Anne Kremer mit Vicky und Markus Kremer mit Fiete stehen jetzt als geprüfte Mensch-Hunde-Teams für Rettungseinsätze bereit. © Stefan Grothues
Rettungshunde

Mit Video: Rettungshunde Vicky und Fiete setzten ihre Spürnasen ein

Fiete und Vicky sind Retter aus Spaß. Mit den Kremers aus Stadtlohn haben die beiden Labradore die Rettungshundeprüfung bestanden. Jetzt sind die Mensch-Hunde-Teams einsatzbereit. Ernsthaft.

Fiete und Vicky mögen Menschen. Wie sehr, das zeigen sie dem Besucher gerne mit einer stürmischen Begrüßung. Dann wirken die beiden „Labbis“ verspielt und etwas tapsig. Doch die beiden Labradore sind ernsthafte Menschenretter. Mit feiner Nase. Mit großer Ausdauer. Und mit Diplom.

Der sieben Jahre alte Fiete rettet Menschen in Teamarbeit mit Markus Kremer (43), die vierjährige Vicky zusammen mit Anne Kremer (46). Das Stadtlohner Ehepaar ist 2014 „auf den Hund“ gekommen.

„Wir wussten damals nicht, was daraus alles werden würde“, sagt Markus Kremer und lacht. Seit September stehen die beiden zusammen mit Fiete und Vicky als geprüfte Mensch-Hunde-Teams für Einsätze mit der Rettungshundestaffel Münsterland bereit.

Ehrenamtliche Suche mit Spürnase

So zum Beispiel am vergangenen späten Samstagabend, als das DRK in Greven die Rettungshundestaffel alarmierte. Eine 83-jährige Pilzsammlerin war nicht heimgekehrt und wurde in einem Waldstück gesucht. Die Kremers waren mit ihren Hunden zur Stelle. „Unsere Staffel war mit fünf Hunden beteiligt“, berichtet Markus Kremer. Die Suche hatte ein Happy End: Suchtrupps fanden die Seniorin um 2 Uhr nachts unversehrt auf einem Hochsitz.

In der Nach von Samstag auf Sonntag hat sich die Rettungshundestaffel Münsterland in Greven an der Suche nach einer vermissten 83-jährigen Pilzsammlerin beteiligt. Anne und Markus Kremer haben die Suche mit Vicky und Fiete unterstützt.
In der Nach von Samstag auf Sonntag hat sich die Rettungshundestaffel Münsterland in Greven an der Suche nach einer vermissten 83-jährigen Pilzsammlerin beteiligt. Anne und Markus Kremer haben die Suche mit Vicky und Fiete unterstützt. © Kreispolizei Steinfurt © Kreispolizei Steinfurt

Jedes Jahr werden bundesweit mehrere tausend Personen als vermisst gemeldet, oftmals ältere Menschen, aber auch Kinder und Kranke. „Für solche Fälle sind wir an 365 Tagen im Jahr rund um die Uhr einsatzbereit“, sagt Markus Kremer. Mit „wir“ meint er die BRH Rettungshundestaffel Münsterland mit Sitz in Coesfeld, die seit 1983 dem „Bundesverband Rettungshunde e.V.“ angehört.

In der Rettungshundestaffel Münsterland stehen 19 aktive Mitglieder und 10 geprüfte Hunde für die ehrenamtliche Suche nach vermissten Personen bereit. Dazu zählen jetzt auch Fiete und Vicky. Die Hunde der Staffelmitglieder sind neben ihrem Beruf als Rettungshund Familienmitglieder wie jeder andere Hund.

Wenn Markus und Anne König ihre Dienstkleidung anziehen, dann ist die Freude bei Fiete und Vicky groß, ganz gleich, ob sie im Training oder im Ernstfall gefordert werden.
Wenn Markus und Anne König ihre Dienstkleidung anziehen, dann ist die Freude bei Fiete und Vicky groß, ganz gleich, ob sie im Training oder im Ernstfall gefordert werden. © privat © privat

Bei den Kremers hat alles mit Fiete angefangen. „Als Kind hatte ich nie einen Hund, weil meine Mutter Angst vor Hunden hatte“, erzählt Anne Kremer. Und auch ihr Mann Markus war vor sieben Jahren noch ein Hundeneuling.

„Der Wunsch nach einem Hund war zwar schon länger da“, sagt der 43-Jährige, der als Technischer Angestellter arbeitet. „Weil wir beide aber berufstätig sind, kam das nie wirklich in Frage.“ Jedenfalls nicht bis Anne Kremer als Kaufmännische Angestellte ins Homeoffice wechselte.

Fiete will gefordert werden

Schon kurze Zeit später zog Welpe Fiete bei den Kremers ein. Und krempelte ihr Leben um. Fiete wollte an die frische Luft. Fiete wollte Bewegung. Fiete wollte was lernen.

Und die Kremers hatten ihre helle Freude an dem neuen Freizeitmotor. Ausgedehnte Spaziergänge bei Wind und Wetter, Hundeschule und Spiele im Garten – Fiete wollte immerzu Aktivität und Abwechslung.

„So sind wir 2015 auch zum Hundeschwimmen im Ahauser Freibad gekommen“, sagt Markus Kremer. Der Wasserspaß war für Fiete nicht ganz so groß. „Obwohl er Labrador ist, ist er ein bisschen wasserscheu“, sagt sein Herrchen.

Bei dem Aktionstag informierte die DLRG auch über Wasserortung mit Hunden. „Die Hunde sind spezialisiert auf den Leichengeruch. Sie können vom Boot aus Ertrunkene in bis zu 50 Meter Tiefe aufspüren“, erklärt Markus Kremer.

„Für den Hund ist das Ganze ein großes Spiel“

Das war Fietes Einstieg in die Arbeitshundewelt. „Labradore sind extrem arbeitsfreudig“, sagt Anne Kremer. Die Betonung aber liegt auf „freudig“, sagt das Ehepaar.

Denn bei allem ernsten Hintergrund geht es für die Hunde nur um den Spaß an der Sache. „Für den Hund ist das Ganze ein großes Spiel, ganz gleich ob es sich um ein Training oder einen Ernstfall handelt“, sagt Markus Kremer.

Für die Rettungshundeausbildung wechselte das Stadtlohner Ehepaar zur Rettungshundestaffel Münsterland. Anders als bei der Wasserortung gilt es bei der Flächensuche, lebende Menschen aufzuspüren: zum Beispiel Kinder, die sich verlaufen haben und hilflos sind. Oder Demenzkranke, die die Orientierung verloren haben.

Suche mit Glöckchen, aber ohne Leine

Dabei suchen die Rettungshunde selbstständig und ohne Leine Wälder, Felder oder auch Gebäude nach Menschen ab. Ein Glöckchen zeigt dem Hundeführer an, wo sich die Spürnase gerade befindet. Wird der Rettungshund fündig, bellt er so lange, bis er von seinem Menschen eine Belohnung bekommt.

Ein Rettungsteam besteht immer aus einem Menschen und einem Hund. „Das sind feste Teams, die aufeinander abgestimmt sind. Ich kann also nicht einfach mit Fiete zum Rettungseinsatz. Der bildet mit Markus ein Team“, erklärt Anne Kremer.

Weil sie und ihr Mann das Hobby aber gemeinsam ausüben wollten, blieb nur eines: Ein zweiter Hund musste her. Darum gehört seit vier Jahren auch Vicky zur Familie Kremer.

Kynologie, Kompass- und Kartenkunde

Bei der mehr als zwei Jahre langen Ausbildung mussten Fiete und Vicky gelehrig sein, wenn es um Nasenarbeit, Gehorsam, Geländegängigkeit und systematische Suche ging. Dabei zeigten die ungestüme Vicky und der bedächtigere Fiete durchaus unterschiedliche Suchansätze.

Aber auch die Kremers waren gefordert: Erste Hilfe für Mensch und Hund, Kynologie (Hundekunde), Orientierung mit Karte und Kompass und Einsatztaktik standen wöchentlich auf dem Stundenplan. Jetzt stehen die Kremers und ihre Hunde für Sucheinsätze bereit. Im Durchschnitt einmal im Monat ist die Coesfelder Rettungshundestaffel im westlichen Münsterland im Einsatz.

Auch ein Rettungshund ist mal müde. Ihren Feierabend genießen Vicky und Fiete gerne im Kuschelzelt.
Auch ein Rettungshund ist mal müde. Ihren Feierabend genießen Vicky und Fiete gerne im Kuschelzelt. © Stefan Grothues © Stefan Grothues

Und das immer ehrenamtlich. Der Verein ist auf Spenden angewiesen. In die Ausbildung, Dienstkleidung und die Ausstattung ihres Einsatzkoffers haben die Kremers aus eigenen Mitteln nicht wenig investiert. Das haben sie aber gerne getan.

„Die Aufgabe ist sinnvoll und es macht uns einfach Spaß“, sagt Anne Kremer. „Das können wir jedem Hundebesitzer nur empfehlen.“

Für Fiete und Vicky jedenfalls ist es immer der schönste Tag der Woche, wenn es zum Training geht. Wenn die Kremers in ihre signalrote Einsatzkleidung schlüpfen, dann beginnt das große Spiel, das Leben retten kann.

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Stefan Grothues