Strengere Regeln

Katzen auf dem Friedhof und die Sorge um eine drohende „Steinwüste“

Der Friedhof ist vor allem ein Ort der Ruhe. Aber in Stadtlohn stören Katzen und eine drohende „Steinwüste“ den Frieden. Die Stadt will die Probleme mit klaren Regeln in den Griff bekommen.

Katzenplage, Steinwüstenbildung, gestörte Zeremonien – „Ich habe gar nicht gewusst, dass es so viele Probleme auf dem Friedhof gibt“, erklärte der SPD-Fraktionsvorsitzende Otger Harks, nach dem Ordnungsamtsleiter Thomas Gausling Gründe für die Überarbeitung der Friedhofssatzung ausgemalt hatte. Andrea Wiggering-Cirkel (FDP) sagte: „Ich bin auch überrascht, wie spannend es auf dem Friedhof ist.“

„Einige Katzenfütterer sind uneinsichtig“

Thomas Gausling beschwichtigte etwas: „Ich will nicht, dass ein falscher Eindruck entsteht. In den allermeisten Fällen halten sich Besucher und Gewerbetreibende an die Regeln. Aber es gibt auch einige wenige, die nicht einsichtig sind. Und da brauchen wir eine bessere Handhabe.“

Zum Beispiel bei den beharrlichen Katzenfütterern. Tiere zu füttern ist nun ausdrücklich unter Androhung eines Bußgeldes verboten. Thomas Gausling: „Wir suchen weiterhin zuerst immer das Gespräch. Die Menschen, die Tiere auf dem Friedhof füttern, meinen es ja gut. Wenn aber Gespräche nicht helfen, wird ein Bußgeld in Höhe von 50 Euro schon Wirkung zeigen.“

Grund für das nun explizite Fütterungsverbot ist nach Gauslings Darstellung eine Zunahme der Katzenpopulation, „was zu Krankheiten und Veränderungen im natürlichen Gleichgewicht führen kann. Ferner kann das Futter andere Tiere, beispielsweise Ratten, anziehen“, so der Ordnungsamtsleiter. Vom Katzenkot einmal ganz abgesehen.

„Kreative Auslegung von Regeln“

Klare Regeln brauche der Friedhof auch für Bestatter, Gärtner und Steinmetze. „Durch unklare Regelungen oder kreative Auslegung von Regelungen“ komme es wiederholt zu Problemen.

Thomas Gausling: „Zu nennen sind Fälle, in denen Särge von Verstorbenen, die corona-positiv waren, nicht in den Leichenzellen aufgebahrt wurden, die dafür bestimmt waren. So entstand ein erhöhter Reinigungsaufwand und ein vermeidbares Infektionsrisiko für andere.“

Es komme auch vor, dass eine zweite Beerdigung vorbereitet werde und dadurch eine laufende Gedenkfeier in der Friedhofskapelle gestört wird. Oder die Friedhofskapelle werde so lange genutzt, dass die nachfolgende Trauerfeier sich verspäte. Oder Antragsfristen werden nicht eingehalten, sodass es zu Verspätungen bei der Aushebung von Gräbern komme.

Bußgelder sollen die Ausnahme bleiben

„Ich möchte betonen, dass wir Bußgelder im Zusammenhang mit dem Friedhof möglichst vermeiden wollen. Allerdings hat sich gezeigt, dass solche Verfahren nötig sind – und dass sie etwas bewirken“, so Thomas Gausling.

Spannungen gibt es immer wieder auch in Fragen der Grabgestaltung, für die es gewisse Regeln gibt. „Das ist ein häufig wiederkehrendes Problem im Alltag des Bürgermeisters, wenn nach vergeblichen Abstimmungsgesprächen die Eskalation droht.“ Thomas Gausling schilderte im Ausschuss die Hintergründe: „Die Friedhofskultur verändert sich. Vielen Menschen fehlt die Zeit für eine aufwendige Grabpflege. Oder sie wollen sie nicht.“

Friedhof soll grüne Oase bleiben und keine Steinwüste werden

Nicht wenige Angehörige sehen die Lösung in einem mit einer Steinplatte vollversiegelten Grab. „Der Friedhof sollte aber eine grüne Oase bleiben und keine Steinwüste werden“, so Thomas Gausling. Das sehen auch Stadtlohns Politikerinnen und Politiker so. Mit großer Mehrheit beschloss der Ausschuss, dass maximal ein Drittel des Grabes mit Steinen bedeckt werden darf. Das sieht auch die Mustersatzung des nordrhein-westfälischen Städte- und Gemeindebundes vor.

Steinmetz Manfred Kerkhoff durfte im Ausschuss seinem Ärger Luft machen: „Sie heben hier nur mal kurz die Hand, und ich muss es ausbaden und den Kunden verkaufen.“ Der Steinmetz befürchtet Ärger mit den Kunden und erhebliche Umsatzeinbußen durch das Grabplattenverbot.

Bürgermeister Berthold Dittmann betonte: „Das ist keine Entscheidung gegen Steinmetze. Das ist eine Entscheidung für die Stadtlohner Bürgerinnen und Bürger.“

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Stefan Grothues