Notorischem Verkehrssünder droht Haft bei der nächsten Rollerfahrt

rnOhne Führerschein

Ein 44-jähriger Rollerfahrer hat vor Gericht hartnäckig sein Tempovergehen auf dem Breul in Stadlohn geleugnet. Nun könnte ihn seine nächste Rollerfahrt geradewegs ins Gefängnis führen.

Stadtlohn

, 04.02.2020, 17:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Der Angeklagte verschränkte am Montag vor dem Amtsgericht Ahaus die Arme vor der Brust und gab trotzig zu Protokoll: „Man kann mir gar nichts beweisen.“ Doch es kam anders, als er dachte.

Polizeibeamte hatte den 44-jährigen sechsfachen Familienvater am 4. September nach einer Rollerfahrt auf der Straße Breul in Stadtlohn gestoppt. Dort war der Stadtlohner mit Tempo 50 auf seinem Zweirad im Autoverkehr mitgeflossen. Er hätte aber höchsten 25 km/h fahren dürfen, weil er keinen entsprechenden Führerschein besaß. Dafür wurde der notorische Verkehrsünder am Montag zu einer Haftstrafe auf Bewährung verurteilt.

Angeklagter bestätigte sein Vergehen per Unterschrift

Polizeibeamte hatten den Rollerfahrer am 4. September 2019 etwa 500 Meter verfolgt. „Der Tacho im Polizeiwagen und das Navigationsgerät zeigten Tempo 50 an“, erklärte der Polizeibeamte am Montag als Zeuge vor Gericht. Nachdem ihn die Polizei kontrolliert hatte, bestätigte der Mann auf einem Anhörungsbogen, mit Tempo 45 unterwegs gewesen zu sein.

Davon wollte der Rollerfahrer allerdings vor Gericht nichts mehr wissen. „Den Anhörungsbogen habe ich nicht ausgefüllt“, erklärte er. „Aber Sie haben ihn unterschrieben“, entgegnete der Richter. Der Angeklagte: „Ja, aber ich habe nicht darauf geachtet, was da drin steht.“

Roller war angeblich gedrosselt

Er behauptete vielmehr steif und fest, sein Tacho habe nur 35 km/h angezeigt und rechnete dem Richter vor: „Mein Tacho geht nicht richtig, tatsächlich bin ich nur 30 gefahren. Davon sind 5 km/h als Toleranz abzuziehen. Also war ich mit Tempo 25 unterwegs.“

Weil sein Roller technisch gedrosselt gewesen sei, habe er auch gar nicht schneller fahren können. „Mein Roller ist nicht beschlagnahmt worden und war auch nicht auf dem Prüfstand. Man kann mir also das Gegenteil nicht beweisen.“

„Ich glaube, Sie lügen!“

Der Richter sah hingegen keinen Anlass, dem Polizeibeamten nicht zu glauben. „Ich glaube, Sie lügen!“, sagte er dem Angeklagten direkt ins Gesicht. Auch weil die Vorgeschichte des Mannes Bände sprach: Schon 2008 war ihm wegen „mangelnder Eignung“ der Führerschein versagt worden. Viermal ist er schon wegen vorsätzlichen Fahrens ohne Fahrerlaubnis verurteilt worden, allein erst im vergangenen Jahr zweimal.

Angeklagter kündigt Widerspruch an

Wie auch die Staatsanwaltschaft sah der Richter aufgrund der einschlägigen Vorstrafen und des fehlenden Geständnisses eine Geldstrafe nicht als ausreichend an. Er verhängte eine dreimonatige Freiheitsstrafe, die für drei Jahre zur Bewährung ausgesetzt wird.

In den nächsten 18 Monaten darf der 44-Jährige auch keinen neuen Führerschein machen. Außerdem muss der arbeitslose Mann eine Geldbuße in Höhe von 300 Euro zahlen und die Kosten für zwei Prozesstermine tragen. Nach dem Urteil erklärte er: „Ich werde Widerspruch gegen das Urteil einlegen.“

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