Landwirte kritisieren „Flächenfraß“

Jahreshauptversammlung

Auffällig ruhig und sachlich verlief die Jahreshauptversammlung des landwirtschaftlichen Ortsverbandes Stadtlohn, zu der 50 Landwirte in die Gaststätte "Zum Breul" gekommen waren. Dennoch: Es wurde engagiert diskutiert.

STADTLOHN

, 28.02.2017, 17:31 Uhr / Lesedauer: 2 min

"Sogar die Politik lässt keine Möglichkeit aus, über die Landwirte herzufallen", kritisierte Ortsverbandsvorsitzender Dirk Große Damhues eingangs. Auf die Kritik des Ortsverbandsvorsitzenden am "Flächenfraß" für neue Wohn- und Industriegebiete reagierte Bürgermeister Helmut Könning in seinem ausführlichen Grußwort mit Zahlen: "Wir haben rund 70 Baugrundstücke anzubieten - gegen 130 Nachfragen."

Freie Wohnungen in Stadtlohn anzumieten, sei zurzeit fast nicht möglich. Zusätzlich wolle die Stadt Unternehmern Chancen und Möglichkeiten bieten, sich anzusiedeln. "Es ist ein Stück Lebensqualität, wenn man in einer Stadt wohnen und arbeiten kann", so Könning, der die Landwirtschaft als einen der "stabilsten Wirtschaftsfaktoren" in der Region lobte.

Partielle Schuldeingeständnisse

In den Berichten aus den Ausschüssen wurde deutlich, dass partielle Schuldeingeständnisse das Image von der Landwirtschaft in der Öffentlichkeit verbessern könnten. Als Beispiel wurde der Gewässerschutz genannt. Der Gewässerschutz liege im übrigen nicht allein in der Verantwortung der Landwirte. Die menschlichen Ausscheidungen mit Medikamentenrückständen seien genauso schädlich. "Dann müssten wir unseren Frauen die Einnahme der Pille verbieten", ergänzte ein Teilnehmer ironisch.

Bei der Milchwirtschaft werde ein langsamer Aufwärtstrend bei den Preisen verzeichnet. Das Problem, so hieß es, liege allerdings größtenteils bei den Molkereien, die unterschiedliche Preise zahlten. "Von 1990 bis 2015 sind es 80 Prozent weniger Sauenhalter in der Region", untermauerte Kreislandwirt Heinrich Emming ein weiteres Negativum mit Zahlen. Als Emming auf das Grünbuch, das Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt Ende Dezember 2016 vorgestellt hatte, hinwies, reagierte ein Gast mit Kritik: "Warum werden solche Themen nicht vorher mit uns direkt besprochen?"

Protest der Landwirte

Blühstreifen an den Feld-, Wald- oder Gewässerrändern forderte Kreislandwirt Emming ebenso wie Dr. Ulrike Janßen-Tapken, die seit einem Jahr den dafür zuständigen Bereich der Landwirtschaftskammer NRW in der Kreisstelle Borken leitet. Neben vielen juristischen Änderungen und vertraglichen Vorgängen, welche die Landwirte leisten müssen, erregte eine Gesetzesänderung besonderen Protest: Trotz vorliegender Baugenehmigung muss das Bauvorhaben neuerdings vor Beginn bei der Landwirtschaftskammer angezeigt werden.

"Das ist doch ein Eingriff ins Eigentumsrecht", reagierte ein Besucher und erntete Zustimmung. "Ihnen bleibt nur der Klageweg", riet Janßen-Tapken.

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