In diesem China-Restaurant wird man auch ohne All-you-can-eat-Buffet satt

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Ein riesiges Buffet mit lauwarmen Speisen, die alle gleich schmecken - das gibt es im China-Restaurant Hong Kong nicht. Hier kann man nur nach Karte bestellen. Und die ist mehr als üppig.

Stadtlohn

, 29.12.2018, 13:43 Uhr / Lesedauer: 5 min

Wo bekommt man hier in der Region eigentlich noch asiatisches Essen? Diese Frage habe ich mir gestellt und bin im Netz schnell fündig geworden: an der Eschstraße in Stadtlohn im China-Restaurant Hong Kong. Hier gibt es kein Buffet, sondern asiatisches Essen à la carte. Oder man lässt sich das Essen innerhalb Stadtlohns einfach nach Hause liefern.

Wir aber wollen vor Ort essen und machen uns an einem Samstagabend spontan zu dritt auf den Weg. Nur mit Glück bekommen wir ohne Reservierung einen Tisch, denn an diesem Abend ist es sehr voll, sagt die unfassbar sympathische Kellnerin Phatthaya.

Sie zeigt uns einen Tisch und bringt direkt die Karte. Auch wenn man ihr anmerkt, dass sie im Stress ist: So eine nette Bedienung habe ich selten erlebt. Und ehrlich ist sie auch noch. Auf Nachfrage zum Thema Glutamat sagt Phatthaya ganz offen: „Ja, das benutzen wir. Aber wenn es jemand nicht verträgt, können wir auch jedes Gericht ohne Glutamat machen.“ Ein gutes Angebot, aber wir bestellen unser Essen trotzdem so, wie es auf der Karte steht.

Die Speisekarte

Wir brauchen lange, bis wir uns entscheiden können. Eigentlich brauchen wir schon lange, bis wir uns die ganze Speisekarte in Ruhe angeschaut haben. Die Auswahl ist nämlich nicht nur riesig, sie ist gigantisch.

Allein neun verschiedene Suppen stehen auf der Karte, von der klassischen Peking-Suppe über Tomatensuppe mit Hühnerfleisch und Champignons bis zur Mais-Suppe mit Huhn und Eierblumen. Das sind geschlagene Eier, die in der heißen Suppe stocken. Dazu kommen 13 weitere Vorspeisen: Frühlingsrollen, verschiedene Salate, Teigtaschen Wan Tan oder Krabbenchips.

Bei den Hauptgerichten ist die Auswahl noch viel größer. Die Speisen sind nach der Art des Fleisches aufgeteilt: Rind, Huhn, Schwein, Ente. Jede Kategorie füllt dabei eine ganze Seite der Speisekarte. Und dann gibt es ja auch noch die Reis- oder Nudelgerichte. Und die Speisen mit Garnelen oder Fisch. Und die vegetarischen Gerichte. Und die Fleischplatten, die auf eine spezielle Art und Weise namens Hotcook‘t zubereitet werden. Und die fertig zusammengestellten Menüs für eine oder zwei Personen. Wer hier nicht fündig wird, ist selber schuld.

Mit den Bezeichnungen der Gerichte können wir nicht immer etwas anfangen. Gut, dass Begriffe wie Ku-Lu-Yuk (Schweinefleischbällchen) oder Kung Po Jin Jong (gebratene Garnelen und Hühnerfleisch) in der Karte erklärt werden. Die Speisen sind außerdem als scharf, pikant oder süß-sauer gekennzeichnet.

Etwas enttäuschend ist jedoch die Auswahl beim Nachtisch. Nur zwei Gerichte stehen hier auf der Karte. Auch auf Nachfrage nennt die nette Kellnerin Phatthaya uns nur diese beiden Möglichkeiten: Gebackene Banane mit Honig oder gebackene Ananas mit Honig.

Mittags gibt es eine kleinere Karte mit immerhin noch zwei verschiedenen Suppen und 25 unterschiedlichen Hauptgerichten.

Unsere Vorspeisen

Nach langem Hin und Her bestelle ich die Wan-Tan-Suppe. Eine gute Wahl. Die Brühe schmeckt vertraut nach Hühnersuppe und ist ausgewogen gewürzt. Darin schwimmen vier Wan Tan, gefüllt mit Fleischbällchen. Mit dem typischen tiefen Löffel, wie man ihn aus asiatischen Restaurants kennt, sind die großen Teigtaschen zwar etwas schwierig zu essen, geschmacklich können sie aber voll überzeugen. Das Gemüse in der Suppe ist nicht zerkocht, sondern noch leicht knackig, genau wie ich es mag.

In der Wan-Tan-Suppe schwimmen vier große Teigtaschen, die mit Fleisch gefüllt sind.

In der Wan-Tan-Suppe schwimmen vier große Teigtaschen, die mit Fleisch gefüllt sind. © Victoria Thünte

Ähnlich fällt das Fazit zur Chop Suey Suppe mit Hühnerfleisch und Gemüse aus. Die Brühe ist gut gewürzt, das Gemüse knackig, die Einlage reichlich.

In der Chop Suey Suppe ist viel Gemüse, aber auch Hühnerfleisch.

In der Chop Suey Suppe ist viel Gemüse, aber auch Hühnerfleisch. © Victoria Thünte

Auf der anderen Seite des Tisches überzeugt der Sam Sin Salat, auch wenn der auf den ersten Blick so aussieht, als könnte er so oder so ähnlich auch in jedem Restaurant mit deutscher Küche serviert werden. Auf grünem Blattsalat finden sich Tomaten, Gurken, Shrimps, Schinken und Hühnerfleisch, aber auch Bambussprossen und eingelegter Kohl.

Der Sam Sin Salat überrascht mit Shrimps und Schinken.

Der Sam Sin Salat überrascht mit Shrimps und Schinken. © Victoria Thünte

Unsere Hauptgerichte

Phatthaya bringt leere Teller. Kein Versehen, das wird hier so gemacht. Denn die Hauptgerichte werden auf Platten serviert, die in der Mitte des Tisches über Teelichtern warm gehalten werden. So kann jeder alles probieren. Uns gefällt es.

„Alles Gute“ heißt die Zusammenstellung aus verschiedenen Fleisch- und Gemüsesorten, die wir in der Zubereitungsform Hotcook‘t bestellt haben. Vorsichtig stellt Phatthaya das brutzelnde Gericht vor uns auf den Tisch. Denn die flache Schüssel ist extrem heiß. „Der Bratteller wird direkt ins Feuer gestellt und darauf wird das Fleisch und das Gemüse gegart“, erklärt die Kellnerin uns. Normalerweise kommt die Soße erst am Tisch dazu, dann zischt und brutzelt es nochmal extra laut. Aber an diesem Samstagabend ist es voll und so müssen wir auf die Show-Einlage verzichten.

Das tut dem Geschmack aber keinen Abbruch. Vor allem das Rindfleisch hat es uns angetan. Wahnsinnig zart zerfließt es fast auf der Zunge. Im Gegensatz dazu ist das Gemüse noch knackig. Auch das Enten-, Hühner- und Schweinefleisch können überzeugen. Obwohl wir das Gericht extra wenig-scharf bestellt haben, ist die Tomatensoße doch ganz schön kräftig gewürzt. Das hält uns aber nicht davon ab, die Platte komplett zu leeren.

Ob der Extrawunsch im Trubel des vollen Restaurants untergegangen ist oder ob wir einfach etwas sensibel sind, was scharfes Essen angeht, lässt sich im Nachhinein nicht mehr nachvollziehen.

Kurz bevor die Fleischplatte auf den Tisch kommt, steht sie noch direkt im Feuer.

Kurz bevor die Fleischplatte auf den Tisch kommt, steht sie noch direkt im Feuer. © Victoria Thünte

Dass Rindfleisch aber auch in der klassischen Garmethode sehr zart werden kann, zeigt das Rindfleischgericht Chop Suey. Die Soße ist super würzig, aber überhaupt nicht scharf, das Gemüse wie bei allen anderen Gerichten knackig, das Zusammenspiel von Fleisch, Paprika, Pilzen, Algen und Bambussprossen funktioniert einfach.

Sowohl das Rindfleisch Chop Suey als auch das Gemüse überzeugen.

Sowohl das Rindfleisch Chop Suey als auch das Gemüse überzeugen. © Victoria Thünte

Natürlich darf bei unserer Auswahl auch das wohl beliebteste chinesische Gericht nicht fehlen: gebratene Nudeln mit knusprigem Hühnerfleisch. Es kommt eine große Portion mit richtig viel Fleisch. Geschmacklich aber hat das Gericht so seine Schwächen. Zwar ist in den gewürzten Nudeln viel knackiges Gemüse, aber leider ist das Hühnchen etwas trocken. Trotzdem ist der Teller am Ende fast leer.

Der Klassiker: gebratene Nudeln mit knusprigem Hühnerfleisch

Der Klassiker: gebratene Nudeln mit knusprigem Hühnerfleisch © Victoria Thünte

Unsere Nachspeise

Gut, dass wir eigentlich schon satt sind. Denn ganz eindeutig wird hier auf den Nachtisch nicht der größte Wert gelegt. Nur zwei Gerichte stehen zur Auswahl und weil wir keine Banane mögen, bleibt uns nur die gebackene Ananas mit Honig.

Auf dem Teller liegen dann auch nur zwei Kringel, die ein bisschen aussehen wie Donuts. Keine Dekoration, kein Beiwerk. Nur zwei Scheiben Ananas aus der Dose in Teig gebacken und mit Honig übergossen. Geschmacklich okay, aber sicher kein Highlight.

Zwei solcher Kringel - das ist der Nachtisch gebackene Ananas mit Honig.

Zwei solcher Kringel - das ist der Nachtisch gebackene Ananas mit Honig. © Victoria Thünte

Die Getränke

Die Getränkeauswahl ist nicht groß, aber außergewöhnlich. So gibt es neben chinesischem Tee auch Pflaumenwein, Reiswein Sake, Bambus-Schnaps und einen Reis-Schnaps namens Kao Liang. Die Preise liegen zwischen 2,50 und 4 Euro für 5cl.

Meine Begleiterin bestellt einen chinesischen Weißwein für 3,20 Euro. „Etwas süß, aber lecker“, lautet das Fazit. Die Süße bildet beim Hauptgericht dann sogar einen sehr passenden Gegenpol zu der etwas zu scharfen Soße.

Sechs verschiedene Biere stehen auf der Karte, jeweils für 2,10 Euro pro 0,3 Liter. Softgetränke wie Cola oder Sprite gibt es für 1,80 Euro für 0,2 Liter.

Die Preise

Hier kann man sich unfassbar günstig satt essen. Die Suppen kosten alle 2,50 Euro, die Salate um die drei Euro. Die Hauptgerichte liegen zwischen sieben und neun Euro. Lediglich bei den Gerichten mit Meeresfrüchten wird die Zehn-Euro-Marke überschritten. Ein Menü mit Vor-, Haupt- und Nachspeise für zwei Personen gibt es schon für 20 Euro.

Bei diesen Preisen kann man natürlich keine gehobene Spitzenküche erwarten. Aber das Essen schmeckt, die Portionen sind ordentlich groß und der Service ist herausragend gut.

Die Atmosphäre

Das Gastraum ist sehr klein, trotzdem gibt es um die 50 Sitzplätze. Obwohl die bei unserem Besuch fast alle besetzt sind und die Tische eng zusammen stehen, ist der Lärmpegel erstaunlicherweise sehr niedrig. Sogar die leise Hintergrundmusik aus den Boxen an der Decke ist noch gut hören, ohne dass sie stört.

Gold und rot sind die dominierenden Farben. In verschiedenen Regalen stehen kleine Figuren, auf den Fensterbänken Gestecke aus bunten Kunstblumen. Neben der Theke plätschert ein Brunnen. Durchaus kitschig, aber nicht überladen.

Überall stehen goldene und kitschige Figuren.

Überall stehen goldene und kitschige Figuren. © Markus Gehring

Etwas störend beim gemütlichen Zusammensitzen jedoch ist die Laufkundschaft. Die Kunden können ihr Essen nämlich auch zum Mitnehmen bestellen. Und so stehen in dem ohnehin schon engen Gastraum auch noch zeitweise bis zu drei Personen in dicken Wintermänteln herum, die auf ihr Essen warten.

Kinderfreundlichkeit

Eine extra Karte für Kinder gibt es nicht, aber bei der üppigen Speisekarte ist sicher auch etwas für die kleinen Gäste dabei. Kellnerin Phatthaya weiß genau, was Kinder mögen und kann die entsprechenden Gerichte empfehlen. „Vor allem knuspriges Hühnerfleisch schmeckt den Kindern meistens sehr gut.“

Barrierefreiheit

Der Gastraum und die Tische sind barrierefrei zu erreichen, die Toiletten im Keller leider nicht.

Anfahrt/Parkplatzsituation

Das Restaurant liegt gut erreichbar mitten in Stadtlohn an der Eschstraße. Problemlos mit, aber bestimmt auch ohne Navi zu finden. Parkplätze sind vor allem abends reichlich vorhanden, wenn die umliegenden Geschäfte geschlossen haben.

Dai Nguyen ist der Bruder des Betreibers Gioi Trung Nguyen.

Dai Nguyen ist der Bruder des Betreibers Gioi Trung Nguyen. © Markus Gehring

Was sagt das Netz?

Bei Tripadvisor gibt es nur vier Bewertungen, in denen im Schnitt 4,5 von 5 Punkten vergeben werden. Gelobt wird vor allem die familiäre Atmosphäre in dem kleinen Restaurant.

Drei Bewertungen sind es bei Facebook. Alle geben die volle Punktzahl: 5 von 5 Punkten.

Restaurant-Infos

China-Restaurant Hong Kong, Eschstraße 35, 48703 Stadtlohn, www.hongkongstadtlohn.de

Öffnungszeiten: Dienstag bis Samstag 11.30 bis 15 Uhr und 17 bis 22.30 Uhr; Sonn- und Feiertag 11.30 bis 22.30 Uhr; Montag (außer an Feiertagen) Ruhetag

Essen zum Mitnehmen oder zum Liefern innerhalb Stadtlohns kann telefonisch bestellt werden: Tel. (02563) 97133

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