Oliver Bialowons will Unternehmenskultur neu prägen

Hülsta-Hausmesse

„Ich bin begeistert! Hier herrscht eine Riesendynamik. Es gibt hervorragende neue Ideen, die tatsächlich beim Kunden ankommen werden – auch bei den jungen.“ Hans-Peter Schmid wirkt wie vom Hülsta-Marketing-Chef bestellt. Aber er läuft uns rein zufällig in der neuen Hülsta-Ausstellung über den Weg.

STADTLOHN

, 20.09.2016, 18:27 Uhr / Lesedauer: 3 min

Marketing-Chef Wolfgang Herrmann ist die Freude über das Lob anzusehen. Schließlich gehört Schmid zu den Leuten, die Hülsta neu von sich überzeugen will. Der Saarbrückener ist Chef der acht Einrichtungshäuser von Möbel Martin, dem Marktführer im Saarland und Rheinland-Pfalz. Und Schmid spürt den frischen Wind der bei Hülsta nicht nur durch den Showroom weht. „Ich bin auf der Hausmesse schon seit 25 Jahren zu Gast. Für uns ist das eine sehr wichtige Messe“, sagt Schmid. Und er betont noch einmal: „Hier bei Hülsta tut sich was, das spürt man.“

Bialowons lenkt seit Ende 2014

Veränderung, genau das ist das Credo von Oliver Bialowons, der Ende 2014 zu Hülsta kam und seit eineinhalb Jahren als alleiniger Geschäftsführer die Geschicke des Stadtlohner Traditionsunternehmens lenkt. „Möbel“ kommt schließlich vom lateinischen „mobilis“ – und das heißt beweglich. Oliver Bialowons sagt: „Wir müssen uns bewegen, um den Weg aus einer schwierigen Krise zu finden. Wir sind noch nicht innovativ genug.“ Die Marke Hülsta hat aus Sicht des Geschäftsführers in der Vergangenheit etwas Staub angesetzt.

Oliver Bialowons tut alles, um die ehemals konservative Unternehmenskultur zu ändern: Sein Büro im ehemaligen Konferenzraum hat er kunterbunt mit seinen Privatmöbeln ausgestattet. Ein Schreibtisch fehlt. Auf dem großen Konferenztisch liegt neben einem Alligator eine Bob-Dylan-Autobiografie. Und an seiner Bürotür, die für alle Mitarbeiter offen steht, prangt der Schriftzug: „No Bullshit please“ (Keinen Schwachsinn bitte). Seinen Maßanzug hat der ehemalige Neckermann- und Daimler-Manager gegen Poloshirt und Jeans eingetauscht. Über dem Hülsta-Familientag am Samstag sprang er aus 4000 Metern Höhe mit dem Fallschirm ab. Das alles will er nicht als Show und Flapsigkeit verstanden wissen, sondern als Zeichen für überlebenswichtige Veränderungsprozesse: „In den letzten 15 Monaten hat sich Hülsta mehr verändert als in den 30 Jahren davor.“ Und das sei auch notwendig, um im weltweiten Wettbewerb bestehen zu können. 30 Prozent der Hülsta-Produktion gehen in den Export: zu den europäischen Nachbarn, aber auch nach China, Russland und Australien.

Restrukturierung hinterlässt Spuren

Der Restrukturierungsprozess hinterlässt Spuren. In der Ausstellung, aber auch in den Büros und Produktionshallen. Oliver Bialowons betont: „Die Basis unserer Entscheidungen ist die Betriebswirtschaftlehre.“ Er nimmt die Produktivitätssteigerung, Lohn- und Reklamationsquoten in den Blick. Arbeitsplatzabbau und Automatisierung sind seit 2014 ein großes Thema. Und der bevorstehende Verkauf der Hüls-Tochterunternehmen Parador und Ruf Betten. Für Bialowons ein „ganz normaler Vorgang“, der „total positiv“ für alle Seiten sei. Neue Eigentümer seien für die beiden profitablen Wachstumsunternehmen, die weiteres Kapital bräuchten, eine neue Chance. Und die Verkaufserlöse ermöglichten Hülsta neue Investitionen in die Zukunft. „Wir haben 2014, 2015 und 2016 enorm investiert. Und wir werden dies auch 2017 tun.“ Genau das sei auch der Grund, warum die Mitarbeiter mitzögen. Weil sie den Aufbruch verspürten. „Auf dem Familientag mit 1500 Teilnehmer am Sonntag war die Stimmung extrem positiv.“ Aber Oliver Bialowons ist kein Mann für Harmonievorträge. Darum sagt er auch: „Es darf nicht der Eindruck entstehen, wir hätten schon etwas erreicht.“

Vor der Hülsta-Zentrale in Stadtlohn hat Olivier Bialowons junge Blauglockenbäume pflanzen lassen: Schnell wachsend, ein Lieferant für leichtes und festes Holz. Noch ein Zeichen. Hülsta blickt nicht auf die Krise zurück, sondern in die Zukunft. Bäume wachsen schließlich in den Himmel. Kiri, so heißt der Blauglockenbäume bei den Japanern. Kiri bietet als robuster Vollholzkern den inneren Wert einer neue leichten Möbellinie.

Werte mit Bestand und Visionen für die Zukunft

Marketing-Chef Wolfgang Herrmann spricht in der Ausstellung gerne über die Veränderung der Welt, die auch die Wohnwelt nicht unberührt lasse. Technik, Mobilität, Variabilität. Integrierte USB-Anschlüsse, variable Magnet-Möbel-Wände und Cloudplanungen sind nur drei von vielen Hülsta-Antworten. Now, die junge Hülsta-Linie (20 Prozent des Umsatzes) gewinne weiter an Bedeutung, so Wolfgang Herrmann. Er spricht aber auch über Werte, Qualität, Individualität und zeitlose Linien, denen Hülsta treu bleibe. Noch lieber aber spricht auch er über die Visionen und Experimente des Hülsta-Zukunftslaboratoriums. Und da kommt ihm der Schulterklopfer des saarländischen Möbelhändlers gerade recht.

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