Nach der Brandstiftung an den Schulen: Haften nun die Eltern für ihre Kinder?

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Auf 50.000 Euro werden nach den Brandstiftungen die Schäden an den zwei Realschulen geschätzt. Ein 17-Jähriger hat die Taten gestanden. Müssen die Eltern finanziell in die Bresche springen?

Stadtlohn

, 21.11.2019, 17:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Das ist ein Albtraum für viele Eltern: Durch Übermut und Unvernunft ihrer Sprösslinge wird großer Schaden angerichtet. Und dann stellt sich die bange Frage: Wer bezahlt eigentlich dafür?

17-jähriger Brandstifter ist geständig

Geschehen ist dies vor einer Woche in Stadtlohn. Leichtsinnige Jugendliche haben Mülleimer an der St.-Anna-Realschule und an der Herta-Lebenstein-Realschule in Brand gesetzt. Ein 17-Jähriger hat die Tat gestanden und einen zweiten Jugendlichen belastet, der aber nicht geständig ist.

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Den Gebäudeschaden schätzt die Polizei auf rund 50.000 Euro. Hinzu werden noch Tausende Euro für Gutachter- und Gerichtskosten kommen. Wenn die Brandstiftung erwiesen ist, dann wird auch die Freiwillige Feuerwehr eine Rechnung schicken müssen.

Feuerwehrchef Günter Wewers: „Das Gesetz über den Brandschutz, die Hilfeleistung und den Katastrophenschutz (BHKG) sieht vor, dass Feuerwehreinsätze kostenfrei sind – außer bei Brandstiftung und grober Fahrlässigkeit.“ Nach Wewers‘ Angaben müssten für den Einsatz an den Schulen vor einer Woche mehrere Tausend Euro berechnet werden.

Kurzum: Der 17-Jährige wird den Gesamtschaden nicht aus eigener Tasche begleichen können. Müssen die Eltern nun für ihn haften?

„Ein ganz klares Nein!“, sagt Ferdinand Robers. Er ist Leiter der Provinzial-Geschäftsstelle in Stadtlohn und hat in 45 Berufsjahren jede Menge Versicherungserfahrung gesammelt. Er sagt „Das Schild ,Eltern haften für ihre Kinder‘ ist meistens Blödsinn.“

Eltern haften nicht für Jugendliche

„In Deutschland haftet ein Jugendlicher definitiv für sich selbst. Das Bürgerliche Gesetzbuch sieht nicht vor, dass die Eltern herangezogen werden“, sagt der Versicherungsexperte ganz unabhängig vom konkreten Stadtlohner Beispiel. Auch wenn der Jugendliche nicht über ausreichende Mittel verfüge, könnten die Eltern nicht zur Begleichung des Schadens herangezogen werden.

Wenn Kinder jünger sind als sieben Jahre, sind sie deliktsunfähig. Das heißt: Niemand haftet dafür, wenn sie etwas anstellen. Im Straßenverkehr, so Robers, gelte das sogar bis zu einem Alter von zehn Jahren. In diesen Fällen haften Eltern nur dann von ihren Kindern angerichteten Schäden wenn sie ihre Aufsichtspflicht verletzt haben. Ist das nicht der Fall, bleiben die Geschädigten auf dem Schaden sitzen.

Schulgebäude sind versichert

Ein Jugendlicher aber ist selbstverständlich deliktsfähig und haftet für den Schaden, den er anrichtet. In der Theorie jedenfalls. Praktisch wird ein 17-jähriger Brandstifter kaum einen 50.000-Euro-Schaden begleichen können. Müssen also die Schulträger selbst dafür aufkommen? Vor allem an der St.-Anna-Realschule ist der Schaden immens. Für die relativ kleine Schule in freier Trägerschaft wäre das ein schwerer Schlag.

Doch Schulleiter Rüdiger Schipper kann die Schulgemeinde beruhigen: „Wir haben eine Gebäudeversicherung. Ich gehe davon aus, dass der Schaden komplett gedeckt ist.“ Das gilt für den finanziellen Schaden. „Den Ärger und den Aufwand zahlt uns ja keiner“, sagt der Schulleiter, der auch eine Woche nach der Tat noch keinerlei Verständnis für die Brandstiftung aufbringen kann.

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„Wir haben einen Strafantrag gestellt und auch Akteneinsicht beantragt“, sagt Rüdiger Schipper. Und schon aus pädagogischen Gründen hoffe er, dass die Täter zumindest im Rahmen ihrer Möglichkeiten auch finanziell zur Rechenschaft gezogen werden. Schipper: „Sie müssen ja spüren, was sie angerichtet haben.“

Auf Brandstifter können Regressansprüche zukommen

Und das könnte durchaus passieren: „Jede Versicherung hat ja eine eigene Regressabteilung“, sagt der Fachmann Ferdinand Robers. „Und da wird genau geprüft, ob der Verursacher eines Schadens in Regress genommen werden kann: Können wir was holen? Wollen wir was holen? Und wir erfolgversprechend sind die Bemühungen?“ Diese Fragen, so Robers, stelle sich im Falle einer Brandstiftung jede Versicherung.

Ferdinand Robers sagt aber auch: „Die Versicherungen wollen keine Existenzen vernichten. Forderungen über einen Zeitraum von 30 Jahren einzutreiben, das würde außerdem eine Kosten-Nutzen-Rechnung kaum rechtfertigen.“ Mit anderen Worten: Die Versicherung wird vermutlich auf einem nicht geringen Teil des Schadens sitzen bleiben. Tragen wird ihn am Ende die Gemeinschaft der Versicherten, die die Prämien aufbringen.

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