Riesen aus Stahl zu Leibe gerückt

RWE erneuert Freileitung

STADTLOHN/SÜDLOHN Langsam schwenkt der 80-Tonnen-Kran den oberen Teil des Strommastes in Richtung der Arbeiter. Die warten bereits in rund zehn Meter Höhe, greifen nach den Streben und befestigen rasch die Teile miteinander.

von Von Katrin Herbers

, 15.05.2009, 18:16 Uhr / Lesedauer: 2 min

Wieder haben sie ganze Arbeit geleistet: Ein neuer, knapp 35 Meter hoher Mast steht. Routine für die Männer, die zurzeit im Auftrag der RWE Westfalen-Weser-Ems Netzservice GmbH die 110 Volt-Freileitung zwischen Stadtlohn und Dorsten erneuern. 18 Masten bauen sie auf der 4,5 kilometerlangen Teilstrecke, die auch über Südlohner Gebiet verläuft, zunächst ab, um knapp 15 Meter weiter entlang der Trasse das nächste von 17 Stahlungetümen wieder aufzustellen. Immer weiter geht es in Richtung Dorsten. Bis sie ihr Ziel erreicht haben, haben die "Kletterer" weitere 72 Masten neu errichtet.

Auch die Feileitungen werden über eine Entfernung von insgesamt 37 Kilometern zu weiten Teilen ausgetauscht, damit in Stadtlohn und auch in Borken, Dorsten und Lembeck die Versorgung weiter verbessert und dauerhaft sichergestellt ist. Neun Millionen Euro lässt sich die RWE das Projekt , das bis Ende 2010 abgeschlossen sein soll, kosten. Doch bis zum 26. Juni bleiben die Arbeiter zunächst in der Bauernschaft Estern.

Konzentriert arbeiten

Mit dem Schneechaos im Münsterland, das 2005 zahlreiche Masten brechen ließ, hingen die Arbeiten nicht zusammen. Schuld sei die Naturkatastrophe gewesen und nicht das Material, das damals wie heute eine hervorragende Qualität hätte, erklärt Pressesprecherin Sabine Schmelter und fährt fort: "Mit den kontinuierlichen Modernisierungsarbeiten bringen wir unsere Netzinfrastruktur auf den neuesten Stand der Technik." Die Männer mit den weißen Helmen haben keine Zeit, hierüber nachzudenken. Konzentriert arbeiten sie sich in Richtung Ramsdorf vor. Jeder Griff sitzt. Auch wenn sie sich auf dem Mast bewegen.

In den Tod gestürzt

Die Sicherheit hat oberste Priorität. An der Notwendigkeit lässt Baukoordinator Ronald Dahl keinen Zweifel: "Wir haben eben einen gefährlichen Job." Die Mitarbeiter trügen ständig einen Auffanggurt, seien mit einem Y-Seil gesichert und nähmen an Sicherheitsschulungen teil. Doch ein Restrisiko bleibt. Wie der Fall eines 27-jährigen Mannes aus Herzberg zeigt, der am Montag bei Korrosionsschutzarbeiten in Graes wohl auf vorgeschriebene Sicherungen verzichtete und von einem Hochspannungsmast in den Tod stürzte.

Wie die Grundstückseigentümer reagieren, wenn sie mal über grünes Weideland, dann wieder über Äcker ziehen, um den vier Tonnen schweren Stahlriesen zu Leibe zu rücken? "Wir haben uns mit den Grundstücksbesitzern und Behörden abgestimmt. Die Landwirte hätten es natürlich am liebsten, wenn wir nach der Ernte kämen. Aber wir können uns die Jahreszeit nicht aussuchen. Wir arbeiten das ganze Jahr hindurch", schildert Ronald Dahl. Für Anwohner und Kunden gebe es keine Beeinträchtigungen. Der Strom fließe zurzeit von Gronaus aus in ihre Häuser. kh

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