"In Litembo zuhause"

Interview mit Maria Meiss

STADTLOHN Seit 49 Jahren engagiert sich die gebürtige Stadtlohnerin Maria Meiss für das Hospital Litembo im ostafrikanischen Tansania. Während ihres Heimataufenthaltes hatte Thorsten Ohm Gelegenheit, mit ihr über Vergangenheit, Gegenwart und Perspektiven dieser Einrichtung zu sprechen.

von von Thorsten Ohm

, 25.11.2009, 15:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Ich hatte immer schon den Wunsch, Menschen in anderen Ländern zu helfen. Nach meiner Ausbildung zur Krankenschwester ergab sich die Chance, zusammen mit Dr. Irmgard Weyer nach Tansania zu gehen. Das war zunächst auf drei Jahre befristet. Aber es wurden immer wieder drei neue Jahre… (lacht).

Es ging natürlich nur schrittweise. Die Entbindungsstation gab es schon, 1963 kam die Chirurgie hinzu, 1969 die innere Abteilung, später Labor und die Erweiterung der Ambulanz, 1992 die Kinderabteilung und dann noch ein Verwaltungsgebäude. Die Spenden aus der Heimat haben natürlich bis heute einen ganz wichtigen Anteil daran.

Bis Anfang der neunziger Jahre waren wir ein offizielles „District Hospital“, da wurden alle Auslagen vom Staat bezahlt, heute nur noch für examiniertes Personal. Die Sachkosten müssen durch die Einnahmen gedeckt werden, die durch die Patienten aufgebracht werden. Heute ist es für Litembo vergleichsweise schwierig, qualifizierte Kräfte langfristig zu halten. Ohne zusätzliche Gratifikationen wäre es beispielsweise nicht möglich, Ärzte zu bekommen. Und das Krankenkassensystem läuft erst ganz langsam an.

Die Immunschwäche Aids fordert viele Menschenleben. Dabei herrscht oft auch noch der Aberglaube vor, dass Aids nicht durch Ansteckung übertragen werde, sondern den Jungen durch die Alten angehext werde. Manche sind deshalb schon umgebracht worden.

Die gesundheitliche Aufklärung ist ganz wichtig. Dabei bemühen wir uns vom Krankenhaus aus, der Unwissenheit und dem Aberglauben entgegen zu wirken.

Die Mobilität hat zugenommen. Damit kommen auch neue Krankheiten zu uns. Malaria war früher in Litembo nie ein Thema, weil dort im Hochland die Mücken nicht vorkamen, die die Krankheit übertragen. Mit der Reisefreudigkeit der Menschen hat sich auch das geändert: Die Mücken und die Erreger werden praktisch mitgebracht.

Afrika den Rücken zu kehren – nicht ein einziges Mal habe ich daran gedacht. Wie gesagt: Ich fühle mich da zuhause. Die Menschen sind arm, aber sie können trotzdem lachen. Die Fröhlichkeite und die Dankbarkeit der Menschen sind einmalig. Und ich war ja auch stärker an die Entwicklung in Tansania angebunden als in Deutschland. Daher freue ich mich schon auf mein Jubiläum im nächsten Jahr, wo ich 50 Jahre dort tätig bin. Am schönsten wäre es, wenn Dr. Weyer auch daran teilnehmen könnte.

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