Ordnungsamt dreht die Musik leiser

Savage Music Festival

"Laut, dunkel, heiß und wild" sollte das Savage Music Festival am Samstag werden. 350 Partygäste hatten sich dazu in der Stadtlohner Stadthalle versammelt. Doch schon um kurz nach Mitternacht war die Luft raus. Der Veranstalter macht dafür das Ordnungsamt der Stadt Stadtlohn verantwortlich. Das Rathaus weist diesen Vorwurf zurück.

STADTLOHN

, 29.05.2017, 18:42 Uhr / Lesedauer: 2 min

In einem "überzogenen" Einsatz, so schilderte Veranstalter Colin Germesin am Montag gegenüber der Münsterland Zeitung, hätten sich Ordnungsamtsmitarbeiter gegen 0.30 Uhr Zugang zur Veranstaltung verschafft und den Gästen mit Taschenlampen ins Gesicht geleuchtet und die farbigen Zutrittsbändchen an den Handgelenken kontrolliert, ob die Jugendschutzbestimmungen eingehalten werden.

"Das habe ich in anderen Städten so noch nicht erlebt. Das hat die Partystimmung kaputt gemacht", sagt der Veranstalter aus Recklinghausen. Noch schlimmer aber sei die nächtliche Auflage gewesen, die Lautstärke weiter herunterregeln. "Und das, obwohl es keine einzige Beschwerde gab", sagt Colin Germesin. Er habe vor dem Festival an alle umliegenden Haushalte nicht nur eine Information und Schokolade verteilt, sondern auch seine Handynummer. "Es gab aber keinen einzigen Anruf", sagt der Veranstalter.

Die Stadt Stadtlohn bestätigt: "Es gab tatsächlich keine Beschwerden", sagte der Erste Beigeordnete Günter Wewers. Die Behauptung aber, dass das Ordnungsamt die Veranstaltung unverhältnismäßig beeinträchtigt habe, wies er vehement zurück. In Vorgesprächen sei klar angesprochen worden, welche Jugendschutz- und Lärmschutzauflagen einzuhalten gewesen seien.

"Vorbeugende Kontrolle"

"Bei früheren Veranstaltungen hatten sich immer wieder mal Anwohner über Lärmbelästigungen beklagt", so Günter Wewers. Aus diesem Grunde habe das Ordnungsamt vorbeugend gegen 0.30 Uhr Lärmmessungen durchgeführt. Statt der erlaubten 40 Dezibel habe man an der nächsten Wohnbebauung 60 bis 70 Dezibel gemessen." Einvernehmlich sei daraufhin mit dem Veranstalter besprochen worden, die Lautstärke auf das erlaubte Maß herunterzuregeln.

Wewers: "Wir als Stadt haben keinen Grund, uns über die Veranstalter zu beschweren. Die Zusammenarbeit an dem Abend war gut. Der vom Veranstalter beauftragte Sicherheitsdienst selbst hat die Einhaltung des Jugendschutzes durchgesetzt. Das war nicht das Ordnungsamt."

"Zähe Genehmigung"

Das Kompliment der guten Zusammenarbeit will Colin Germesin nicht an das Rathaus zurückgeben: "Wir haben schon im März die Genehmigungsanfrage gestellt. Drei Wochen lang haben wir gar nichts gehört. Die schriftliche Genehmigung ist erst vier Wochen vor der Veranstaltung eingetroffen. Das ist eigentlich viel zu spät. Andere Städte brauchen dafür nur eine Woche."

Günter Wewers erklärt den Grund des verzögerten Verfahrens so: "Der Veranstalter hat schon parallel zur Antragstellung ohne Genehmigung mit der Plakatierung begonnen. Da der Veranstalter in Stadtlohn noch nicht bekannt war, mussten wir ihn auch ein wenig an die Hand nehmen und auf die Einhaltung der Spielregeln drängen."

"Finanzieller Schaden"

In den sozialen Netzwerken schlagen derweil die Wellen der Kritik an die Stadt hoch. Auf Facebook klagen junge Stadtlohner darüber, dass "das Ordnungsamt mal wieder alles versaut". Ein Nutzer schreibt: "Es ist traurig, dass es nicht mal möglich ist, mal alle paar Monate ein vernünftiges Event für die Jugend zu veranstalten."

Günter Wewers widerspricht: "Die Stadt freut sich über solche Angebote und wir fördern sie. Das Ordnungsamt ist aber gehalten, für die Einhaltung der gesetzlichen Bestimmungen Sorge zu tragen."

Colin Germesin bleibt dabei: "Ich als Veranstalter habe das Gefühl bekommen, dass Jugendveranstaltungen dieser Art in Stadtlohn weniger erwünscht sind als anderswo. Ich denke nicht, dass wir in Stadtlohn noch einmal eine Veranstaltung machen. Für uns ist ein riesiger finanzieller Schaden entstanden."

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