Maria Wübken-Pitakoudes zog bei Nacht und Nebel von Stadtlohn an den Bodensee

rnAbschied von Stadtlohn

Maria Wübken-Pitakoudes und ihr Mann führten die Gaststätten „Korfu“, „Zur Uhle“, und „Schaefers“ in Stadtlohn. Jetzt lebt sie am Bodensee. Am 24. Dezember feiert sie nicht nur Weihnachten.

Stadtlohn

, 24.12.2019, 12:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Am Bodensee ist sie angekommen. Seit 2011 hat Maria Wübken-Pitakoudes in Konstanz und Wallhausen ihren Lebensmittelpunkt gefunden. In Konstanz arbeitet sie, in Wallhausen wohnt sie. Ein langer Weg mit zahlreichen Abzweigungen, der sie vom Münsterland an den südlichsten Zipfel des Landes geführt hat.

Aber der Reihe nach: In Legden wächst sie zusammen mit drei Geschwistern in einer „ganz normalen Arbeiterfamilie“ auf, besucht hier Grund- und Hauptschule und macht eine Ausbildung zur Textilverkäuferin. An drei Lehrjahre (1979 bis 1982) in einem Stadtlohner Fachgeschäft schließen sich weitere berufliche Stationen im Münsterland an.

Ihr Ziel: Raus aus der Enge

Schon damals aber sei ihr klar gewesen, „dass ich hier raus muss“. Mit „hier“ ist die der jungen Maria Wübken sehr konservativ anmutende ländliche „Enge“ gemeint, die in ihr eine Sehnsucht nach der großen weiten Welt wachsen lässt. Die passende Gelegenheit zum Ausstieg bietet sich, als sie 1986 eine junge Frau kennenlernt, die sie für München begeistert. In der Isar-Metropole fasst sie beruflich Fuß in verschiedenen textilen Unternehmen, und privat findet sie ihr Glück, als sie ihren Mann kennenlernt: „Sakis“ (Athanasios) Pitakoudes, Elektriker und Hotelfachmann mit griechischen Wurzeln.

Als sich Nachwuchs ankündigt, Sohn Jannis wird 1991 geboren, entscheidet sich die junge Familie für einen Neustart in Stadtlohn. In der Gastronomie. Hier betreibt Maria Wübkens Schwester Margret die Gaststätte „Zur Uhle“. „Nebenbei haben Sakis und ich dort mitgeholfen“, erzählt sie. Hauptberuflich ist er als Elektriker im Einsatz. Das Ehepaar möchte aber sein eigenes Ding machen und eröffnet ein griechisches Restaurant (Korfu). Das führen sie achteinhalb Jahre lang.

Enorme Doppelbelastung zwischen Beruf und Familie

2002 bietet sich mit der Übernahme des „Restaurant Schaefers“ im alten Hülsta-Gebäude eine neue Chance für das Ehepaar. Gleichzeitig aber wachsen auch die Herausforderungen, zumal man parallel ab 2004 auch noch die „Uhle“ führt und zwischenzeitlich (1996) mit Nikos ein zweiter Sohn geboren wird. Nach intensiven Jahren, der enormen Doppelbelastung von Job und Familie, ist es soweit: „Ich war nah dran am Burnout und wusste, dass etwas passieren muss“, erinnnert sie sich an diese erneute Umbruchphase.

Und für Maria Wübken-Pitakoudes wird immer klarer, dass sie in ihren alten Beruf zurück will. Letztlich sind es alte Kontakte, die sie zum kompletten Abschied vom alten Leben und dem Münsterland bewegen. Dennoch hat sie Zweifel, ihre Familie zurückzulassen. „Geh, wir sehen doch, dass du hier nicht glücklich bist“, bestärken sie ihre Söhne Jannis, damals 20 und Nikos, 17 Jahre alt. Und Ehemann Sakis kauft sogar die Fahrkarte. 2011 wagt sie den Alleingang nach Konstanz: „Bei Nacht und Nebel bin ich mit dem Zug angekommen und musste mich erst einmal zurecht finden.“

Zwei Jahre Familienleben auf Distanz

Zwar klappt es auf Anhieb mit einer Festanstellung in einem großen Konstanzer Shoppingzentrum, privat aber folgen zwei harte Jahre, in denen die Familie ständig hin und her pendelt. Man sieht sich nur jedes Vierteljahr. Maria wohnt in einem Dorfgasthof in der Nähe von Konstanz, kellnert dort nebenbei und knüpft viele Kontakte. Wenn die Familie zu Besuch ist, macht sie Platz im Doppelzimmer. Wie die Familie Pitakoudes dieses Familienleben auf Distanz verkraftet hat? Maria Wübken-Pitakoudes: „Wir sind alle sehr stark.“

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Mittlerweile ist für die ganze Familie der Bodensee ihr Lebensmittelpunkt. Hier arbeitet Athanasios wieder in der Gastronomie, als Manager einer L’Osteria. Hier schätzen alle das Leben in einer Grenzstadt mit den vielen Nationalitäten, die Lebendigkeit und den See natürlich. Von der oft behaupteten Leichtigkeit des Südens spürt Maria Wübken-Pitakoudes allerdings wenig: „Die Menschen hier sind auch nicht weniger stur als im Münsterland, vielleicht sogar reservierter.“

Am Bodensee am Ziel

Und so schlimm konservativ, wie es ihr damals schien, empfindet sie die Münsterländer nicht mehr: „Konservativ bin ich auch, breche auch nicht ständig aus.“ Am Bodensee aber fühlt sie sich „geerdet“, auch wenn beruflich noch Wünsche offen bleiben, da sie in einer Edel-Boutique in der City von Konstanz zurzeit nur eine Teilzeitstelle hat. Außerdem stehen auch einige Punkte auf ihrer „Vermissten-Liste“: „Die spontanen Fahrradtouren ohne Hügel, meine Familie.“ So etwas wie das „Dorf Münsterland“ hätte sie auch gerne vor Ort. Das holt sie dann bei ihren regelmäßigen Besuchen im Münsterland nach.

Maria Wübken-Pitakoudes zog bei Nacht und Nebel von Stadtlohn an den Bodensee

Maria Wübken-Pitakoudes mit ihrer Familie in Griechenland © privat (Maria Wübken-Pitakoudes)

Beim Weihnachtsessen im Familienkreis spielt das Münsterland aber keine Rolle, dann zaubert der Hausherr in der Küche: „Vielleicht gefüllte Paprika, Hummer, Schweinefilet, gefüllt mit Schafskäse...“ Maria lässt sich überraschen. Schließlich feiert sie an Heiligabend auch ihren Geburtstag, den 58.

Dass sie am Ziel angekommen ist, ihr Glück gefunden hat, fasst sie so zusammen: „Es war meine beste Entscheidung. Ich liebe es, hier zu leben.“ Ihre Heimat aber ist nach wie vor das Münsterland: „Heimat ist für mich das, wo ich herkomme, wo meine Wurzeln sind.“

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