Mysteriöser Rundbrief über Untreue und Betrug sorgt in Stadtlohn für Ärger und Unverständnis

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Zahlreiche Stadtlohner Einzelhändler, Politiker und Gastronomen hatten am Samstag anonyme Post im Briefkasten. Der Inhalt ist rätselhaft und wirft Fragen auf. Die Polizei ist informiert.

Stadtlohn

, 08.01.2020, 19:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Ein mysteriöser Rundbrief sorgt aktuell für viel Gesprächsstoff und großen Unmut in Stadtlohn. Der Absender bleibt anonym. Der Inhalt ist rätselhaft. Der Wortlaut: „Achtung! Achtung! Dies ist eine Mitteilung. Werte wie Lügen, Betrügen, Benching und bewusste Ausnutzung von Intimitäten sollten nicht unentdeckt bleiben und wahrgenommen werden. Dabei verliert nur einer. #Gerechtigkeit.“

Adressiert wurde er unter anderem an Stadtlohner Einzelhändler, Vertreter der Stadt und Gastronomen. Auch im Briefkasten der MLZ-Redaktion fand sich ein Exemplar; hier sogar mit einem kryptischen Begleittext versehen, der mehr Fragen aufwirft als beantwortet. Die Reaktionen auf die anonyme Post fallen sehr unterschiedlich aus.

Scherz oder Masche?

Jürgen Uepping von „Intersport Uepping“ tat den Brief zunächst als Scherz ab: „Man soll ja nicht gleich die Pferde scheu machen. Ich habe in dem Moment gedacht, dass es sich um einen Streich von Kinder oder Jugendlichen handelt.“ Als er durch Gespräche mit anderen Unternehmern erfuhr, dass nicht nur er anschrieben wurde, begannen die Nachforschungen. Er witterte Abzocke.

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Mittlerweile weiß er, dass ein Großteil der Briefe in Duisburg gestempelt wurde. Die Handschrift im Adressfeld weise auf eine Frau hin. Außerdem checkte Jürgen Uepping, ob Internet-Seiten – die Betrugs-Maschen aufdecken – sich mit diesem Phänomen beschäftigt haben. Ergebnis: Bisher ist kein ähnlich gelagerter Fall bekannt. Für Uepping ist das Thema vorerst abgehakt: „Ich warte jetzt erstmal ab, ob noch etwas hinterher kommt.“

Wirtin des „Töpferkrug“ reagiert emotional

Jessica Behler, Wirtin der Gaststätte „Zum Töpferkrug“, reagierte auf den Brief deutlich emotionaler. Sie entdeckte das Schreiben am Samstagabend nach einer langen Schicht. „Es hat mich total irritiert. Ich habe es erstmal auf mich bezogen und dachte, dass ich einen Gast vielleicht mit einer unbedachten Äußerung vor den Kopf gestoßen haben könnte. Das kann in einer Kneipe ja durchaus vorkommen“, sagt sie am Mittwoch auf Nachfrage.

Noch in der Nacht auf Sonntag stößt sie auf der Plattform Facebook eine Diskussion an, in der sie sich von den indirekten Anschuldigungen des Briefeschreibers distanziert. Erst dadurch wird ihr klar, wie viele Stadtlohner ebenfalls betroffen sind. Eine Facebook-Userin berichtet von einem Gespräch mit ihrem Postboten: „Er hat gefühlt 150 solcher Briefe verteilt.“

Auch einige Tage danach reagiert Jessica Behler immer noch emotional auf dieses Thema – und wählt deutliche Worte. „Ich war ehrlich gesagt richtig wütend und finde das feige ohne Ende. Als ich erfahren habe, dass es an viele Stadtlohner ging, war ich erst Recht sauer. Über das Geld, das der Absender für das Porto ausgegeben haben muss, hätten sich viele karitative Einrichtungen gefreut.“ Wie viele andere fragt sie sich vor allem, welche Intention dahintersteckt.

Polizei schaltet sich nicht ein

So auch Friseurmeisterin Ellen Timpe. Als sie die Post in ihrem Salon las, reagierte sie umgehend: „Man fühlt sich schon ein bisschen belästigt. Deshalb habe ich mit einer anderen Stadtlohnerin die Polizei informiert. Doch die sahen keinen Grund zum Handeln.“ Nadine Hermeling, Mitarbeiterin der Polizei-Pressestelle Borken, bestätigte am Mittwoch: „Es gab eine Person, die sich erkundigt hat. Aber rein rechtlich enthält der Brief nichts bedrohliches.“

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Ellen Timpe sieht das ein bisschen anders: „Direkt nach dem Lesen habe ich mich erstmal persönlich angegriffen gefühlt. Es war keine schöne Erfahrung.“ Von einem „komischen Gefühl“, berichtet auch Denise Schwinning von der SB-Bäckerei „Back König“. Mittlerweile vermutet sie, dass es sich beim Absender um jemanden handelt, „der etwas Schlimmes erlebt hat“.

Stadt Stadtlohn reagiert gelassen

Bei der Stadt Stadtlohn reagiert man hingegen gelassen auf den Brief, der auch an den Bürgermeister samt Stellvertreter adressiert wurde. „Wir gehen damit um, wie wir immer mit anonymer Post umgehen: Wir behandeln sie nicht weiter“, erklärt Günter Wewers, Erster Beigeordneter der Stadt. Für Verwirrung hat er allerdings auch im Rathaus gesorgt: „Wir können uns keinen Reim drauf machen.“

Zunächst habe man gedacht, dass es sich um Kritik an einer politischen Entscheidung handeln könnte. Durch die neusten Informationen wurde dieser Gedanke allerdings verworfen und der Brief auf „Ablage P“ gelandet. Ein Fall für den Papierkorb. Wewers schränkt aber ein: „Falls sich etwas Neues ergeben sollte, werden wir das Thema natürlich aufgreifen.“

Info:

Beim sogenannten „Benching“ (Englisch für „auf die lange Bank schieben“) handelt es sich um ein Dating-Phänomen. Man spricht von „Benching“, wenn die Frau oder der Mann den Date-Partner immer wieder hinhält und dieser zu einer Option von vielen wird.
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