Junger Mann befuhr Landebahn mit Auto und gefährdete den Flugleiter

rnJugendschöffengericht

Zuerst fuhr der junge Mann mit dem Auto auf die Landebahn des Flugplatzes. Dann behauptete er im Tower, er habe „einen Flieger nach Chicago“ gebucht. Jetzt stand der 20-Jährige vor Gericht.

Stadtlohn

, 03.04.2019 / Lesedauer: 3 min

Das Geschehen am 18. Oktober 2018 begann kurios und endete gefährlich. Nun musste sich ein 20-Jähriger Stadtlohner wegen eines gefährlichen Eingriffs in den Straßenverkehr vor dem Jugendschöffengericht in Ahaus verantworten. Dabei wurde schnell klar, dass hinter dem Vorfall eine menschliche Tragödie steckt.

„Flieger nach Chicago gebucht“

Als Zeuge schilderte am Montag der 40 Jahre alte Flugleiter das Geschehen vor Gericht so: An jenem Herbstag im vergangenen Jahr habe er gegen 9.30 Uhr auf der Start- und Landebahn des Flugplatzes Stadtlohn-Vreden ein Auto bemerkt. Zuerst habe er gedacht, es handele sich um ein Fahrzeug, das auf dem Weg zu einer Baustelle auf dem Flugplatzgelände sei. Um 11.30 Uhr tauchte dann der junge Mann im Tower auf und behauptete, er habe einen „Flieger nach Chicago“ gebucht. Die Flugplatzmitarbeiter erklärten ihm, dass von Stadtlohn aus keine Flugzeuge in die USA fliegen. Sie verwiesen den Mann vom Gelände und verständigten die Polizei.

Auto raste auf Flugleiter zu

Der Flugleiter beobachtete den jungen Mann weiter, weil er sich immer noch am Flugplatzgelände aufhielt. Als er sich in sein Auto setzte, wollte ihn der Flugleiter bis zum Eintreffen der Polizei aufhalten. Der 20-Jährige aber beschleunigte seinen Opel Corsa und fuhr direkt auf den Flugleiter zu. „Ich konnte mich nur durch einen Sprung zur Seite retten“, sagte der 40-Jährige vor Gericht. „Wenn Sie das nicht getan hätten, dann wären Sie heute nicht hier.“ Mit diesen Worten unterstrich der Staatsanwalt die Schwere der Anklage.

Der 20-Jährige bestätigte diese Schilderung weitestgehend. Nur: Auf den Flugleiter sei er nicht zugerast. „Der Mann stand nur am Straßenrand und nicht mitten auf der Straße“, sagte der Angeklagte. Sonst war aus ihm nicht viel herauszukriegen. Die Verhandlung hatte schon mit fast zweistündiger Verspätung begonnen, weil der Angeklagte verschlafen hatte. Vor Gericht wirkte er benommen und fahrig, sodass der Richter vermutete, er stehe unter dem Einfluss von Drogen. Das bestritt der Angeklagte. „Ich hatte hatte seit drei, vier Monaten keine Drogen mehr.“

„Das war nur Müllgelaber“

Davor habe er Gras konsumiert. Aber auch an jenem fraglichen Morgen „war ich nicht auf Drogen“, behauptete der Angeklagte. „Woher wissen Sie das noch so genau?“, wollte der Richter wissen. „Weil ich morgens nie Drogen nehme“, erklärte der 20-Jährige. Zwischenzeitlich sei er in der LWL-Klink zur Entgiftung gewesen. Dort entließ er sich aber selber. Begründung: „Ich hatte keine Lust mehr.“

Was wollte der 20-Jährige eigentlich auf dem Flugplatz? Als der Richter danach fragte, zuckte der Angeklagte mit den Achseln und blickte ins Leere. „Es gab keinen Grund. Ich war nur so da.“ Und was hatte es mit dem Flug nach Chicago auf sich? „Das war nur Müllgelaber.“

Psychiatrisches Gutachten soll mehr Klarheit schaffen

Richter und Staatsanwalt zeigten sich ratlos. Die Vertreterin der Jugendgerichtshilfe berichtete im Prozess, dass das Gespräch mit dem 20-Jährigen schon im Dezember schwierig gewesen sei – „aber nicht so schwierig wie jetzt. Ich bin richtig erschrocken.“ Dann durfte sich der Vater des Angeklagten äußern, ohne den der junge Mann an diesem Montagmorgen wohl gar nicht den Weg in den Gerichtssaal gefunden hätte. Die Drogen, so erklärte der Vater, hätten bei seinem Sohn eine Schizophrenie ausgelöst. Am Ende setzte der Richter den Prozess aus. Zunächst soll ein psychiatrisches Gutachten klären, ob der 20-Jährige überhaupt wusste, was er tat.

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