Kontakte sind das A und O

Internationales Café

Ein Erfolgsmodell für die Integration: Im Internationalen Café treffen sich Flüchtlinge und Einheimische zum zwanglosen Austausch. Aus ungezwungenen Gesprächen ergeben sich mit der Zeit auch Patenschaften.

Stadtlohn

von Alina te Vrugt

, 28.03.2016, 18:49 Uhr / Lesedauer: 2 min
Im Keller genießen Kinder Kicker und andere Spielmöglichkeiten.

Im Keller genießen Kinder Kicker und andere Spielmöglichkeiten.

Unsere Mitarbeiterin Alina te Vrugt hat das Café am Karsamstag besucht. Der Samstagvormittag ist recht sonnig. Dementsprechend viele Räder stehen in den Fahrradständern vor dem Pfarrzentrum St. Joseph. Als ich durch das Tor zum Eingang gehen möchte, kommen mir schon zwei der Flüchtlinge entgegen. Ich warte einen kurzen Moment und lasse sie zuerst hindurch gehen. Das freundliche und direkte „Danke“ zeigt mir: Bei diesen jungen Männern bestehen keinerlei Berührungsängste gegenüber der deutschen Sprache oder dem Kontakt zu Einheimischen. Genau aus diesen Gründen besuchen sie ja das Internationale Café. Die Flüchtlinge möchten die Kultur in Deutschland genauer kennenlernen und nutzen die Möglichkeit, um ihre Deutschkenntnisse zu verbessern.

Kaffee und Plätzchen

Als ich das Pfarrzentrum betrete, kommt mir schon der Kaffeegeruch aus der Küche entgegen. Die Tür dorthin steht auf und ich werde freundlich von den vier Freiwilligen begrüßt. Fleißig sorgen sie für das leibliche Wohl der Besucher des Internationalen Cafés. Schon zu Beginn, so gegen elf Uhr, sitzen viele bei einer Tasse Kaffee und Plätzchen im großen Saal. „Einige kommen auch ein bisschen später, es gibt hier keinen festen Ablauf oder ein Programm“, berichtet mir Organisator Andre Heming von der Flüchtlingshilfe. „Was passiert, das passiert. Was nicht passiert, das passiert nicht“, ergänzt er noch.

Isolation verhindern

Diese Aussage spiegelt die Ungezwungenheit des Begegnungscafés wider. Ich fühle mich direkt wohl und habe nicht das Gefühl, dass diese Veranstaltung irgendwelchen Erwartungen gerecht werden muss. „Wir möchten die Isolation der Flüchtlinge verhindern“, betont Andre Heming. Manche von ihnen besuchen auch erst einen Integrations- oder Sprachkurs im Pfarrzentrum und wenn der beendet ist, stoßen sie im großen Saal dazu. Aber neben dem Erlernen der Sprache und dem Kennenlernen der Kultur gibt es einen anderen wichtigen Punkt: das Knüpfen von Kontakten.

Ich bin sehr beeindruckt, als die freiwilligen Helfer mir stolz erzählen, was die Begegnungen im Internationalen Café den Flüchtlingen schon alles ermöglicht haben. Hier ergeben sich aus ungezwungenen Gesprächen mit der Zeit sogar Patenschaften von Einheimischen. Die Flüchtlinge lernen Menschen kennen, die ihnen ihr altes Fahrrad anbieten. Andere wiederum kennen jemanden, der jemanden kennt, der Zweien der Flüchtlinge aufgrund ihrer guten Deutschkenntnisse einen Job anbieten kann. Und das Wichtigste: Sie finden hier auch Freunde außerhalb ihres alten Kulturkreises.

"Die Menschen akzeptieren uns"

Andre Heming stellt mir seinen guten Kumpel vor, den 21-jährigen Fardin aus Afghanistan. Ich bin ein wenig unsicher, da ich nicht weiß, wie es um seine Sprachkenntnisse steht. Er stellt sich mir vor, wir unterhalten uns auf Englisch. Es ist ein Gespräch auf Augenhöhe. „Ich mag die deutsche Kultur, die Menschen akzeptieren uns“, erzählt er mir sehr dankbar. Bei seinem ersten Besuch im Internationalen Café sei er zwar nicht ängstlich gewesen, aber ein bisschen nervös. Genau wie ich, denke ich in dem Moment. Aber das soll nicht mein einziges interessantes Gespräch an diesem Vormittag bleiben.

Das Internationale Café findet in der Regel alle zwei Wochen statt, das nächste Mal am 2. April. Die Verpflegung ist sogar für alle kostenlos.
Sachspenden: Wer kann und möchte, darf beim nächsten Besuch ein Pfund Kaffee mitbringen. Auch alte Laufschuhe können als Spende mitgebracht werden.
Die Flüchtlingshilfe Stadtlohn bietet den Flüchtlingen an, im Team „Integration Runs“ beim Stadtlohner City Lauf anzutreten.

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