Marcell Kaiser ist in Stadtlohn geboren und auf internationalen Bühnen unterwegs. © Thomas Willemsen
Künstler

Marcell Kaiser: Schauspielerisches Multitalent mit Wurzeln in Stadtlohn

Er ist Shakespeare-Darsteller, Klinik-Clown und Tai-Chi-Lehrer: Marcell Kaiser. Das Multitalent hat vor über 40 Jahren seine ersten Schritte auf die Bühne in Stadtlohn gemacht: Als Musiker.

Marcell Kaiser ist ein Multitalent im wahrsten Sinne des Wortes. Den 1967 geborenen Stadtlohner zog es schon früh ins Rampenlicht, damals noch als Musiker mit seiner Band Lazy Botch. In der Zwischenzeit ist viel passiert.

Mit dem deutsch-niederländischen Theaterensemble „King’s Men“ tritt Kaiser seit einigen Jahren auf beiden Seiten der Grenze mit ungewöhnlichen Shakespeare-Adaptionen auf. Mit Anna-Lena Haget spricht er über Clowns, Shakespeare und das Faszinosum Mensch.

Sie sind gebürtiger Stadtlohner. Kommen Sie noch hin und wieder in Ihre Geburtsstadt?

Ja, selbstverständlich, weil ein Teil meiner Familie noch da lebt. Vor einiger Zeit habe ich auch noch einen alten Freund dort getroffen, Thomas Willemsen, mit dem ich früher in der Band Lazy Botch zusammengespielt habe, denn er lebt dort jetzt wieder.

Was sind Ihre liebsten Erinnerungen an Stadtlohn? Vermissen Sie manchmal etwas?

Auf jeden Fall! Vermissen ist aber immer so eine Sache. Alles hat so seine Zeit. Die Zeit mit meiner ersten Band Lazy Botch habe ich schon in sehr guter Erinnerung. In Stadtlohn habe ich auch die Liebe meines Lebens kennengelernt, mit der ich heute noch verheiratet bin.

Und vielleicht vermisse ich manchmal auch den Karneval, der ist ja in Münster doch ein bisschen anders. Und ich habe ja schließlich meine Jugend dort verbracht, zum Beispiel in den Wäldern im Bockwinkel, da ist es schon wunderschön.

Wollten Sie schon immer Schauspieler werden?

Nein, das wollte ich nicht. Für mich hat meine Laufbahn mit Musik angefangen. In der Grundschule habe ich Flöte gelernt und bin dann auf Gitarre umgestiegen. Obwohl, Anfang der Oberstufe habe ich schon in meinem ersten Theaterstück mitgespielt. Das war „Der Besuch der alten Dame“ von Friedrich Dürrenmatt. Ich war einer der Sänftenträger, der der alten Dame dann was auf der Gitarre vorgespielt hat.

Marcell Kaiser (2.v.l.) machte seine ersten Schritte auf die Bühne als Musiker mit seiner Band
Marcell Kaiser (2.v.l.) machte seine ersten Schritte auf die Bühne als Musiker mit seiner Band „Lazy Botch“. © privat © privat

Nach dem Abitur habe ich Philosophie und Germanistik in Münster studiert und erste Schritte in einer studentischen Theatergruppe gemacht. Das war dann schon so semiprofessionell. Über die Theaterszene hat es sich ergeben, dass ich mit dem Zirkus Krone in Kontakt kam und dann tatsächlich dort eine zweijährige Ausbildung zum Weißclown gemacht habe. Ich wusste einfach, ich kann das nicht lassen, ich muss das mit der Clownsausbildung jetzt machen, das ist eine einmalige Chance. Ich habe dort nebenbei auch ein wenig Saxophon und Akkordeon gelernt.

Und das Theater musste Pause machen?

Das dritte Jahr hab ich noch drangehängt auf der Hollandtournee, quasi das Gesellenjahr. Das war im Nachhinein eine gute sprachliche Vorbereitung auf die King’s Men. Andererseits wusste ich: Ich will wieder ins Theater, was ich dann ja auch umgesetzt habe.

Trotzdem bin ich auch seit 2000 in der Uniklinik Münster als Klinikclown beschäftigt. Wir sind ein Team von sechs Clowns und schwärmen jeden Mittwoch aus, man findet uns auf den Stationen. Wir sind da sehr frei, anders als das Klinikpersonal müssen wir ja keine Spritzen geben und dürfen, verrückt wie wir sind, andere Impulse geben.

Was macht für Sie die Faszination an der Schauspielerei aus?

Was mich in diesem Beruf hält, ist die lebendige Kommunikation mit dem Publikum. Das ist ja keine Konserve. Man muss und darf sich immer wieder aufs Publikum einlassen – beim Kindertheater wie auch bei den King’s Men.

Andererseits gefällt mir, dass man die Gelegenheit hat, in eine Geschichte einzutauchen und sich tief damit zu beschäftigen. Das ist, als könnte man die Zeit anhalten. Bei der eigenen Rolle, die man spielt, kann man immer wieder überlegen: Wie würde der Charakter reagieren? Das ist halt immer wieder ein Geschenk, sich mit diesem Faszinosum Mensch auseinandersetzen zu dürfen. Eine bewusstseinsfördernde Maßnahme sozusagen.

Sie sind Theaterschauspieler, aber auch Sprecher, Musiker, Tai-Chi-Lehrer, Kabarettist, Clown. Welche Facette Ihres Berufs gefällt Ihnen am besten und warum?

Ich mache halt viele verschiedene Sachen. Da ein Ranking zu erstellen, wertet die, die nicht ganz oben stehen, natürlich ab. Die King’s Men liegen mir momentan sehr am Herzen. Aber auch die Arbeit mit den Kindern ist immer sehr erfrischend, das möchte ich nicht missen.

Sie spielen mit Ihrem Ensemble King’s Men geschichtsträchtige Stoffe wie Macbeth und Hamlet von Shakespeare so ganz anders, als die Zuschauer es gewohnt sind.

Ich empfinde das auch als sehr besonders. Unsere Homebase ist das Kloster Bentlage, da proben und erarbeiten wir die Stücke. Jan-Christoph Tonigs, der künstlerische Leiter dort, hat das ganze initiiert. Er hat Jan Sturmius Becker und mich damals angesprochen, weil er ein Theater auf die Beine stellen wollte. Das war vor sieben Jahren. Wir genießen es, im Kloster Bentlage zu sein und da ganz raus zu sein, um die Stücke zu entwickeln.

Unsere Regisseurin Silvia Andringa ist immer mit viel Liebe dabei, und wir arbeiten auch auf Tour immer weiter an den Stücken. Und dann meine Schauspielkollegen Jan Sturmius Becker, Christian Cadenbach und Laurens ten Den, das war schon ein echter Glücksgriff. Aber wir haben im Team auch hinter den Kulissen neben unserer Ausstatterin Elze van den Akker viele gute Menschen, die zum Gelingen des Unternehmens beitragen.

Wie merken Sie sich all die Textpassagen der Figuren, die Sie spielen? Was ist dabei die besondere Herausforderung?

Die Mehrsprachigkeit von Deutsch, Niederländisch, Englisch und Twents ist in der Tat eine Herausforderung. Durch meine Arbeit beim Zirkus und dadurch, dass ich in Stadtlohn hollandnahe aufgewachsen bin, war ich darauf ja schon ein wenig vorbereitet. Doch zwischen den Sprachen hin und her zu hüpfen, war am Anfang wirklich schwer.

Ich hab mir daher angewöhnt, wenn ich Passagen habe, die mir nicht gut in den Kopf gehen, diese per Hand aufzuschreiben. Da strukturiert sich auch gleich der Text für mich nach Absätzen und das ist dann alles schon mal durch meine Feder geflossen. Das ist wahres Handwerk. Aber mit dem Auswendiglernen fängt es ja erst an. Dann muss ich das ja auch noch leben, so dass mir die Leute das hinterher glauben. Man muss wirklich zu 150 Prozent dabei sein.

Wie geht es jetzt für Sie weiter? Auch im Hinblick auf Corona und die damit einhergehenden Beschränkungen, die öffentliche Auftritte erschweren? Planen Sie eine neue Tour?

Letztes Jahr im Sommer haben wir ja trotz allem eine King’s-Men-Tournee gemacht. Da haben wir eine Corona-Version von Macbeth gespielt. Das Stück spielt eigentlich an verschiedenen Orten. Aber wir wollten nicht, dass die Zuschauer herumlaufen und sich mischen müssen. Das pflegen wir weiter. In diesem Jahr haben wir Hamlet zur Premiere gebracht.

Marcell Kaiser (l.) bei einer Aufführung von Shakespeares „Macbeth“ mit seinen Schauspielkollegen von den Kings Men.
Marcell Kaiser (l.) bei einer Aufführung von Shakespeares „Macbeth“ mit seinen Schauspielkollegen von den Kings Men. © Anna-Lena Haget (A) © Anna-Lena Haget (A)

Ansonsten habe ich das Glück, dass ich gerade mit dem Pindakaas-Saxophonquartett unterwegs sein darf. Wir sind immer noch in Schulen unterwegs, nach allen Regeln der Kunst natürlich. Und ich darf auch immer noch als Clown in die Klinik. Wir sind allerdings nicht mehr in den Zimmern, sondern an den Türen und selbstverständlich immer mit Clowns-Maske unterwegs. Aber wir sind noch da. Die Vorplanungen für die nächste King’s Men Tour 2022 laufen zur Zeit auf Hochtouren, da geht doch was.

Haben sie zum Abschluss ein Lieblingszitat von Shakespeare für die Leser?

Da muss ich gar nicht lange überlegen: Mein Lieblingszitat stammt aus unserem Pilotprojekt „Was ihr wollt“ von Shakespeare in der Bearbeitung von unserer niederländischen Regisseurin Silvia Andringa: „Sei, was du bist, dann bist du größer als was du fürchtest.“

Wobei die große Frage ist, wer bist du? Da bin ich dann beim Tai Chi, wo man sich aufrichten darf; dann kann man sehr viel aushalten.

Infos zu den Tourterminen des Ensembles von King’s Men gibt es auf der Internetseite (www.kingsmen-openair.com) des Theaters.

Über die Autorin
Redaktion Ahaus
Redaktion Ahaus
Zur Autorenseite
Anna-Lena Haget

Corona-Newsletter

Alle wichtigen Informationen, die Sie zum Leben in der Corona-Pandemie benötigen, sammeln wir für Sie im kostenlosen Corona-Newsletter. Jetzt abonnieren!

Informationen zur Datenverarbeitung im Rahmen des Newsletters finden Sie hier.