folgte, bezeichnet Kipker selbst als "Untersuchungsmarathon". Rund zwei Stunden lang erfolgten alle möglichen Untersuchungen wie Ultraschall und ein großes Blutbild.

Schlimm sei das nicht gewesen. "Und dann wurde schon ein Termin gemacht für die Spenden-Entnahme", erzählt Karin Kipker.

Anders, als viele denken, hat das nichts mit dem Aufbohren von Knochen zu tun. Das ist ein Vorurteil: "In rund 80 Prozent der Fälle werden die Stammzellen aus der Blutbahn entnommen", heißt es dazu auf den Internetseiten der DKMS.

"Das ist pillepalle"

"Das ist bloß eine Dialyse, das ist pillepalle", sagt Kipker und erinnert daran, wie leicht man Menschen helfen könne. "Das ist nichts anderes als eine etwas längere Blutspende", will die junge, sportliche Frau anderen Mut machen, ihrem Beispiel zu folgen.

Allein der Zeitfaktor bereitete der quirligen Spenderin ein wenig Langeweile. "Ich hing sechs Stunden an dem Dialysegerät, dabei habe ich der Hobbit Teil eins und zwei geguckt", schmunzelt die Spenderin. Eine Krankenschwester, die nur für sie zuständig war, las ihr zudem quasi jeden Wunsch von den Augen ab. Die Anfahrtskosten sowie Hotelübernachtungen und sogar das Essen wurden komplett bezahlt, und auch Sonderurlaub gebe es in der Regel für einen Spendentermin: Die DKMS kontaktiert im Falle einer Stammzellspende den Arbeitgeber.

Keine Schmerzen

Schmerzen hatte Karin Kipker bei ihrer Spende keine. Auch nicht durch die ihr zuvor verabreichten Spritzen, die ein Mittel enthalten, das zur Vermehrung der weißen Blutkörperchen angewendet wird. "Ich hatte höchstens ein Gefühl wie einen Muskelkalter im Rücken", erinnert sich die Fitnesstrainerin. Dass sie zur Spende bereit war, um einem Menschen möglicherweise das Leben zu retten, war für Kipker "eine Selbstverständlichkeit", sagt sie.

Um Weihnachten herum wird der Stadtlohnerin mitgeteilt, ob ihre Stammzellenspende angeschlagen hat. Drei Frauen und ein Mann aus der Stadtlohner Aktion haben ebenfalls schon Stammzellen gespendet.

 

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