Julia Knuth punktet an der Bäckertheke mit Freundlichkeit und Fachwissen

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Julia Michaela Knuth ist die innungsbeste Bäckereifachverkäuferin. Die Südlohnerin hat ihr Handwerk in Stadtlohn gelernt. Im Corona-Sommer blieben 300 Ausbildungsstellen im Handwerk unbesetzt.

Stadtlohn

, 19.08.2020, 16:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Die Kundschaft gibt sich an diesem Mittwochmorgen in der Bäckerei Kappelhoff an der Gutenbergstraße in Stadtlohn die Klinke in die Hand. Der eilige Handwerker, der nur ein belegtes Brötchen möchte, die zögerliche Dame, die Hilfe bei der Kuchenauswahl benötigt, und der Allergiker, der es ganz genau wissen möchte.

Julia Michaela Knuth weiß es allen recht zu machen. Ihr freundliches Lächeln strahlt über die Atemschutzmaske hinaus. Die Freundlichkeit hat die 19-Jährige mit in den Beruf gebracht, alles andere hat sie gelernt: Fingerspitzengefühl und Liebe zum Produkt, technisches Verständnis und Lebensmittelkunde sowie den Spaß am Umgang mit den Kunden.

Bäcker-Innung spricht 18 Prüflinge frei

Sie ist einer der 18 Prüflinge der Bäcker-Innung Ahaus, die jetzt ihre Abschluss- beziehungsweise Gesellenprüfung bestanden haben. „Die vier „frisch gebackenen“ Bäcker und vierzehn Fachverkäuferinnen dürfen stolz auf ihr Handwerk sein“, sagte Innungs-Obermeister Helmut Kappelhoff. Ein wenig stolz darf selbst auch er sein: Denn die Innungsbeste Julia Knuth hat ihr Handwerk in seinem Betrieb erlernt.

Blumen für die Ausbildungsbeste: Obermeister Helmut Kappelhoff beglückwünscht Julia Michaela Knuth zum Prüfungserfolg.

Blumen für die Ausbildungsbeste: Obermeister Helmut Kappelhoff beglückwünscht Julia Michaela Knuth zum Prüfungserfolg. © Stefan Grothues

Die junge Frau aus Südlohn hatte vor ihrer Ausbildung den Realschulabschluss mit Qualifikation an der Südlohner Roncalli-Hauptschule gemacht. „Ich gehörte zum letzten Jahrgang. Jetzt gibt es die Schule ja leider nicht mehr.“

Die Betriebe haben es schwer, Auszubildende zu finden

Das bedauert auch Daniel Janning. Der Geschäftsführer der Kreishandwerkerschaft sagt, dass das Handwerk immer gut mit starken Haupt- und Realschulen gefahren sei. Janning: „Heute streben eigentlich zu viele Schüler das Abitur an, obwohl sie vielleicht im Handwerk besser aufgehoben wären.“ Er und Obermeister Helmut Kappelhoff sehen schwere Zeiten auf das Handwerk zukommen, weil es immer schwieriger werde, gute Auszubildende zu bekommen.

Dabei gehe es dem Westmünsterland noch besser als anderen Regionen. Jetzt hat zusätzlich auch noch die Coronapandemie Spuren auf dem Ausbildungsmarkt hinterlassen. Janning: „Es gab keine Betriebsbesuche in den Schulen, weniger Berufsberatung und keine Berufsorientierungsmessen. Da ist mancher Schüler den einfacheren Weg gegangen und hat sich für eine weitere Schullaufbahn entschieden.“

Noch 300 freie Ausbildungsplätze im Handwerk

In Zahlen: Die Handwerksbetriebe im Kreis Borken haben 3,9 Prozent weniger Ausbildungsverträge abgeschlossen als im Vorjahr. „Im Kammerbezirk gab es sogar ein Minus von 16 Prozent“, so Daniel Janning.

Doch die Kreishandwerkerschaft will nun gemeinsam mit dem Kreis Borken, der Arbeitsagentur, den Berufskollegs und der Bezirkregierung gegensteuern. Daniel Janning: „Wegen der Coronapandemie ist ein Ausbildungsbeginn ausnahmsweise noch bis zum 31. Dezember möglich. Wir wollen im September mit gezielten Projekten auf 300 freie Ausbildungsplätze und 500 Praktikumsplätze hinweisen.“

Julia Michaela Knuth hat den Schritt in den praktischen Beruf nie bereut. Und auch nach ihrer erfolgreichen Ausbildung bleibt sie der Bäckerei Kappelhoff treu. „Nein, weiter zur Schule möchte ich nicht. Aber ich würde gerne noch den Ausbilderschein machen.“ Und wer weiß, vielleicht warten im Berufswettbwerb auf Kammer- oder Landesebene ja noch neue Herausforderungen.

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Diese neun Prüflinge kommen aus dem Verbreitungsgebiet der Münsterland Zeitung. Bäckereifachverkäuferinnnen: Lara Böing (Südlohn, Ebbing), Laura Niehoff (Ahaus, Ebbing), Annalena Freund (Ahaus, Kiepenkerl), Julia Knuth (Südlohn, Kappelhoff Stadtlohn), Alina Lambrecht (Ahaus, Essmanns Backstube) und Marcella Schepers (Heek, Essmanns Backstube).

Bäckerinnen und Bäcker: Florian Abbing (Ahaus, Bäckerei Manfred Verweyen), René Rommel (Ahaus, Bäckerei und Konditorei Paul Effing) und Jasmin Schuchardt (Südlohn, Michael Tenk).

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