Ministeramt – „Jens Spahn kann das“

Politiker trifft die CDU Basis in seinem Heimatkreis

Wird Jens Spahn Minister in einer Großen Koalition? Diese Frage stellen sich gerade viele Mitglieder des CDU-Kreisverbandes. Gestern, in Stadtlohn, hat ihn aber niemand direkt danach gefragt.

Stadtlohn

, 25.02.2018, 18:29 Uhr / Lesedauer: 2 min
Rund 200 CDU-Mitglieder aus dem Kreis sprachen mit dem CDU-Präsidiumsmitglied und heimischen Bundestagsabgeordneten Jens Spahn über die Große Koalition. Foto: Bernd Schlusemann

Rund 200 CDU-Mitglieder aus dem Kreis sprachen mit dem CDU-Präsidiumsmitglied und heimischen Bundestagsabgeordneten Jens Spahn über die Große Koalition. Foto: Bernd Schlusemann

Der Finanz-Staatssekretär, einer der „jungen Wilden“ in der CDU, hatte am Freitagabend in seinem Heimatkreis zur Diskussion eingeladen. Vor dem CDU-Parteitag am Montag in Berlin wollte der 37-Jährige wissen, was die Basis über die geplante Große Koalition denkt. „Wohin gehst Du Deutschland?“, hieß es in der Fragerunde. Die fand nicht bei Rols oder Räckers in seinem Heimatdorf statt. Das Treffen bei Döbbelt am Breul wurde aber trotzdem zum echten Heimspiel für den prominenten Politiker aus Ottenstein.

Um 17 Uhr ist CDU-Kreisgeschäftsführer Markus Jasper mit einem Kamerateam noch allein im Saal. Rund 80 Plätze sind eingedeckt, in der Küche werden Schnittchenplatten gemacht. Jasper ist noch unsicher, ob tatsächlich so viele kommen. Eine halbe Stunde später fängt er an, Stühle in den Saal zu schleppen. 200 CDU-Mitglieder zählt er um kurz nach 18 Uhr im Saal.

Hände schütteln

Da gibt Jens Spahn dem WDR nebenan ein Interview. Ein paar Minuten später betritt der oft als Hoffnungsträger der CDU bezeichnete Abgeordnete den Saal, schüttelt ein paar Hände und geht zum Podiumstisch. Sekunden später hat er ein Mikrofon in der Hand. Der rhetorisch überzeugende und Talkshow erprobte Redner ist in seinem Element, streift fast alle Politik-Bereiche, nimmt kein Blatt vor den Mund, fragt zwischendurch: „Wer hat die 177 Seiten des Koalitionsvertrages gelesen?“ Keiner im Saal hebt die Hand. Der Koalitionsvertrag sei „kein furioses Feuerwerk an Innovationen“, räumt er ein, aber eine „solide Basis“.

Er spricht über Europa, mehr gemeinsame Verteidigung, Rente, Bürgerversicherung, Polizei und Kriminalität. Auch über Asylbewerber und die Grenzen der Belastung bei ihrer Integration.

Konservatives Profil

Jens Spahn zeichnet sein bekanntes, konservatives Profil. Seine offene und ehrliche Art kommt bei den Parteimitgliedern an. Die stellen zwei Stunden Fragen. Und Jens Spahn antwortet, ohne auch nur einmal lange nachdenken zu müssen. Er ist fit in den Themen, kann geschickt argumentieren und schafft es problemlos, auch einen kritische Nachfrager beim Thema Bildungspolitik für sich zu gewinnen.

Apropos Bildungspolitik. Beim politischen Aschermittwoch im thüringischen Apolda hat Spahn die Bildung zum Zukunftsthema ausgerufen. Seither wird es für möglich gehalten, dass der Kreisvorsitzende der CDU von der Kanzlerin zum Chef des Bildungs- und Forschungsministeriums gemacht wird. Die Kanzlerin steht unter Druck, Rufe nach Verjüngung werden in der Partei laut.

„Verjüngung ist angebracht“

Dass Jens Spahn ein Ministeramt übernehmen kann, davon sind viele im Saal überzeugt. „Verjüngung ist wohl mal angebracht“, sagt Heinrich Böing, Vorsitzender der Stadtlohner Seniorenunion, in Richtung Kanzlerin. „Jens Spahn kann das“, meint er zum Ministerposten. „Ich bin davon überzeugt“, ergänzt Thea Tenbrink, ebenfalls aus Stadtlohn. Und: „Er hat uns noch nie enttäuscht“. Etwas vorsichtig ist Rudolf Nitsche aus Bocholt: „Man sollte ihm die Möglichkeit einräumen, aber in einem Ressort, in dem er als junger Mann nicht viel kaputt machen kann.“ Tobias Sicking aus Südlohn hofft, dass Angela Merkel den Ottensteiner zum Minister macht: „Er zeigt für mich ein politisches Profil, das die CDU vermissen lässt.“

Vermutlich am Sonntag gibt die Kanzlerin die CDU-Ministerriege bekannt. In der Versammlung wünschte Landrat Kai Zwicker ihr dafür „viel Erkenntnis und Weitsicht“. „Es ist wichtig, dass du in Verantwortung kommst“, meinte er auf ein mögliches Ministeramt für Jens Spahn gemünzt. Applaus aus 200 Händepaaren.

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