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Martin Calsow bietet Einblicke ins Krimi-Handwerk

Stadtlohner Lesereihe

Die Stadtlohner mögen's kriminell. Jedenfalls die Bücherleser. Das weiß Buchhändlerin Christel Hinnemann. Krimis stehen daher im Mittelpunkt der Reihe "Häppchen-Lesungen". Am Donnerstag, 28. April, gibt Autor Martin Calsow Einblicke ins Krimihandwerk. Redakteur Stefan Grothues sprach mit dem Schriftsteller, der, wie er selbst sagt, einer Polizisten-Dynastie entstammt.

Stadtlohn

, 21.04.2016 / Lesedauer: 3 min
Martin Calsow bietet Einblicke ins Krimi-Handwerk

Liest in Stadtlohn: Martin Calsow

Sie sind in der nächsten Woche zu Gast bei der Häppchenlesung. Welche Häppchen bieten Sie denn den Stadtlohner Krimifreunden an?

Ich bringe natürlich meine neueste Lektüre mit: "Quercher und das Seelenrasen". Das Buch ist erst vor wenigen Tagen veröffentlich worden. Quercher ermittelt in meiner neuen Heimat am Tegernsee - eine für Münsterländer mysteriös bayrische Gegend. Ich lese aber auch aus meiner Krimireihe Atlas. Die spielt am Rande des Münsterlandes, im Teutoburger Wald. Da bin ich ja aufgewachsen, in Bad Iburg.

Was für einer ist denn Ihr Ermittler Max Quercher?

Am Tegernsee treffen zwei Welten aufeinander: die dort geborenen Bayern und die oftmals reichen Zugezogenen. Quercher gehört zur ersten Gruppe. Und er ist ein kerniger Eigenbrötler am Rande des Vorruhestandes. Man lässt ihn aber nicht Ruhe. In "Seelenrasen" kommt eine dritte Gruppe hinzu: Flüchtlinge. Da gibt es natürlich Spannungen.

Sind die Menschen im Münsterland-Krimi anders?

Die Bayern sind redseliger, wie die Rheinländer. Die Münsterländer sind ja eher große Schweiger. Aber ich will keine putzigen Regionalkrimis schreiben. Mein Ziel ist es, dass die Krimis die gesellschaftliche Realität widerspiegeln. Manchmal düster, aber nicht zu düster, immer aber vielschichtig. Ich schreibe keine bloßen Mitrate-Krimis. Das wäre Zeitverschwendung.

Wie sind Sie eigentlich Krimiautor geworden?

Das lag nahe. Ich komme aus einer Polizistendynastie: mein Großvater, mein Vater, mein Bruder - alles Polizisten. Ich war Brillenträger. (lacht) Da musste ich notgedrungen Autor werden. Der Krimi bietet vielfältige Möglichkeiten, die Wirklichkeit darzustellen. Da eröffnen sich Abgründe, aber es gibt auch Raum für Ironie.

Ihr kriminalistisches Vorbild?

Ein Krimivorbild habe ich eigentlich gar nicht. Als Kind hat mich Melvilles "Moby Dick" fasziniert: so viele Geschichten in einem Buch. Dieser Roman hat mir ganz neue Welten eröffnet. Und er hat mich letztlich auch zum Schreiben gebracht.

Schauen Sie sich eigentlich Tatort & Co im Fernsehen an?

Es gibt leider wenige gelungene deutsche Fernsehkrimis. Da geht es zu oft um Gemeinschaftskunde oder regionale Klischees und zu wenig Experimentierfreude. Da überholt die Realität die Krimis oft. Aber es gibt wirklich gute amerikanische Krimiserien mit Tiefgang. True Detectives zum Beispiel.

Sie kommen ja aus der Fernsehbranche. Wird Quercher bald auch auf dem Bildschirm ermitteln?

Ja, er wurde bereits optioniert und wird ins Fernsehen kommen. Aber das ist für mich als Autor nicht die Krönung, eher eine nette Zugabe. Ich hab den Film ja schon beim Schreiben im Kopf.

Können die Sie diesen "Film" denn auch häppchenweise in der Lesung vermitteln?

Ja, es soll düster, witzig und spannend werden. Aber es bleibt ja nur ein Häppchen. Ich will auch nicht nur lesen, sondern auch über Hintergründe und Ausblicke sprechen. Und vor allem: Ich will auch was gefragt werden. Die Interaktion, das Gespräch, das ist eigentlich das Schönste an einer Lesung.

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