Die neue Rettungswache an der Mühlenstraße ist seit knapp zwei Wochen in Betrieb. Patienten werden davon nicht viel merken, aber den Notfallsanitätern erleichtert sie ihre Arbeit.

Stadtlohn

, 09.10.2019, 04:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Die gute Nachricht vorneweg: Für mögliche Patienten der Rettungswagen in und um Stadtlohn ändert sich durch die neue Wache an der Mühlenstraße nichts. Für die Retter aber macht die neue Wache den Dienst ein ganzes Stück einfacher. Seit gut 14 Tagen ist die neue Rettungswache in Betrieb.

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Dort ist zum Beispiel die Fahrzeughalle zwei Meter länger als der Vorgänger. Dadurch können die Fahrzeuge auch innerhalb der Halle komplett gereinigt und desinfiziert werden. Auch die Krankentragen können so bei geschlossenen Toren aus den Fahrzeugen geholt und wieder verladen werden.

15 hauptamtliche Notfallsanitäter sind im Einsatz

Aber auch abseits der Fahrzeuge hat sich für die 15 hauptamtlichen Notfallsanitäter und zwei Auszubildenden einiges verändert. Sie sorgen dafür, dass die Wache an sieben Tagen die Woche rund um die Uhr besetzt ist.

Schulungs-, Besprechungs-, Aufenthalts- und Umkleideräume im Erd- und Obergeschoss der neuen Wache sollen den Bereitschaftsdienst der Notfallsanitäter vereinfachen. „Die Ruheräume zum Beispiel werden jetzt nur noch einzeln belegt. Wir müssen uns einen Raum nicht mehr teilen“, sagt Wachleiter Ralf Thesker (47). Auch die Bereitschaftsräume seien großzügiger bemessen. Kein Luxus, sondern Multifunktion: Dort können auch Schulungen oder Besprechungen im größeren Kreis stattfinden. „Das war uns wichtig“, so Ralf Thesker weiter. Bis auf ein paar Restarbeiten ist alles fertig.

Umkleiden von der Fahrzeughalle getrennt

Die Umkleiden der Notfallsanitäter sind jetzt von der Fahrzeughalle getrennt. Dort sind auch die Duschen für die Einsatzkräfte untergebracht. „Wir können so nach einem Einsatz direkt unter die Dusche“, erklärt Ralf Sommer (50), stellvertretender Wachleiter. Insgesamt sei die ganze Wache so ausgelegt, dass der potenziell schmutzige, „schwarze“ Bereich vom sauberen „weißen“ Bereich deutlich abgetrennt ist.

Auch technisch hat sich einiges geändert: So ist die neue Wache mit einer Abgas-Absauganlage ausgestattet. Die Dieselmotoren der Rettungsfahrzeuge können nun also gestartet werden, ohne dass die Abgase in den Rest des Gebäudes gelangen. Die Schläuche der Absaugung werden beim Alarm automatisch abgekuppelt, sobald der Rettungswagen das Gebäude durch die Tore verlässt.

DIN-Norm gilt auch für die neue Rettungswache

Insgesamt wurde die neue Wache an die aktuellen DIN-Normen für Rettungswachen angepasst. Die hatte es beim Bau des Vorgängers noch gar nicht gegeben.

Aktuell wird ein zusätzlicher Ausbildungsplatz für einen Notfallsanitäter ausgeschrieben. Bei der Stadt Stadtlohn türmen sich die Bewerbungen. „Allein 116 auf diese eine Stelle“, erzählt der Stadtlohner Ordnungsamtsleiter Thomas Gausling. Die enorme Resonanz freut die Rettungskräfte natürlich. Die schreiben sie auch einem Stück weit dem ärztlichen Leiter im Kreis Borken zu. Der entscheidet nämlich, welche Tätigkeiten ein Notfallsanitäter im Ernstfall überhaupt durchführen darf.

Notfallsanitäter haben im Kreis Borken viele Aufgaben

Und da sei der Kreis Borken vergleichsweise weit vorne. „Wir sind in einem medizinischen Bereich tätig, wo wir relativ viel dürfen“, erklärt Ralf Sommer und deutet auf einen kleinen Ordner mit Plastikkarten: „Standard Operating Procedures“ steht klein gedruckt darauf. Diese Standardprozeduren umfassen einen Großteil der Notfälle, die im Alltag einem Notfallsanitäter begegnen. In einzelnen Diagrammen ist dort abzulesen, was zu tun ist. „Ein System, das sich gut bewährt hat“, erklärt Ralf Sommer.

Noch ein Blick in die Statistik: 1328 Rettungswagen-Einsätze, 208 Krankentransportfahrten und 822 Einsätze des Notarztfahrzeugs wurden 2018 in Stadtlohn verzeichnet. In fast 97 Prozent aller zeitkritischen Fälle waren die Retter innerhalb der vorgesehenen Hilfsfrist von nur zwölf Minuten an der Einsatzstelle und konnten helfen.

Einsätze in Stadtlohn und Umgebung

Zuständig ist die Rettungswache in erster Linie für den Bereich Stadtlohn. Nachts gehört auch die Gemeinde Südlohn mit zum Einsatzgebiet. „Die Alarmierung erfolgt aber mittlerweile über die Leitstelle per Geo-Routing-System“, erklärt Ralf Thesker. Heißt auf Deutsch: Per Satellit wird ermittelt, welches Rettungsfahrzeug am nächsten an der Einsatzstelle ist. „Fährt beispielsweise ein Rettungswagen aus Gescher durch Stadtlohn und kommt schneller zu einer Unfallstelle als wir, bleiben unsere Fahrzeuge in der Garage“, sagt Ralf Thesker.

Auf gut sichtbare Hausnummern sollte niemand verzichten

Satellitennavigation spielt an noch einer Stelle eine Rolle: Bei jedem Notruf werden die Koordinaten der Einsatzstelle automatisch an die Fahrzeuge übermittelt. „Gerade im Außenbereich ist das eine riesige Hilfe“, sagt Ralf Thesker. Zwar kennen die Rettungskräfte viele Adressen, die automatische Navigation erleichtert ihnen aber die Einsatzfahrt. „Natürlich können wir auch noch auf analoge Karten zurückgreifen“, erklärt er. Wichtig sei vor allem auch, dass die Eigentümer ihre Häuser deutlich mit einer Hausnummer kennzeichnen. „Das spart uns im Ernstfall wichtige Sekunden“, so der Wachleiter.

Eine gute Stunde ist an diesem Vormittag vergangen. Der Alarm ist ruhig geblieben. Für die Notfallsanitäter ist das aber kein Grund für Müßiggang. Auch abseits der Einsätze bleibt genug zu tun. Von der Kontrolle der Fahrzeuge über Reinigung und Wartung des Materials bis hin zur Schulung bleibt während der jeweils 24-stündigen Bereitschaftsdienstzeit für jeden genug zu tun.

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