Kontrollierte Sprengung: Fast 15 Meter hoch wurde die Sandfontäne geschleudert, als die Granate auf eiem freien Feld am Uferweg gezündet wurde. © Klaus Panning
Kampfmittel

Mit Video: Granatenfund in der Berkel: Explosion schleudert Sandfontäne 15 Meter hoch

Gefährlicher Zufallsfund: Eine Panzerfaust-Granate aus dem 2. Weltkrieg entdeckte ein Baggerfahrer in seiner Schaufel. Eine Entschärfung kam nicht in Frage. Die Granate musste gesprengt werden.

Seit Monaten suchen Kampfmittelsondierer in der Berkel mit hochempfindlichen Detektoren nach Blindgängern aus dem 2. Weltkrieg. Am Dienstagmorgen haben sie nicht gesucht. Aber ausgerechnet da sind sie fündig geworden. Dabei hatte der Baggerfahrer Glück, dass nichts Schlimmeres passiert ist. Eine kontrollierte Sprengung beseitigte die Gefahr.

Er war gegen 10.15 Uhr dabei, das Arbeitsfeld in der Berkel für neue Sondierungen vorzubereiten. Dazu musste er unterhalb des Berkelwehrs eine kleine Insel im Flussbett anhäufen. „Da haben wir die Granate in der Schippe entdeckt“, berichtet Klaus Panning, der als Truppführer eines privaten Unternehmens die Kampfmittelsuche in Stadtlohn leitet. Ein Zufallsfund.

Kampfmittelsondierer Klaus Panning und seine Kollegen hatten die Granate am Dienstagmorgen in der Baggerschaufel entdeckt. Die Baggerarbeiten in der Berkel wurden unmittelbar nach der kontrollierten Sprengung fortgesetzt.
Kampfmittelsondierer Klaus Panning und seine Kollegen hatten die Granate am Dienstagmorgen in der Baggerschaufel entdeckt. Die Baggerarbeiten in der Berkel wurden unmittelbar nach der kontrollierten Sprengung fortgesetzt. © Stefan Grothues © Stefan Grothues

Klaus Panning hatte in seinem Berufsleben noch nie mit diesem Typ Granate zu tun. Aber er wusste sofort, dass es ernst ist. Er verständigte umgehend das Stadtlohner Ordnungsamt und den Kampfmittelräumdienst der Bezirksregierung Arnsberg.

Kampfmittelbeseitiger Horst Schöwe machte sich gleich auf den Weg. Schon auf der Fahrt nach Stadtlohn inspizierte er die Fotos, die ihm das Ordnungsamt vom Fundstück geschickt hatte. „Es handelt sich um eine Granate aus der 8,8-Zentimeter-Raketenpanzerbüchse – sprich Panzerfaust“, erklärt der Experte später im Gespräch mit der Redaktion.

Die Granate vor der Sprengung
Die Granate vor der Sprengung © Stadt Stadtlohn © Stadt Stadtlohn

Die Granate war etwa zwei Kilogramm schwer, maß im Durchmesser 9 Zentimeter und war 30 Zentimeter lang. Sie enthielt 600 Gramm Sprengstoff. „Damit war die Granate in der Lage, mit einem Plasma-Stachel eine Panzerung zu brechen“, so Horst Schöwe. Mit anderen Worten: Im schlimmsten Fall wäre auch der Fahrer des Spezialbaggers trotz Panzerglas in großer Gefahr gewesen.

Kampfmittelbeseitiger: Entschärfung war nicht möglich

Horst Schöwe wusste gleich: „Entschärfen kann man diese Granaten nicht.“ Aber er hatte die Hoffnung, dass der Sicherungsstift noch in der Granate steckt. „Dann hätten wir sie risikolos abtransportieren können.“ Doch als Schöwe die Granate vor Ort genauer untersuchte, stellte er schnell fest, dass diese Option nicht in Frage kam.

Kampfmittelbeseitiger Horst Schöwe entschied sich für eine
Kampfmittelbeseitiger Horst Schöwe entschied sich für eine „Vernichtung der Granate durch Sprengung“. © Markus Gehring © Markus Gehring

Nach über 75 Jahren in der Berkel war der Sprengkörper „fest von Steinen und Sand umbacken“, wie Schöwe sagt. Ein Sicherungsstift war nicht zu sehen. Darum entschloss sich der Kampfmittelbeseitiger für eine „Vernichtung durch eine kontrollierte Sprengung“.

Granate mit Plastiksprengstoff umhüllt

Mit bloßen Händen wurde der Sprengkörper 100 Meter weiter auf ein freies Feld transportiert und dort in eine 75 Zentimeter tiefe Grube abgelegt. Horst Schöwe umhüllte den Sprengkörper mit 200 Gramm Plastiksprengstoff. Dann wurde die Grube mit Sand verfüllt. Um 13.10 Uhr zündete Horst Schöwe den Sprengstoff mit einem elektrischen Zünder.

Die Sprenggrube nach der Explosion
Die Sprenggrube nach der Explosion © Markus Gehring © Markus Gehring

Die Wirkung des Sprengstoffs war beachtlich: Fast 15 Meter hoch reichte die Sandfontäne. Einen lauten Knall aber gab es bei der Explosion nicht. „Es war ein dumpfer Schlag“, berichtet Ordnungsamtsleiter Thomas Gausling, der die Sprengung aus sicherer Entfernung beobachtet hatte.

Bagger schaufelt schon wieder in der Berkel

„Passanten hätten die Explosion auch für Baulärm halten können“, so Thomas Gausling. Die Uferstraße, die dort ohnehin für Pkw nicht passierbar ist, war zuvor auch für Radfahrer und Fußgänger gesperrt worden. Der Ordnungsamtsleiter zeigte sich nach der Sprengung erfreut darüber, dass der explosive Fund „sauber und sicher abgearbeitet“ werden konnte.

Schon eine halbe Stunde nach der Sprengung senkte sich die Baggerschaufel bereits wieder in die Fluten der Berkel. Die Arbeiten gehen weiter. Ob ihm der Schrecken nach diesem Zufallsfund nicht noch in den Gliedern stecke? Diese Frage beantwortet Kampfmittelsondierer Klaus Panning energisch und ohne zu überlegen. „Nein! Dann hätte ich den falschen Beruf. Angst und Schrecken haben bei uns nichts zu suchen. Wohl aber Respekt. Den haben wir immer.“

Kampfmittelbeseitiger Horst Schöwe zeigt am Bildschirm den schematischen Aufbau der Granate.
Kampfmittelbeseitiger Horst Schöwe zeigt am Bildschirm den schematischen Aufbau der Granate. © Stefan Grothues © Stefan Grothues
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