Bei der Nikolausgesellschaft Stadtlohn geht es wieder hoch her – diemal „nachts üm veer“

rnPlattdeutsches Theater

Um die Nikolaustüten für die Kinder zu finanzieren, geht die Nikolausgesellschaft wieder auf die Bühne. Die Laienspielschar studiert das neue Stück ein. Mit viel Engagement und Spaß.

von Katrin Sarholz

Stadtlohn

, 16.10.2019, 17:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Ein Montagabend im Oktober, 19.30 in der Stadthalle. Ein Sofa steht auf der Bühne, ein paar Stühle im Halbkreis daneben, darauf haben es sich die Schauspieler der Nikolausgesellschaft bequem gemacht. Am Bühnenrand haben Regie und Souffleuse ihren Platz, dann geht es sofort zur Sache. Das neue plattdeutsche Stück wird geprobt.

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Mutter Lilo betritt mit dem Hausmeister durch die noch nicht vorhandene Tür die Studentenwohnung des Sohnes Thomas, der kommt dazu und lässt eine plattdeutsche Schimpftirade ab. Regisseurin Silke Lucaßen unterbricht und gibt Anweisungen. „Du bist ein richtiger Angsthase, du musst dich hinter Lilo verstecken!“ Die Nikolausgesellschaft probt gerade für ihr neues Stück. Es wird zurückgeblättert und wiederholt – mit Angsthase.

Buchauschuss hat modernes Stück ausgesucht

Schon im vergangenen Januar hat sich der fünfköpfige Buchausschuss getroffen, um ein geeignetes Stück auszusuchen. Das dauere dann etwa bis April. „Wir mussten schon mal fast 60 Bücher bestellen, lesen und besprechen, bis wir uns einigen konnten“, erklärt Lucaßen.

Der nächste Schritt sei dann das Umschreiben des Plattdeutschen in Lautschrift, das übernehme Co-Regisseurin Doris Kopp, denn gerade die jungen Schauspieler könnten kein Platt mehr. „Dann überlegen wir gemeinsam, wer in welche Rolle passen könnte, ganz demokratisch, und ab Mitte August wird zweimal wöchentlich geprobt.“

Vorverkauf läuft gut

Direktor Benno Terliesner gibt schon mal eine Zwischenbilanz. „Der Kartenvorverkauf an den Grundschulen läuft mächtig gut an.“ Er sei sehr zuversichtlich, dass alle fünf Vorstellungen ausverkauft werden. „Wir sind weit über die Stadtgrenzen hinaus bekannt,“ sagt er nicht ohne Stolz, selbst aus Münster und Recklinghausen kämen regelmäßig Zuschauer.

Für die Nikolautüten

Mit den Einnahmen aus den Vorstellungen werden jedes Jahr die Nikolaustüten für die Kinder finanziert. Die Einnahmen decken etwa 80 Prozent der Kosten. Das alles funktioniere nur so gut, weil es ein so gutes Team sei, erklärt Lucaßen. Vom Buchausschuss über die Bühnenbildner bis zu den Schauspielern. „Das ist wie nach Hause kommen, hier,“ bestätigt auch eine Darstellerin, „wie eine zweite Familie.“

Dieses Jahr spielt die Laienspielgruppe der Nikolausgesellschaft das moderne Stück „Immer weer nachts üm veer“. Kurz und knackig, mit viel Tempo und Action auf der Bühne, heißt es in der Beschreibung. „So was haben wir noch nicht gespielt“, beschreibt Silke Lucaßen mit leuchtenden Augen.

Bei der Nikolausgesellschaft Stadtlohn geht es wieder hoch her – diemal „nachts üm veer“

Das Ensemble der Niolausgesellschaft: Diese Stadtlohner proben in ihrer Freizeit ein plattdeutsches Stück ein und führen es auf. Der Erlös ist für die Nikolaustüten für die Stadtlohner Kinder bestimmt. © Stephan Teine

Es ist eine Komödie von Rolf Sperling, Stefan Bermüller und Jan Harrjes. Natürlich geht es auf der Bühne rund: Nachts um vier, erst Gestreite, dann Geklingel. Egal, ob Nachbarsfamilie Bremer, Freundin Tanja oder Mutter Lilo mit dem Hausmeister – alle scheinen sich am liebsten in Thomas‘ Wohnung aufzuhalten.

„Wo ist Freddy?“

Die Probe geht weiter. Der Student Thomas soll im Badezimmer verschwinden. Pantomimisch tritt er durch eine gedachte Tür. Kurze Unterbrechung. „Wo ist Freddy?“, wird gefragt. Er sei für die Badezimmergeräusche zuständig. Nachbarin Susanne betritt mit Freundin Tanja die Wohnung, räumen imaginäre Wäsche auf und verschwinden dort, wo später die Küche sein soll.

Regisseurin Silke Lucaßen leitet die Personen immer wieder an die richtigen Stellen, schafft es, mit kleinen Mitteln den Raum zu füllen. „Am Anfang wollen sie sich immer hinten auf der Bühne verstecken“, sagt sie lächelnd.

Probe mit Phantasie

Vieles müssen sich die Schauspieler noch denken, aber ihre Gesichter sprechen schon Bände, sie springen von einem Wimpernschlag zum nächsten von Lachen auf Weinen um und spielen ihre Rolle, als wäre der Saal schon voller Leute.

Sie lieben ihre Rollen, auch gerade das Plattdeutsche, denn auf Platt könne man viel besser spielen und fluchen, so die einhellige Meinung. Da kann schon mal der Wochenmarkt zur Theaterbühne werden, wenn sich zwei Darsteller zufällig beim Einkaufen begegnen, und sich ihrer Rolle gemäß lautstark anschmachten.

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