Kita im Wald

Waldgruppe im Bockwinkel

Ab und zu wird die Stille des Waldes unterbrochen durch Vogelzwitschern. Im Bockwinkel vernimmt man noch ganz andere Töne. Im Waldkindergarten ist immer was los.

STADTLOHN

06.10.2017 / Lesedauer: 3 min

Schon vom Waldweg aus sind Kinderstimmen zu hören. Zwischen dem Laub des Bockwinkels lässt sich ein Blick auf einen braunen Bauwagen erhaschen.er Wagen dient allerdings nur als Frühstücksraum. Den Rest der Zeit verbringt die Waldkindergartengruppe – auch bei Regen und Schnee – unter freiem Himmel. Ein Junge in Matschhose und Regenjacke trommelt auf einem Schlagzeug aus Kochtöpfen. Zwei andere kochen eine Suppe aus Laub und verfüttern sie an Krokodile. 

Natur liefert Spielzeug

Im Wald ist ganz schön was los: Den Kindern der Waldkindergartengruppe der St. Marien Kindertagesstätte in Wenningfeld mangelt es nicht an Fantasie. Die neuen Kinder sind seit einigen Wochen Teil der Gruppe und haben sich eingelebt. Jetzt steht der Winter bevor. „Der Wandel der Jahreszeiten bietet den Kindern viele Möglichkeiten, sie basteln sich ihr Spielzeug aus der Natur“, erklärt Kita-Leiterin Astrid Hanke. Der ganzjährige Aufenthalt im Wald fördere Ausdrucksvermögen, Gleichgewichtssinn und auch das Immunsystem – deshalb gebe es in der Waldgruppe weniger Krankheitsfälle. „Zudem brauchen die Kinder aus dem Wald eine ausgiebige Mittagspause, weil sie ausgepowert sind!“, meint Hanke und lacht.

Musik unter Bäumen

Der vierjährige Emil trägt eine grüne Windjacke und klettert auf ein Gerüst aus Holzpaletten. Von oben schaut er runter und meint: „Mir gefällt einfach alles am Wald!“ Aber lange Zeit zum Erzählen hat er nicht: Er brummt wie ein Fahrzeug und düst weg. „Emil ist ein echter Fan von Musik. Im Morgenkreis spielt er am liebsten Instrumente“, berichtet Astrid Hanke. Die Kinder sind sehr aktiv, aber wirken ausgeglichen. Im Übergang zu geschlossenen Klassenräumen in der Schule sieht Astrid Hanke kein Problem: „Kinder sind wie ein Chamäleon, und die Schule ist nun mal eine ganz andere Umgebung.“ Zudem seien sie es von zuhause gewohnt, sich im Haus zu bewegen. Die Gruppe ist nur vormittags im Wald. Die Kinder, die ganztätig betreut werden, befinden sich am Nachmittag im Hauskindergarten.

Keine Wände, keine Zäune

Ein Kindergarten im Wald bringt viele Besonderheiten mit sich. „Das Gelände ist nicht eingezäunt, und auch auf das Wetter muss man sich immer einstellen“, berichtet Erzieherin Marion Wesseler. Sie ist eine von zwei Kindergärtnerinnen in der Gruppe. Zusätzlich werden sie unterstützt von einer Praktikantin im Anerkennungsjahr. Der Wald birgt immer neue Überraschungen. Einer der Jungen schnappt sich eine Baumscheibe vom Boden und schiebt sie unter großer Anstrengung zur Seite. „Guckt mal!“, ruft er den anderen aufgeregt zu. Der freigelegte Boden beherbergt einige Insekten, die die Kindergartenkinder genau betrachten wollen. Die meisten von ihnen tragen eine wetterfeste Jacke und eine Mütze. Gegen Regen und Schnee hilft nur warme Kleidung. Aber bei einem richtigen Unwetter verbringen die Kleinen den Vormittag im Hauskindergarten. „Sicherheit geht vor!“, betont Lena Fromme von der pädagogischen Verbundleitung und ergänzt: „Nach Sturm und auch bei Schneelast werden die Bäume auf dem Gelände geprüft, damit alles sicher ist.“

Waldgruppe seit 2016

Seit August 2016 gibt es die Waldgruppe der St.-Marien-Kindertagesstätte. Astrid Hanke erklärt, wie die Idee dazu entstand: „Auch die Gruppen aus dem Hauskindergarten waren immer sehr oft draußen, und wir sind sehr naturverbunden.“ Die Gruppe besteht aus zehn Kindern zwischen drei und sechs Jahren. Das Angebot werde sehr gut angenommen, erklärt Astrid Hanke. Auf der Warteliste stünden Kinder aus dem ganzen Umkreis, auch aus der Nachbarstadt Vreden. Wegen des gepachteten Geländes, der Wartungsarbeiten und Instandhaltungskosten ist der Waldkindergarten sehr kostenintensiv. Das sei es der Verbundleitung wert. „Trotzdem ist dieses zusätzliche Angebot uns als Träger sehr wichtig, damit wird den Eltern Vielfalt bieten können“, betonte Lena Fromme.

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