Ein Experte der Auffangstation in Witten hat den Serval schließlich eingefangen. © Stefan Grothues
Serval im Garten

Mit Videos: Serval (Raubkatze) hält Einsatzkräfte drei Stunden in Schach

Das Tier sah aus wie ein Leopard, doch es war ein Serval, der sich in einen Stadtlohner Garten verirrt hatte. Zwischendurch stand ein Abschuss des Tiers im Raum.

Das war ein ungewöhnlicher Notruf, der am Mittwochnachmittag in der Leitstelle der Kreispolizeibehörde Borken einging: „Hier ist ein Leopard im Garten“, sagte Heinz Segbers am Telefon. Es war kein Leopard, der sich in seinen Garten verirrt hatte, sondern ein Serval. Die Raubkatze hielt Polizei, Ordnungsamt, Feuerwehr, Tierarzt und Gartenbesitzer mehr als drei Stunden lang in Schach.

Ein Serval ist in einem Stadtlohner Garten aufgetaucht.
Ein Serval ist in einem Stadtlohner Garten aufgetaucht. © Polizei Borken © Polizei Borken

Heinz Segbers wohnt am Heggenpatt und war gerade in seinem Wintergarten, als er die Raubkatze vor dem Fenster stehen sah. „Sie ist dann durch den Garten gelaufen, versuchte einmal auf den Apfelbaum zu klettern und dann ist sie rübergelaufen zum Nachbarn“, erzählte er.

Die Polizei rückte nach seinem Notruf direkt aus und fand die Wildkatze im Garten von Monika Pohlig-Schmitt an der Finkenstiege. Auch für die Beamten sah das Tier im ersten Moment tatsächlich nach einem Leoparden aus, aber als die Wildkatze ihre Ohren aufstellte, war klar, dass es sich um einen Serval handelt.

Serval bleib drei Stunden lang in seinem Versteck

Fauchend zog das exotische Tier durch den Garten und versteckte sich schließlich am Rand des Grundstücks zwischen Büschen und Blumen. „Das Tier wirkt eher scheu“, sagte Polizei-Pressesprecher Dietmar Brüning am Nachmittag auf Nachfrage der Redaktion. Der Serval blieb über Stunden in seinem Versteck.

Der Serval hat sich zwischen Büschen und Blumen versteckt.
Der Serval hat sich zwischen Büschen und Blumen versteckt. © Stefan Grothues © Stefan Grothues

Allerdings sind die Zäune in dem Garten nur hüfthoch. Für den Serval wäre es kein Problem, darüber zu springen und so zu entwischen. Denn die Wildkatzen können bis zu drei Meter senkrecht hoch und 3,60 Meter weit springen. Deswegen ließen die Einsatzkräfte größte Vorsicht walten. Sie näherten sich dem Tier nicht und spannten stattdessen eine Barriere mit einem Netz von einem Fußballtor.

Gegen 16.45 Uhr traf ein Tierarzt in dem Garten ein. Er riet jedoch davon ab, den Serval wie geplant zu betäuben. Er befürchtete, dass das Tier wild werden könnte und somit eine Gefahr darstellt. Damit war diese Option vom Tisch.

„Bis zum Einbruch der Dunkelheit muss in jedem Fall eine Lösung gefunden werden“, sagte Dietmar Brüning daraufhin. Ansonsten bestehe die Möglichkeit, dass das Tier entwische und möglicherweise Menschen gefährde. Wenn es keine andere Lösung gibt, solle der Serval deswegen bei Einbruch der Dunkelheit erschossen werden. Darüber waren sich Dietmar Brüning und Simone Groth vom Ordnungsamt einig. Ein Jäger mit Schrotflinte stand schon bereit.

Mit Netzen und Planen versuchten die Einsatzkräften den Serval an einer Flucht zu hindern.
Mit Netzen und Planen versuchten die Einsatzkräften den Serval an einer Flucht zu hindern. © Stefan Grothues © Stefan Grothues

Wittener Experten können Serval unverletzt einfangen

Soweit kam es aber zum Glück nicht. Denn Ordnungsamt und Polizei konnten in Witten echte Serval-Experten ausfindig machen. Michael Groll von der Wittener Wildtiergesellschaft machte sich umgehend auf den Weg nach Stadtlohn. Dann ging es ganz schnell. Mit einem Netz näherte er sich der Raubkatze. Bevor diese fliehen konnte, warf er das Netz über sie. Gegen 19 Uhr war sie endlich eingefangen – unverletzt.

Michael Groll gab dem Tier eine Spritze mit Beruhigungsmitteln und beförderte es in eine Kiste. Er wird den Serval nun mit nach Witten nehmen, wo die Besitzerin ihn abholen kann.

Mit dem Netz eines Fußballtores versuchen die Einsatzkräfte, den Serval in Schach zu halten.
Mit dem Netz eines Fußballtores versuchen die Einsatzkräfte, den Serval in Schach zu halten. © Stefan Grothues © Stefan Grothues

Vermutlich ist der Serval vor zwei Wochen in Winterswijk entlaufen. Dort können die exotischen Tiere ohne Weiteres gehalten werden. In Nordrhein-Westfalen ist das anders. Hier ist diese Gattung meldepflichtig. Vorgeschrieben ist ein großes Außengehege mit mindestens 50 Quadratmetern, eine beheizbare Innenanlage, Bäume zum Klettern und eine große Wasserstelle.

Servale seien nicht grundsätzlich gefährlich, sagt Michael Groll. „Diese Katzen würden Menschen nicht angreifen, außer sie werden in die Enge getrieben.“

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Stefan Grothues
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Als gebürtige Vredenerin habe ich mich aus Liebe zur Region ganz bewusst für den Job als Lokaljournalistin in meiner Heimat entschieden. Mein Herz schlägt für die Geschichten der Menschen vor Ort. Ich möchte informieren, unterhalten und überraschen.
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Victoria Garwer