Modelabel „von Floerke“ kämpft um seinen seriösen Ruf

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Der Name „von Floerke“ steht für hochwertige Männermode. Als im Oktober dieses Jahres das Angebot jedoch um Spirituosen erweitert wurde, begannen die Probleme – mit noch offenem Ende.

Stadtlohn

, 17.12.2018, 14:52 Uhr / Lesedauer: 2 min

Hinter dem Modelabel „von Floerke“, mit Logistikstandort in Stadtlohn, liegt ein rasanter Aufstieg. Gründer und Geschäftsführer David Schirrmacher,verheiratet mit der gebürtigen Stadtlohnerin Johanna Schirrmacher, legte vor drei Jahren beim Vox-Format „Höhle der Löwen“ mit seiner Idee, den Mann mit hochwertigen wie ausgefallenen Accessoires in Szene zu setzen, einen derart überzeugenden Auftritt hin, dass die Investoren Judith Williams, Frank Thelen und Vural Öger zuschlugen. 180.000 Euro sollen sie nach Angaben des Modelabels insgesamt investiert haben.

Es war der Startschuss eines steilen Firmenwachstums. Vor allem das Onlinegeschäft boomte. Im Oktober dieses Jahres entschied sich David Schirrmacher dann, das Geschäft mit Angeboten aus den Bereichen Spirituosen und der gehobenen Gastronomie zu erweitern. Etwas, an dem sich das Modelabel nun jedoch zu verheben droht. Denn: Viele Bestellungen sollen, obwohl sie im Voraus bezahlt worden seien, nie bei den Kunden angekommen sein.

Shitstorm im Netz

Auf zahlreichen Internetplattformen musste das Label darum in der Folge einen Shitstorm über sich ergehen lassen. Von „Betrug“, „Fall für den Richter“ und „Unverschämtheit“ ist dort zu lesen. Im Netz begründete David Schirrmacher die Probleme in der Warenzustellung damit, dass sein Unternehmen von der Menge der Anfragen „überrumpelt gewesen sei“ (wir berichteten).

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Johanna Schirrmacher, Prokuristin im Unternehmen, stellt jetzt jedoch auf erneute Anfrage klar: „Der Lieferstau hat sich schon deutlich entzerrt. Wir arbeiten hart und werden alles abarbeiten.“

Dennoch ermittelt mittlerweile die Staatsanwaltschaft Bonn wegen des Verdachts auf Betrug gegen das Modelabel. „Ja, ich kann bestätigen, dass bei uns zwei Strafanzeigen gegen das Label erstattet wurden“, sagt Staatsanwalt Dr. Sebastian Buß. Dabei beziehe sich eine auf das Spirituosengeschäft der Firma. „Derzeit werden beide Anzeigen überprüft. Wie lange das dauert und wie es dann weitergeht, kann ich derzeit nicht sagen“, so der Staatsanwalt.

Von der Anzeige aus der Presse erfahren

Johanna Schirrmacher macht keinen Hehl aus dem laufenden Ermittlungsverfahren, sagt aber auch, dass sie selbst nur aus der Presse davon erfahren habe. Denn, so berichtet sie, der Anzeigenerstatter soll die Anzeige auch einer örtlichen Zeitung in Bonn zugespielt haben. „Wir hoffen einfach, dass sich das alles schnell klärt.“

Ein Foto aus der Zeit der TV-Show „Höhe des Löwen“: Johanna und David Schirrmacher mit Investor Frank Thelen (r.).

Ein Foto aus der Zeit der TV-Show „Höhe des Löwen“: Johanna und David Schirrmacher mit Investor Frank Thelen (r.). © Foto: privat

Etwas, das ebenfalls für viele Diskussionen im Netz sorgt, sind die angeblich ausstehenden Zinszahlungen des Modelabels an Anleger der Crowd-Investing-Plattform Kapilendo. Auf dieser hat das Modeunternehmen 2017 1,2 Millionen Euro eingenommen. Johanna Schirrmacher nennt dazu keine Details, sagt aber: „Kapilendo informiert unsere Anlieger regelmäßig.“ Die Kapilendo-AG selbst hüllt sich in Schweigen. Eine Pressesprecherin teilt auf Nachfrage lediglich mit: „Wir sammeln zu dem Vorfall alle Informationen. Mehr sagen wir aktuell nicht.“

Nach wie vor voll handlungsfähig

Und auf die durch andere Medien kursierenden Gerüchte, dass das Unternehmen nicht mehr handlungsfähig sei und kurz vor der Pleite stünde, sagt Johanna Schirrmacher: „Das stimmt nicht. Wir sind handlungsfähig und das Geschäft wird auch 2019 weitergehen. Wer bei uns im Onlinestore bestellt, der bekommt seine Ware garantiert.“ Der Schwerpunkt des Unternehmens soll dabei trotz aller neuen Angebote die Mode bleiben. „Was passiert ist, können wir leider nicht mehr ändern, aber wir tun alles dafür, dass sich so etwas nicht wiederholt“, so Johanna Schirrmacher.

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