Birgit Woltering ist die neue Leiterin der Musikschule Stadtlohn. Schon seit 1986 unterrichtet sie an der Musikschule in Stadtlohn Geige und Klavier. © Stefan Grothues
Musikschule

Piano statt Playstation: Neue Musikschulleiterin freut sich über Boom

Die neue Musikschulleiterin Birgit Woltering freut sich über einen perfekten Neustart. Mehr Kinder denn je haben sich in diesem Jahr angemeldet. Eine Reaktion auf den Pandemie-Frust.

Sie hatte wegen Corona einen Einbruch bei den Anmeldezahlen befürchtet. Nun aber freut sich Birgit Woltering über einen rekordverdächtigen Anmeldeboom bei der musikalischen Früherziehung. „Damit hätten wir nie gerechnet“, sagt die neue Leiterin der Stadtlohner Musikschule.

In diesem Jahr können fünf neue Kurse mit jeweils zwölf Kindern gebildet werden. Mit Orffschen Instrumenten, Tanz und Bewegung sammeln die Kinder dort spielerisch erste musikalische Erfahrungen. Üblich waren in den vergangenen Jahren immer nur zwei oder drei Kurse.

Die Musikschule Stadtlohn erlebt nach den Corona-Erfahrungen einen Anmeldeboom.
Die Musikschule Stadtlohn erlebt nach den Corona-Erfahrungen einen Anmeldeboom. © Stefan Grothues © Stefan Grothues

Nicht trotz, sondern wegen Corona ist die Nachfrage gestiegen, vermutet Birgit Woltering. „Die Kinder brauchen sinnvolle Beschäftigung, sie wollen gefordert werden, sie erleben die Musikschule als Abwechslung.“ Nicht nur die Eltern sind zu dieser Überzeugung gelangt. „Ein Klavierschüler hat mir gesagt, dass er nach dem Corona-Lockdown erst mal die Nase voll habe von der Playstation und nun lieber Klavier übe.

Als Erstklässlerin für die Geige entbrannt

Birgit Woltering selbst hat in ihrer Kindheit ganz ohne Pandemie ihr Herz an die Musik verloren. Ihr Grundschullehrer an der Josefschule in Ahaus spielte Geige. Und sie nahm Geigenunterricht bei der Nachbarin.

„Ich habe sofort für das Instrument gebrannt“, sagt sie. Später habe es aber auch mal eine Phase gegeben, in der sie aufhören wollte. „Ich bin meinen Eltern heute noch dankbar dafür, dass sei es nicht zugelassen haben“, sagt Birgit Woltering.

„Ein Leben ohne Musik kann ich mir nicht vorstellen. Es vergeht für mich kein Tag ohne sie“. Nach dem Abitur studierte sie in Münster und Dortmund Musik. Ein Professor riet den Studierenden: „Wenn Sie sich die Freude an der Musik erhalten wollen, dann werden Sie nicht Musiklehrer.“

„Die Freude am Musizieren ist das Entscheidende“

Birgit Woltering lacht. „Das habe ich immer ganz anders gesehen!“, sagt die heute 59-Jährige. Schon als Studentin begann sie, an der Musikschule in Stadtlohn Geigenunterricht zu geben. Das war 1986. Damals schon erlebte sie eine tiefe Freude, wenn Kinder Spaß am Musizieren fanden.

„Nicht das Ergebnis, sondern die Freude ist das Entscheidende
„Nicht das Ergebnis, sondern die Freude ist das Entscheidende“. Musikschulleiterin Birgit Woltering genießt die musikalische Arbeit mit Kindern. © Stefan Grothues © Stefan Grothues

„Nicht das Ergebnis, sondern die Freude ist das Entscheidende. Es gibt hier Kinder, die ihr Instrument nicht richtig beherrschen. Sie werden aber im Orchester oder im gemeinsamen Musizieren von anderen mitgetragen. Das ist für alle ein tolles Erlebnis.“

Seit 1997 ist Birgit Woltering stellvertretende Musikschulleiterin in Stadtlohn. Nachdem der bisherige Musikschulleiter Rolf Wähning aus gesundheitlichen Gründen ins zweite Glied zurücktrat, übernahm Birgit Woltering jetzt auch ganz offiziell die Leitung, die sie bereits kommissarisch innehatte.

Stadt stärkt der Musikschule den Rücken

Wie steht es um die Musikschule in Stadtlohn? Birgit Woltering überlegt nicht lange: „Sehr gut!“ Weil die Anmeldezahlen stimmten. Weil die räumlichen Voraussetzungen hervorragend seien. Und weil die Musikschule der Stadt am Herzen liegt.

Das zeigt sich zum Beispiel daran, dass die Stadt Stadtlohn alle 19 Musiklehrerinnen und -lehrer nach dem Tarifvertrag für den Öffentlichen Dienst (TVöD) entlohnt. Das ist an vielen Musikschulen nicht selbstverständlich. Im Krankheitsfall zum Beispiel sind tariflich angestellte Musikschullehrer im Gegensatz zu Honorarkräften durch Lohnfortzahlung abgesichert.

550 Musikschüler lernen ein Instrument

Rund 550 Musikschülerinnen und -schüler unterrichtet die Stadtlohner Musikschule an rund 20 verschiedenen Instrumenten, von Akkordeon bis Violine, von Ballett bis Schlagzeug. 100 Gitarrenschüler und 50 Klavierschüler spielen die beliebtesten Instrumente. Für die Geige oder das Violoncello (14 Schülerinnen) würde sich Birgit Woltering über eine größere Nachfrage freuen.

Das Angebot der Musikschule hat sich in den letzten Jahrzehnten sehr gewandelt: „Anders als früher spielt heute auch die Popmusik eine große Rolle. Band-Coaching und Songwriting haben heute ihren festen Platz in unserem Angebot“, sagt Birgit Woltering, deren musikalische Herz vor allem aber für Bach (Brandenburgische Konzerte) und Brahms (Violinsonate) schlägt. „Ich kann aber auch Popsongs genießen.“

JeKits soll auf die gesamte Grundschulzeit ausgedehnt werden

Für die Zukunft hat Birgit Woltering noch einiges vor. Das Programm „JeKits – Jedem Kind Instrumente, Tanzen, Singen“, das heute noch Erst- und Zweitklässlern vorbehalten ist, soll auf die gesamte Grundschulzeit ausgedehnt werden. Die neue Musikschulleiterin strebt auch Projekte mit den weiterführenden Schulen in Stadtlohn an.

Mit der Hilgenbergschule plant Birgit Woltering ein Tanzprojekt „The Greatest Showman“, das 2023 in der Stadthalle aufgeführt werden soll. Für 2022 ist eine Wiederholung des großen offenen Session „Let‘s play together“ für alle Stadtlohner Musiker vorgesehen.

Wer nicht so lange warten will kann sich auch schon am Samstag, 25. September, an der Musizierfreude teilhaben. In zwei Konzerten um 15 Uhr und um 16.30 Uhr in der Konzertaula des Geschwister-Scholl-Gymnasium zeigen Nachwuchsmusikerinnen und -musiker sowie Balletttänzerinnen und -tänzer, was sie in der Musikschule Stadtlohn gelernt haben.

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Stefan Grothues