Notorischer Betrüger aus Stadtlohn prellt Ebay-Nutzer um Tausende Euro

rnGerichtsprozess

Mehrere tausend Euro Schaden – und eine Ehekrise – hat ein gewerbsmäßiger Betrüger aus Stadtlohn verursacht. Der 31 Jahre alter Stadtlohner muss nun für zwei Jahre ins Gefängnis.

Stadtlohn

, 10.01.2020, 19:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Der Diamantring sollte ein Weihnachtsgeschenk für die Ehefrau sein. Der Ehemann war spät dran. Darum entschied er sich am 13. Dezember 2018 für ein Ebay-Angebot. Der Verkäufer versprach eine pünktliche Lieferung bis Heiligabend. Der Ehemann überwies 310 Euro. Den Ring bekam er allerdings nicht. Vor dem Fest nicht, und auch nicht danach. Dafür bekam er großen Ärger mit seiner Frau. Das belegten Chatverläufe, die vor dem Schöffengericht in Ahaus verlesen wurden.

Betrüger ging immer mit der gleichen Masche vor

Der betrügerische Verkäufer ist ein 31 Jahre alter Stadtlohner, der sich am Freitag wegen gewerbsmäßigen Betrugs vor dem Schöffengericht in Ahaus verantworten musste. Dort war er bereits als notorischer Betrüger bekannt.

Seine Masche war immer die gleiche: Mal bot der Stadtlohner unter falschem Namen per Kleinanzeige bei Ebay ein iPhone an, mal eine Playstation, mal einen Instragram-Account mit Followern. Die Käufer überwiesen das Geld, bekamen aber nur Vertröstungen und Ausflüchte, warum sie keine Waren erhielten. Am Ende brach der Kontakt immer ab.

Trotz falschen Namens war es für die Ermittler leicht, den Stadtlohner zu überführen. Nicht nur die Handynummer, über die die Verkaufsgespräche liefen, ließ sich dem 31-Jährigen zuordnen. Auch E-Mail-Adressen und Kontonummern führten auf seine Spur.

Konto der Mutter genutzt

Die Kaufsummen flossen auf das Konto des Angeklagten, auf das seiner Mutter, seines Bruders und möglicherweise auch auf das Konto seiner damaligen Freundin. Die sollte als Zeugin aussagen, erschien aber trotz zweimaliger Vorladung nicht. Sie muss nun 400 Euro Ordnungsgeld zahlen. Tut sie dies nicht, muss sie eine achttätige Ordnungshaft antreten.

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Der Angeklagte äußerte sich vor Gericht nicht näher zu den Tatvorwürfen. Zum Zeitpunkt der Betrügereien stand er noch unter Bewährungsauflage wegen anderer Straftaten. Zuvor hatte er auch schon eine Haftstrafe – ebenfalls wegen Betrugs – verbüßt. „Ich habe das alles nur gemacht, weil ich spielsüchtig war. Ich wünschte, ich könnte das wieder gutmachen“, erklärte der 31-jährige am Freitag in seinem Schlusswort und versprach: „Ich habe mich wirklich geändert. Ich werde keine Straftaten mehr begehen.“

Versprechen des Angeklagten wertete das Gericht als „bloßes Lippenbekenntnis“

„Darf ich das etwa als Geständnis werten?“, fragte der vorsitzende Richter. Aber soweit wollte der Angeklagte nicht gehen. Daher werteten Staatsanwalt und Richter das Versprechen des Angeklagten als bloßes Lippenbekenntnis. „Sie hätten längst mit der Wiedergutmachung beginnen können, wenn es Ihnen wirklich ernst wäre“, sagte der Vorsitzende Richter.

Der Staatsanwalt bescheinigte dem Stadtlohner mit Blick auf die einschlägigen Vorstrafen eine enorme Rückfallgeschwindigkeit und eine schlechte Sozialprognose. Er sehe keinerlei entlastende Momente, die für den Angeklagten sprächen. Darum habe er sogar über einen Antrag auf sofortige U-Haft nachgedacht. „Dass ich das doch nicht getan habe, ist der allerletzte Vertrauensvorschuss für Sie“, sagte er zum Angeklagten. Der Staatsanwalt forderte eine zweijährige Haftstrafe – „unter diesen Vorzeichen selbstverständlich ohne Bewährung“.

Staatsanwalt: „Ebay-Nutzer waren blauäugig“

Der Staatsanwalt verhehlte aber auch nicht, dass die Ebay-Käufer aus seiner Sicht sehr blauäugig gewesen seien und dem Betrüger offenbar ohne Bedenken Geld überwiesen hätten, obwohl die Ebay-Konten des Angeklagten immer nur einige Tage alt gewesen seien.

Das Schöffengericht sah am Ende die Täterschaft des 31-Jährigen als zweifelsfrei erwiesen an und folgte mit seinem Urteil dem Antrag der Staatsanwaltschaft: zwei Jahre Haft. „Über eine Bewährungsstrafe brauchen wir hier nicht zu reden. Sie haben ihre Chance gehabt und sie nicht genutzt“, sagte der Vorsitzende Richter. Zudem ordnete das Gericht die Einziehung von 3700 Euro Wertersatz an. Der Angeklagte muss auch für die Kosten des Verfahrens aufkommen.

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