Das Krankenhaus Maria-Hilf in Stadtlohn schließt. © Markus Gehring
Krankenhausschließung

Mit Videos: Große Veränderungen für Patienten und Krankenhausmitarbeiter

Die Krankenhäuser in Stadtlohn und Vreden werden bis zum Jahr 2025 geschlossen. Das Krankenhaus in Ahaus wird erweitert. Investiert wird überall, insgesamt über 90 Millionen Euro.

Auf Patienten und Krankenhausmitarbeiter in Stadtlohn, Vreden und Ahaus kommen große Veränderungen zu. Nach mehr als 150 Jahren werden die Krankenhäuser in Stadtlohn und Vreden geschlossen. Das hat das Klinikum Westmünsterland, zu dem die beiden Krankenhäuser gehören, am Donnerstagmorgen auf Personalversammlungen in Stadtlohn und Vreden sowie an allen anderen Klinikstandorten mitgeteilt.

Tragen den Schritt der Zentralisierung im Klinikum Westmünsterland gemeinsam (von links): Geschäftsführer Holger Winter, der Stadtlohner Kuratoriumsvorsitzende Helmut Könning, Ludger Hellmann als Sprecher der Geschäftsführung, der Aufsichtsratsvorsitzender Dr. Frank Bierbaum und Pfarrer Christoph Teberath.
Tragen den Schritt der Zentralisierung im Klinikum Westmünsterland gemeinsam (von links): Geschäftsführer Holger Winter, der Stadtlohner Kuratoriumsvorsitzende Helmut Könning, Ludger Hellmann als Sprecher der Geschäftsführung, der Aufsichtsratsvorsitzender Dr. Frank Bierbaum und Pfarrer Christoph Teberath. © Stefan Grothues © Stefan Grothues

Der Schließungsprozess soll in Stadtlohn in den Jahren 2022 bis 2024 stattfinden, in Vreden in den Jahren 2023 bis 2025. Das Ahauser Krankenhaus übernimmt etliche Abteilungen aus Stadtlohn und Vreden und wird erheblich erweitert. Die Zahl der Krankenhausbetten in Ahaus wird von 280 auf 415 aufgestockt.

Ziel: Maximal 20 Minuten bis zum Krankenhaus

„Die Krankenhäuser werden also eigentlich nicht geschlossen, sondern verlegt“, erklärte Ludger Hellmann, Sprecher der Klinikum-Geschäftsführung. Für die demnächst ehemaligen Krankenhausstandorte in Stadtlohn und Vreden gebe es zudem neue, zukunftsträchtige Konzepte und konkrete Planungen, betonte Ludger Hellmann am Donnerstagnachmittag auf einer Pressekonferenz.

Geschäftsführer Holger Winter betonte, dass auch nach der Zentralisierung der Krankenhäuser an den Standorten Ahaus, Bocholt und Borken das erklärte Versorgungsziel des Landes erreicht werde. „Danach sollen 90 Prozent der Menschen innerhalb von 20 Minuten ein Akut-Krankenhaus erreichen können. Wir erreichen dieses Ziel im Kreis Borken.

Kündigungen sind nicht geplant

Die über 500 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Krankenhäuser in Stadtlohn (350) und Vreden (165) müssen nach Angaben von Geschäftsführer Holger Winter nicht um ihren Arbeitsplatz fürchten.

Dennoch, so erklärte Ludger Hellmann, sei auf den Personalversammlungen in Vreden und Stadtlohn, „das eine oder andere Tränchen geflossen“. Hellmann: „Es herrschte große Betroffenheit, es gab gute Nachfragen und nachdem wir unsere Gründe und Konzepte erläutert hatten, gab es an allen Standorten Applaus.“

Holger Winter betont: „Unser Ziel ist es, diese alternativlosen Umstrukturierungen so zu gestalten, dass sie auch für unsere Mitarbeitenden tragbar und zukunftsfähig sind. Bei einigen wird sich der Arbeitsort verändern, bei anderen vielleicht der Einsatzbereich. Niemand muss aber Angst davor haben, dass wir ihn nicht mehr brauchen.“

Investitionen für 77 Millionen Euro geplant

Die Umstrukturierung ist mit riesigen Investitionen verbunden. Das Klinikum Westmünsterland erwartet 62 Millionen Euro Fördermittel von Bund und Land. Vom Krankenhausträger kommen für den Krankenhausbereich mindestens weitere 15 Millionen Euro dazu. Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann habe das Investitionsvolumen als „beispiellos in NRW“ bezeichnet, so Ludger Hellmann. Hellmann selbst sprach von einem „großen Wurf“.

Auf einer Pressekonferenz stellte die Geschäftsleitung die Zentralisierung als „großen Wurf“ vor. Von links: Ludger Hellmann, Aufsichtsratsvorsitzender Dr. Frank Bierbaum und Holger Winter. © Stefan Grothues © Stefan Grothues

Der Erhalt der Fördermittel ist nach seinen Angaben an die Umsetzung eines „ambitionierten und im Sinne der Landeskrankenhausplanung NRW zukunftsfähigen akutmedizinischen Versorgungskonzeptes“ geknüpft. In die Nachnutzungskonzepte für die Krankenhausstandorte in Stadtlohn und Vreden fließen zusätzlich noch mehr als 16 Millionen Euro.

Das Krankenhaus in Ahaus soll wegen der Umstrukturierung deutlich erweitert werden.
Das Krankenhaus in Ahaus soll wegen der Umstrukturierung deutlich erweitert werden. © Klinikum Westmünsterland © Klinikum Westmünsterland

Die Krankenhausschließungen und die Bündelung medizinischer Kompetenzen an den verbleibenden drei Krankenhausstandorten in Ahaus, Bocholt und Borken sichert nach Angaben von Ludger Hellmann die medizinische Versorgung „vor Ort langfristig auf hohem Niveau“. Die Förderung durch Bund und Land bezeichnete Ludger Hellmann als „einmalige Chance für den Klinikträger wie für alle Bürgerinnen und Bürger“.

Und das ist konkret geplant:

  • Die Innere Medizin Stadtlohn mit den Spezialisierungen Diabetologie und Kardiologie wird auf Ahaus konzentriert.
  • Der in Stadtlohn vorhandene Linksherzkathetermessplatz (LHKM) wird nach Ahaus verlegt. Mit dem dort ebenfalls vorhandenen LHKM entsteht eine jederzeit einsatzbereite interventionelle Kardiologie für den Nordkreis Borken.
  • Die Allgemein- und Unfallchirurgie aus Stadtlohn und Ahaus wird auf Ahaus konzentriert und sichert nach Klinikum-Angaben das Traumazentrum.
  • Die Geriatrie sowie die Rheumatologie aus Vreden werden in Ahaus konzentriert.
  • Die bisher in Stadtlohn vorgehaltene Pneumologie (Lungenheilkunde) wird nach Bocholt in das St. Agnes-Hospital verlagert.
  • Die Wirbelsäulenchirurgie aus Stadtlohn wird im muskuloskelettalen Zentrum des St. Marien-Hospitals Borken konzentriert.
  • Die Geburts- und Frauenklinik Borken wird nach Bocholt verlegt.
  • Die in Borken freiwerdenden Ressourcen werden zur notwendigen Erweiterung des Versorgungsangebotes der Neurologie und Geriatrie sowie zum Aufbau einer neurologischen Frührehabilitation benötigt.

An den Krankenhausstandorten in Stadtlohn und Vreden sind Projekte und Nachnutzungen geplant, um die Gebäude sinnvoll nutzen zu können. In Stadtlohn sind ambulante medizinische Versorgungsangebote und die Errichtung eines Pflegezentrums geplant. Investitionsvolumen: 8,5 Millionen Euro. Außerdem soll hier als Modellprojekt ein Telemedizinisches Kompetenz- und Versorgungszentrum angesiedelt werden. Hierfür stehen 1,5 Millionen Euro bereit.

In Vreden wird der Bereich der Rehabilitation für orthopädische und rheumatologische Patienten weiter ausgebaut. Hier sollen sieben Millionen Euro investiert werden.

Das Stadtlohner Krankenhaus Maria-Hilf und das Vredener St.-Marien-Hospital sind bislang ein Teil des gemeinsamen Plankrankenhauses St.-Marien-Krankenhaus Ahaus-Stadtlohn-Vreden. Insgesamt verfügt das Haus über 538 Planbetten. Fast 1800 Mitarbeiter versorgten im St.-Marien-Krankenhaus Ahaus-Stadtlohn-Vreden jährlich rund 23.000 stationäre Patienten.

„Schmerzhafter, aber notwendiger Einschnitt“

Helmut Könning, der Kuratoriumsvorsitzende der Stiftung Maria-Hilf Stadtlohn, sprach von einem „schmerzhaften Einschnitt für die Stadtlohnerinnen und Stadtlohner.“ Aber der Schritt sei unumgänglich, weil das Stadtlohner Krankenhaus zu klein sei, um wirtschaftlich betrieben werden zu können. „Das haben wir in den letzten drei Jahren gesehen und das zeichnet sich auch für dieses Jahr ab. Wenn wir jetzt nicht handeln, dann wandern bald alle Behandlungen in die Metropolen ab. Das wollen wir ja auch nicht.“

Christoph Theberath, Leitender Pfarrer der Kirchengemeinde St. Georg Vreden, sprach von einer wirklich guten Perspektive für die Stadt Vreden und das gesamte Westmünsterland“. Theberath: Wir sollten den Schritt nicht als Bedrohung sehen, sondern als große Chance. Das ist eine gute und bedachte Entscheidung. Wir wollen verändern, statt nur verändert zu werden.“

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Stefan Grothues