Leise Töne im heißen Wahlkampf

Franz Müntefering zu Gast

Hoher Besuch bei der Seniorenwohngemeinschaft am Arfkamp und im Elisabeth-Hospiz Franz Müntefering, Urgestein der deutschen Sozialdemokraten, war zu Gast in Stadtlohn. Wir haben ihn und die Bundestagsabgeordnete Ursula Schulte begleitet.

STADTLOHN

, 30.08.2017, 17:18 Uhr / Lesedauer: 2 min

Die Roten liegen ganz gut im Rennen, die Grünen hinken hinterher. Aber die Schwarzen spielen gar keine Rolle. Vielleicht deshalb verzichtet Franz Müntefering auf eine politische Deutung. Er erzählt den würfelnden Senioren am WG-Küchentisch lieber eine launige Anekdote aus seiner Kindheit: „Mein Vater hat beim Mensch-ärgere-dich-nicht geschummelt. Er konnte einfach nicht verlieren.“

Früher Vizekanzler und Minister

Überhaupt: An diesem Dienstagnachmittag beim Besuch in der Seniorenwohngemeinschaft am Arfkamp und im Hospiz spielt die schwarze, rote oder grüne Parteipolitik eigentlich gar keine Rolle, obwohl die heiße Phase des Bundestagswahlkampfs längst eingeläutet ist. Für Franz Müntefering (77) ist das politische Tagesgeschäft längst passé. Der frühere SPD-Vorsitzende, Vizekanzler und Minister ist als Vorsitzenden der Bundesarbeitsgemeinschaft der Seniorenorganisationen zu Gast in Stadtlohn.

Zuhören statt überzeugen

Zuhören statt überzeugen, nachfragen statt positionieren, das ist auch für Ursula Schulte (65) das Motto des Tages. Die SPD-Bundestagsabgeordnete und -kandidatin freut sich zwar über die prominente Unterstützung im Wahlkampf, betonte aber: „Das hier ist eigentlich kein Wahlkampftermin. Das ist meine normale politische Arbeit als Bundestagsabgeordnete. Wir setzen uns mit einem sehr wichtigen Thema auseinander.“

Von Routine aber kann bei den Themen Alter, Pflege und Tod keine Rede sein. Schweigsame Nachdenklichkeit herrscht auch in der Begleitdelegation aus Stadtlohner Sozialdemokraten, als Hospizleiterin Rieke Liesmann vom Ende des Lebens erzählt. Von Schmerzen. Vom Segen der Palliativmedizin. Aber auch von deren Grenzen. Von Verzweiflung. Aber auch vom würdigen Sterben.Man muss nicht Gedanken lesen können, um zu wissen, welche Frage in den Köpfen der Zuhörer kreist: Wie werde ich alt werden? Franz Müntefering spricht den Gedanken aus. Erzählt vom erfüllten Sterben der Mutter. „Wir haben geheult. Aber es war auch schön. Das würde ich mir auch wünschen so bei klarem Verstand zu sterben.“ Dann gibt er sich einen Ruck. „Ich will hier aber nicht zu persönlich werden.“

Abseits vom Schema

Leichter ums Herz war es den Politkern in der Senioren-WG am Arfkamp. Beide zeigten sich angetan vom familiären Zusammenleben der zwölf Senioren, die von einem ambulanten Pflegedienst betreut werden. Berthold Dittmann, geschäftsführender Gesellschafter der „Pflege mit Plan“-GmbH hatte den Weg zur WG, aber auch die Steine, die es beiseite zu räumen galt, geschildert. „Solche flexiblen Lösungen abseits des Schemas Heim oder Zuhause muss es viel öfter geben“, so Müntefering.

 

 

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