Pfarrer Stefan Jürgens füllt mit seinem neuen Buch „Ausgeheuchelt“ die Kirchenbänke

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Der frühere Stadtlohner Pfarrer Stefan Jürgens hat mit seiner Buchvorstellung den Saal des Otgerus-Hauses gesprengt. Das Interesse war so groß, dass das Publikum die Otgerkirche füllte.

von Katrin Sarholz

Stadtlohn

, 02.10.2019, 19:11 Uhr / Lesedauer: 2 min

Der Andrang war groß zur Buchvorstellung „Ausgeheuchelt“ von Pfarrer Stefan Jürgens – viel zu groß für das Otgerus-Haus. 200 Personen fasste der Saal am Dienstag um kurz nach 19 Uhr, an die 300 warteten noch draußen.

Es wurde telefoniert und organisiert, und eine große interessierte Karawane machte sich auf in die St.-Otger-Kirche, in der ein strahlender Stefan Jürgens das Publikum mit den Worten begrüßte: „Ich glaube, ich habe einen Riesenfehler gemacht – ich bin von Stadtlohn weggegangen!“

Vom Bucherfolg überrascht

Ihn überrasche selbst der Erfolg dieses Buches, das schon auf der Spiegel-Bestsellerliste stehe und bereits nach vier Tagen vergriffen war. „Es ist seit Langem das erste christliche Buch, das es in die Bestsellerliste geschafft habe“, bestätigte auch Büchereileiterin Daniela Kies. In diesem sehr persönlichen Buch beschreibt Jürgens anhand der eigenen Lebensgeschichte, seiner Erfahrungen und Erkenntnisse, was sich in der Kirche ändern müsste, damit sie Bestand habe. „Es geht darum, Dinge klar zu benennen, nicht drauf zu hauen“, erklärte er.

Menschen und Strukturen

Die Kirche dürfe mit ihren strukturellen Sünden dem Menschen nicht im Wege stehen, und er führte aus, dass 2013 mit dem Skandal um Terbartz van Elst mehr Menschen aus der Kirche ausgetreten seien als bei Bekanntwerden der ersten Missbrauchsfälle. „Jetzt stehe ich auf der Roten Liste, aber es geht mir dabei ganz gut!“, sagte Jürgens lachend.

Der Pfarrer ging mit dem Mikrofon durch den Mittelgang und stellte sich den Fragen der Zuhörerinnen und Zuhörer. „Ich interessiere mich für die Macht der ängstlichen Männer…“, sagte eine Zuhörerin. „Das ist die Frauenfrage“, antwortete Stefan Jürgens lächelnd und erklärte, dass die Würdenträger immer gerne biblische Argumente heranzögen: Es seien nur Männer als Apostel ausgewählt gewesen. Oder: Nur ein Mann könne Jesus am Altar vertreten.

Eigentlich hätten aber die „klerikalen Verbände“ Angst davor, aufgebrochen oder sogar zerstört zu werden, wenn eine Frau die Weihe erhielte.

Was aber aus seiner Sicht jemanden zum Priester mache, sei nicht das Geschlecht, sondern die Weihe, die demnach Frauen auch nicht verwehrt werden dürfe.

Die „beste Freundin“

Mit viel Witz und Ironie führte Jürgens durch die Themen seines Buches, sang dazwischen ein Lied auf „seine beste Freundin“ – die Kirche – und betonte immer wieder, dass er nicht mit der Kirche abrechnen, sondern eine Möglichkeit aufzeigen wolle, wie es mit der Kirche aufwärts gehen könne.

Er empfahl den Zuhörern, durchzuhalten und der eigenen Gemeinde treu zu bleiben. „Singen Sie kräftig mit und sagen Sie ihre Meinung!“

Am Ende gab er denen, die ein Buch ergattert hatten, ein Autogramm und entließ alle mit den Worten „Lauft nicht weg, aber geht in Frieden!“

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