Michel Hülskemper stellt sein Buch vor: „Vater hat nie geschossen“ – oder etwa doch?

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Was haben die Väter im Krieg erlitten? Was haben sie getan? Und was haben sie verschwiegen? Michel Hülskemper hat in seiner Familie nachgeforscht. Jetzt stellt er sein Buch vor.

Stadtlohn

, 20.09.2019, 18:18 Uhr / Lesedauer: 2 min

„Vater hat geschossen“. So steht es schwarz auf weiß auf dem Buchumschlag. Doch dazwischen drängt sich weiß auf gelb ein schemenhaftes „nie“. Hat Vater nun geschossen? Oder hat Vater nie geschossen? Das Cover bleibt uneindeutig, sät Zweifel. Und das mit gutem Grund. Schließlich wurde diese Frage in deutschen Nachkriegsfamilien selten offen besprochen.

Lesung in Stadtlohn am 27. September

„Die Scham ist das Aschenputtel unter den Gefühlen.“ Dieses Zitat des Psychoanalytikers Leon Wurmser stellt der Autor Michel Hülskemper seinem neuen Buch „Vater hat nie geschossen“ voran. Am Freitag, 27. September, liest der 62-jährige Gescheraner aus der episodenhaften Familienchronik vor. Zur Autorenlesung auf dem Künstler-Hof von Anne und Ferdi Schreiber in der Stadtlohner Bauerschaft Almsick sind alle Interessierten eingeladen.

„Unsere Soldatenväter hatten ein Gewehr in der Hand“

„Unsere Väter und Großväter haben als Soldaten der deutschen Wehrmacht

vieles erlitten“, sagt Michel Hülskemper. „,Zum Glück‘, so haben sie uns Kindern hinterlassen, ‚zum Glück musste ich nie auf einen anderen Menschen schießen‘.“ Trotzdem bleiben Fragen, sagt Michel Hülskemper: „Unsere Soldatenväter hatten ein Gewehr in der Hand. Sie brachten Kanonen in Stellung, gehorchten den Befehlen oder führten selbst das Kommando. Sie mussten vieles erleiden. Doch sie waren nicht nur das Opfer.“

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Michel Hülskemper hat nachgeforscht. Sein Vater und dessen vier Brüder mussten in den Krieg ziehen. Alle haben den Krieg überlebt. Äußerlich unverletzt. Doch wie sah es in ihnen aus? „Warum weiß ich so wenig über meinen Vater? Warum hat er so wenig aus dieser Zeit erzählt?“ Und wie war das damals, als „Lieblingsonkel Adi“ bei Krupp immer größere Kanonen entwickelte? Michel Hülskemper hat in seiner eigenen Familie nachgefragt, viele Gespräche geführt. „Nicht alle sagen alles“, hat er dabei festgestellt. Und manche warten bis zum Tod, bevor sie ihre düsteren Erinnerungen preisgeben.

„Man schwebte über allem“

In seinem fast 300-seitigen Buch nähert er sich seinem Vater und seinen Onkels aus ganz unterschiedlichen Perspektiven: als Nachgeborener, in nachempfundenen Dialogen und durch ein Nachfühlen in der Zeit. Wie fühlt sich ein Hitlerjunge, der beim Segelfliegen starten darf und der später den Sprung in die Luftwaffe schaffte? „Man schwebte über allem“, so zitiert Michel Hülskemper seinen Vater. Und auf das Schweben folgte die Scham, Teil des nationalsozialistischen Vernichtungskriegs gewesen zu sein.

Einzigartig und typisch

„Jede einzelne Lebensgeschichte in meiner Familie ist einmalig, und doch typisch für das, was viele Menschen erlebten“, sagt Michel Hülskemper. Menschen, die zwar keine überzeugten Nationalsozialisten waren und dennoch in einem verbrechererischen System verstrickt und gleichzeitig Leidtragende waren. Michel Hülskemper nähert sich ihnen nicht mit Vorhaltungen, sondern mit Fragen. Und mit literarischen Kniffen in 13 Episoden aus der Gegenwart und der Vergangenheit: spielerisch, nachdenklich, ernst, gelegentlich flapsig, faktenreich – und immer wieder berührend.

Tante Else und Galens Predigten

Und Tante Else kommt auch drin vor. Sie war Mitglied in der NSDAP, aus beruflichen Gründen. Das hinderte sie nicht daran, heimlich die Predigten des Bischofs von Galen zu verbreiten. Bei einem Familientreffen stellte Michael Hülskemper die Ergebnisse seiner Recherchen vor, bevor er das Buch veröffentlichte. Eine Cousine sagte aufatmend: „Ein Glück, dass es Tante Else gab.“

Autorenlesung und Infos zum Buch

  • Die Autorenlesung findet am Freitag, 27. September, um 20 Uhr auf dem Atelier-Hof von Anne und Ferdi Schreiber, Almsick 23, in Stadtlohn statt. Der Eintritt ist frei. Um Anmeldung wird gebeten unter Tel. (02563) 7464
  • Das Buch ist im August 2019 erschienen und in jeder Buchhandlung erhältlich: Michel Hülskemper: Vater hat nie geschossen, Verlag BoD, 296 Seiten, Paperback, ISBN: 9 7837 4816 3275; Preis: 12 Euro.
  • Als e-Book kann das Buch direkt beim Verlag BoD, ISBN 978374941657 zum Preis von 6,99 Euro bestellt werden.
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