Die Theatergruppe der Nikolausgesellschaft bei den Proben: Die Akteure stehen auf der Bühne im Konzertsaal des Geschwister-Scholl-Gymnasiums. Noch ist nicht klar, wo das plattdeutsche Stück aufgeführt wird. © Andreas Bäumer
Plattdeutsches Theater

Nikolaus-Theatergruppe probt endlich wieder – und hat ein neues Problem

Eine fast 100 Jahre alte Tradition musste 2020 pausieren: Es gab kein plattdeutsches Theaterstück der Nikolausgesellschaft. Die Truppe probt wieder, doch ein Problem steht an: Wo wird gespielt?

Mit baumelnden Beinen sitzt Klaus-Dieter Weßing auf einem Tisch vor der Bühne. Die Vorfreude ist ihm ins Gesicht geschrieben. Noch hat die Donnerstagsprobe nicht angefangen. Gerade erzählen einige Schauspieler der Nikolausgesellschaft, ihre Regisseurin Silke Lucaßen und der Direktor der Gesellschaft Benno Terliesner von einer langen Tradition.

Jeden November spielt die Truppe mit einem plattdeutschen Theaterstück das Geld für die Nikolaustüten für die Stadtlohner Kinder ein. Weßing ist seit 1986 dabei. Auch seine Frau Doris macht mit, in der Vorbereitungszeit schaut sie auf die Texte. Die Tradition für dieses Benefiz-Theaterspielen ist wesentlich älter und geht bis 1929 zurück. Die Tickets zu den fünf Aufführungen verkaufen sich jedes Jahr sehr gut.

Im letzten Jahr war der Nikolaus auf Spenden angewiesen

„Letztes Jahr ist das Stück erstmalig ausgefallen“, bedauert Direktor Benno Terliesner. Die Corona-Pandemie war der Grund. Doch er ist auch dankbar, denn die Stadtlohner Geschäftsleute haben gut zu den Tüten beigetragen. Die gab es dann am Nikolaustag für Stadtlohner Kinder bis einschließlich der Viertklässler.

Die Theatergruppe der Nikolausgesellschaft hat sich während ihrer Probe zum Gruppenbild zusammengesetzt. Der Direktor der Nikolausgesellschaft Benno Terliesner ist diesmal zu Besuch (hintere Reihe links).
Die Theatergruppe der Nikolausgesellschaft hat sich während ihrer Probe zum Gruppenbild zusammengesetzt. Der Direktor der Nikolausgesellschaft Benno Terliesner ist diesmal zu Besuch (hintere Reihe links). © Andreas Bäumer © Andreas Bäumer

In diesem Jahr klappt es wieder. An zwei Novemberwochenenden führt die Truppe die schwarzhumorige Komödie „Mumienschreck in Düsterneck“ von Fred Redmann auf. „Der November geht dann komplett drauf für Theater“, erinnert sich Schauspielerin und Pressesprecherin der Gesellschaft Anja Schröer an vergangene Jahre. Die Schauspieler sind aber darauf eingerichtet.

Eine schwarzhumorige Komödie ist die diesjährige Wahl

Das Stück handelt, so viel sei verraten, über allerlei Wirrungen um eine Moorleiche, das Bestattungsunternehmen Swattrock und über Eifersucht. Was das Ensemble schon jetzt beim Probenbesuch der Redaktion zeigt, verspricht großen Spaß.

Ruth Hartmann und Klaus-Dieter Wessing sind schon alte Theaterhasen und das zeigt sich an ihrem Spiel schon bei den Proben.
Ruth Hartmann und Klaus-Dieter Wessing sind schon alte Theaterhasen und das zeigt sich an ihrem Spiel schon bei den Proben. © Andreas Bäumer © Andreas Bäumer

Wie das diesjährige stammen viele der Stücke aus dem Norden, zum Beispiel aus Ostfriesland. Der Buchausschuss der Truppe hatte den Text schon im letzten Jahr ausgesucht. „Dann kam Corona“, sagt Regisseurin Lucaßen. Seit August proben die acht ehrenamtlichen Schauspieler zweimal die Woche – zunächst mit dem Textbuch in der Hand, bald aber frei spielend. Lucaßen drängt sie jedes Jahr schnell dazu, die Bücher wegzulegen.

Als also Ruth Hartmann als Hobby-Archäologin Almut Eck am Donnerstagabend ein tränenerstickten Lamento auf die Bühne bringt, gibt ihr Christa Heetpaß – vor der Bühne sitzend – Textzeilen rein. „Die zwei Souffleusen haben während der Proben viel mehr zu tun als während der Aufführung“, sagt Lucaßen.

Der Spielort steht noch nicht fest

Derzeit probt die Truppe in der Aula des Geschwister-Scholl-Gymnasiums. Noch ist die Bühne bis auf ein paar Stühle leer. In künftigen Proben werden Requisiten hinzukommen. Diese und das Bühnenbild helfen dann den Schauspielern dabei, ihre Bewegung auf der Bühne darauf einzustellen.

Regisseurin Silke Lucaßen (hinten) und Souffleuse Christa Heetpass unterstützen tatkräftig vor der Bühne. © Andreas Bäumer © Andreas Bäumer

Terliesner fällt auf, dass einige den vorderen Bühnenbereich noch meiden. Er kennt das aus eigener Erfahrung. Vor seinem Amt als Direktor hat er auch mitgespielt. Nun muss er andere Probleme lösen. „Wir sind froh, dass wir hier in der Aula unterkommen können“, sagt er.

Die aktuell gesperrte Stadthalle ist noch nicht nutzbar, weil dort die Statik geprüft wird. Ob sie für die Aufführungen zur Verfügung steht, ist noch nicht klar. Terliesner würde gerne schon die Karten drucken lassen, doch der Spielort und damit auch die Termine stehen noch nicht fest.