Josef Viet-Denne, ein Fohlen und eine lange Liebesgeschichte

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Sie ist ganz jung und schon eine echte Schönheit: dunkler Typ, langbeinig, muskulöser Körperbau. Das hat eine „Castingschau“ bestätigt. Zur Freude von Josef Viet-Denne, Züchter des Fohlens.

Stadtlohn

, 16.08.2019, 17:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Josef Viet-Denne aus Stadtlohn ist ein alter Hase auf dem Terrain der Pferdezucht. Wie aktuell mit der fast fünf Monate alten Stute, die bei der diesjährigen Stutenschau in Ahaus prämiert wurde, kann er aus vier Jahrzehnten etliche Erfolge vorweisen. Davon zeugen die zahlreichen Schleifen und Auszeichnungen, die eine ganze Wand im Flur des Anwesens, Losberg 1, füllen.

Von Erfolgen und Rückschlägen

„Es ist aber eine Geschichte von Höhen und Tiefen“, sagt Josef Viet-Denne.

Er und seine Frau Christine, ebenfalls überzeugte Pferdenärrin, erzählen auch von Unfällen und plötzlichen Krankheiten ihrer Pferde, die sie verkraften mussten. Wie den tragischen Tod ihrer Stute, die im großen Sport erfolgreich unterwegs war, und ganz plötzlich zusammensackte. Die Diagnose und gleichzeitig das Todesurteil: Aortenabriss.

Und dennoch haben sie in all den Jahren immer weiter gemacht und gezüchtet. „Wir sind mit dem Virus infiziert“, begründet das Christine Viet-Denne. Und: „Es ist einfach so schön, wenn ein Fohlen im Stroh liegt, da geht einem das Herz auf.“ Beide betonen aber, dass sie eigentlich nur Hobbyzüchter seien, nicht zu denen gehören, die die Zucht im großen Stil betreiben.

Ein Unfall war der Auslöser

Josef Viet-Denne, gebürtiger Velener, kam eigentlich durch einen zuerst eher unglücklichen Zufall zur Zucht. Als erfolgreicher Turnierreiter hatte er naturgemäß mit Pferden zu tun, als Veterinärbesamungstechniker waren aber Rinder seine Klientel. Nach einem Unfall aber war es erstmal vorbei mit dem Turniersport und seine Stute arbeitslos. Mit ihr wurde der züchterische Grundstein gelegt.

Bereits 1975 hatte sich das Ehepaar Viet-Denne das ehemalige Heuerlingshaus plus 2,5 Hektar Land und Stallungen gekauft und aufwendig umgebaut.

Seitdem ist das die Zuchtstätte, aus der so viele Fohlen hervorgegangen sind. Wie viele es genau bis heute waren, können Josef und Christine Viet-Denne nichtmal sagen. Aktuell stehen drei Stuten im Stall. Zwei mit Fohlen bei Fuß und alle tragend. „Hoffentlich“, sagt Josef Viet-Denne. Besonders stolz ist er auf das besagte Stutfohlen, dessen Vater Zoom, im Dienst des Westfälischen Landgestüts aktiv, mit seinen fünf Jahren schon als Dressur-Ausnahmetalent für Furore sorgte. Das aber nicht nur wegen der optischen Qualitäten, die ihm bescheinigt wurden, sondern auch wegen seines Charakters, seiner Gelassenheit.

Weichen für die Zukunft sind gestellt

Seine Zukunft ist auch schon gesichert. Kaum auf der Welt, war es auch schon verkauft. Josef Viet-Denne: „Die Käuferin war so angetan, dass sie nachts nicht mehr schlafen konnte, bis sie die Zusage bekam.“ Ein Vermögen habe man damit zwar nicht gemacht, wichtiger sei aber, dass es ab Spätherbst, wenn es von der Mutter „abgesetzt“ wird, ein gutes Zuhause bekäme. Und ob man dann noch im Sport dann von der Stute hören wird, werde sich erst noch herausstellen. Einen offiziellen Namen hat die Kleine noch nicht. Eine Enkelin hat sich aber schon für „Zissi“ entschieden. Mit dem Anfangsbuchstaben Z nach dem Vater Zoom.

Pferdezucht hat sich verändert

Ohnehin sei die Pferdezucht, so wie sie hier betrieben werde, kein Geschäftsfeld, um reich zu werden: „Wir haben das Glück, dass wir nicht davon leben mussten.“

Und vieles habe sich verändert: Die bäuerliche Zucht sei seltener geworden, und auch die Zuchtziele seien heute andere. „Es wird in der Regel für den Sport gezüchtet, entweder will man dressurbetonte oder springtalentierte Pferde“, sagt der Stadtlohner. Die Ansprüche seien gestiegen und modische Trends machten sich auch bemerkbar.

Aktuell hat er auch registriert, dass der Fohlenmarkt schlecht läuft. Eine Entwicklung, die sich angesichts des zweiten Dürresommers in Folge und damit extrem gestiegener Futterpreise vielleicht noch verschärfe.

Im Hause Viet-Denne geht es aber zumindest mit der Liebe zu den Pferden weiter: Vom Virus infiziert sind bereits Töchter und Enkeltöchter.

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